Berühmte Nichttrinker: Mahatma Gandhi

21 Juli 2020

Mahatma Gandhi war ein charismatischer Führer. Mit seinem gewaltlosen Widerstand kämpfte er für die Bürgerrechte der Inder in Südafrika und für Indiens Unabhängigkeit von der britischen Kolonialmacht. Er verzichtete sein Leben lang auf den Verzehr von Fleisch und den Genuss von Alkohol.

Mahatma Gandhi, ursprünglich Mohandas Karamchand Gandhi, wurde am 2. Oktober 1869 als jüngster von vier Söhnen in Westindien geboren. Seine Eltern waren Hindu und gehörten der Kaste der Vaishyas (Landwirte, Händler und Kaufleute) an. Gandhis Vater, der nur die Volksschule besucht hatte, wurde Ministerpräsident des Fürstenstaats Porbandar. Seine Mutter führte den Haushalt, war streng religiös, lebte asketisch und fastete oft. Die religiösen Grundsätze seines Elternhauses und der Einfluss seiner Mutter prägten Gandhi stark. Religiöse Toleranz und strikte Enthaltsamkeit sollten ihn sein Leben lang auszeichnen. Mit sieben Jahren wurde Gandhi mit der gleichaltrigen Kasturba Makthaji verlobt und mit dreizehn Jahren verheiratet. Aus ihrer Ehe gingen vier Kinder hervor.

Vom Rechtsanwalt zum Freiheitskämpfer

Dem Wunsch seines verstorbenen Vaters folgend, verliess der junge Vater und Ehemann 1888 Indien, um in London Recht zu studieren. Verwandte und Freunde befürchteten, dass er sich den englischen Sitten anpassen und seine Religion sowie Ess- und Trinkgewohnheiten aufgeben würde. Um die Familie zu besänftigen, gelobte er vor seiner Mutter, sich in England von Fleisch, Alkohol und Frauen fernzuhalten. Er liess sich in London zum Rechtsanwalt ausbilden, nebenbei nahm er Tanzunterricht und engagierte sich in der Vegetarischen Gesellschaft. Gandhi war als Kind äusserst schüchtern. Auch der junge Rechtsanwalt fühlte sich stets unsicher. Als er, zurück in Indien, seinen Beruf praktizierte, bekam er vor Gericht kein ein Wort heraus und war nicht in der Lage, Kreuzverhöre durchzuführen. Abhilfe schaffte eine Stelle als Rechtsberater in Südafrika, das damals wie Indien zum britischen Weltreich gehörte. Empört darüber, dass den Indern viele bürgerliche Freiheiten und politische Rechte verweigert wurden, nahm Gandhi den Kampf für deren Grundrechte in Südafrika auf. Eines Tages hatte man ihn auf einer Zugfahrt trotz eines gültigen Erstklasse-Fahrausweises aus dem Zug geworfen. Am Bahnhof, vor Kälte zitternd, hielt er inne und fragte sich, ob er nach Indien zurückkehren oder aber für seine Rechte protestieren sollte. Er entschied sich für den Protest und erwirkte am darauffolgenden Tag, dass er seine Zugreise fortsetzen konnte. Gandhi, der sich in erster Linie als Brite und erst in zweiter Linie als Inder fühlte, wurde zum Anwalt für die Rechte der Inder. 1894 gründete er in Südafrika den «Natal Indian Congress», mit dem er den Widerstand der indischen Einwanderer gegen die diskriminierenden Rassengesetze organisierte. Im Zweiten Burenkrieg sympathisierte er zwar mit den Holländern, kämpfte aber auf der Seite der Briten. Er mobilisierte 1100 Hindu, um sich an der Front als Sanitäter nützlich zu machen. Damit wollte er den Briten beweisen, dass nicht nur Muslime, sondern auch Hindu tapfere Soldaten sein können. Scheinbar im Widerspruch zum gewaltlosen Widerstand schrieb er: «Wo es nur die Wahl zwischen Feigheit und Gewalt gibt, da würde ich zu Gewalt raten.» Nach dem Krieg wurden Gandhi und 37 weitere Inder mit der Südafrika-Medaille der englischen Königin ausgezeichnet.

Indiens konfliktreicher Weg in die Unabhängigkeit

Im Alter von 45 Jahren kehrte Gandhi nach Indien zurück und übernahm dort die Führung in einem schwierigen Unterfangen: dem Kampf der Inder für ihre staatliche Unabhängigkeit. Er entwickelte die Methode des passiven Widerstands gegen Grossbritannien, für die er die Bezeichnung «Satyagraha» (Hingabe an die Wahrheit) wählte. Damit meinte er das unbedingte Festhalten an dem als wahr Erkannten und, im Sinne dieses Wahren, den gewaltlosen Widerstand gegen jedes Unrecht. Als das britische Parlament den während des Ersten Weltkriegs eingeführten Ausnahmezustand in Indien verlängerte, breitete sich die Satyagraha-Bewegung im ganzen Land aus und fand Millionen von Anhängern. Da die Briten keine Anstalten machten, den Indern entgegenzukommen, rief Gandhi zu einer Kampagne der Asahayoga (Verweigerung der Zusammenarbeit) auf. Inder im Staatsdienst quittierten den Dienst, Regierungsbehörden, z. B. die Gerichte, wurden boykottiert, und indische Kinder wurden von den staatlichen Schulen genommen. Im ganzen Land blockierten Inder die Strassen und weigerten sich selbst nach Gewaltanwendung der Polizei, aufzustehen und die Strasse zu verlassen. Gandhi wurde wiederholt inhaftiert. Der Asket führte unzählige gewaltlose Proteste an, bis die Briten Indien schliesslich 1947 in die Unabhängigkeit entliessen. Eine von Gandhis Methoden war das «Fasten bis zum Tod», das wegen seines abgemagerten Körpers und seiner weltweiten Bekanntheit äusserst wirksam war, zumal die Briten bei seinem Tod im Gefängnis einen Aufstand hätten befürchten müssen. Gandhis Vision eines unabhängigen und religiös pluralistischen Indiens wurde Anfang der 1940er Jahre durch den aufkommenden muslimischen Nationalismus in Frage gestellt. Dieser führte zur Spaltung der früheren Kolonie in zwei Staatsgebiete – Indien für die Hindu und Pakistan für die Muslime – sowie zu religiös motivierter Gewalt und Vertreibungen.

Um die Gewalt zu beenden, besuchte Gandhi die betroffenen Gebiete und trat wiederholt in den Hungerstreik. Einige Inder waren der Auffassung, dass er Pakistan zu sehr entgegengekommen war. Am 30. Januar 1948 wurde Gandhi auf dem Weg zu seiner abendlichen Gebetsversammlung von einem fanatischen Hindu erschossen.

Alkoholverbot und Askese

Neben seinem Kampf für Indiens Unabhängigkeit setzte sich Gandhi nicht weniger lang für das Verbot von Alkohol ein. Im Mittelpunkt standen für ihn die Armen und Kastenlosen, die am meisten unter den Auswirkungen des Alkoholkonsums zu leiden hatten. In seinem Buch Wegweiser zur Gesundheit schrieb Gandhi: «Alkohol lässt einen Menschen sich selbst vergessen, und solange die Wirkung anhält, ist er völlig unfähig, etwas Nützliches zu tun. Wer trinkt, ruiniert sich selbst und sein Volk. Er verliert jeglichen Sinn für Anstand und Schicklichkeit.» Gandhi führte ein Leben im Zeichen des Gebets, des Fastens, der Askese und der Meditation. Da er materiellen Besitz ablehnte, trug er einen einfachen Lendenschurz und das Tuch der untersten Kaste. Er ernährte sich einfach und vegetarisch. Die Inder verehrten ihn wie einen Heiligen und verliehen ihm den Ehrentitel «Mahatma» (grosse Seele). Gandhis Eintreten für das buddhistische Prinzip der Gewaltlosigkeit (Ahimsa, «Nichttöten») war seiner Ansicht nach auch der Ausdruck einer dem Hinduismus angemessenen Lebensweise. Beeinflusst von Lew Tolstoi, mit dem Gandhi im Briefwechsel stand und der 1908 im «Brief an einen Hindu» den gewaltlosen Weg der Inder in die Unabhängigkeit vorgezeichnet hatte, beeindruckt von Henry David Thoreaus Essay «Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat» und als jemand, der die christliche Bergpredigt sehr wertschätzte, entwickelte er seine Politik. Die wichtigste Schlacht, die es zu schlagen gelte, erklärte Gandhi, sei die Überwindung der eigenen Dämonen, Ängste und Unsicherheiten. Wo Gandhi seinen Mut und seine schier grenzenlose Kraft hernahm, beantwortete er in seiner Autobiografie: «Wenn jede Hoffnung dahin ist, wenn jede Hilfe versagt und kein Trost zurückbleibt (wie es im Kirchenlied «Bleib bei mir» von Henry Francis Lyte heisst), dann erfahre ich, dass irgendwie Hilfe kommt; woher, weiss ich nicht. Flehen, Anbeten, Beten sind kein Aberglaube; es sind Handlungen, die wirklicher sind als Essen, Trinken, Sitzen oder Gehen. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass sie allein wirklich sind und dass alles andere unwirklich ist.

Quelle: Blaues Kreuz 4/2020







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