«Der Auftrag und die Werte des Blauen Kreuzes passen bestens zusammen»

23 Januar 2020

Interview mit dem neuen Zentralvorstandsmitglied Daniel Röthlisberger

Blaues Kreuz: Warum hast du dich um einen Vorstandssitz im Blauen Kreuz Schweiz beworben?

Daniel Röthlisberger: Ich dachte, ich könnte Lehren aus der Heilsarmee im Blauen Kreuz nutzbar machen, etwa bei den Brockenhäusern. Unsere Vorgeschichten sind ähnlich, und wir stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Privat habe ich übrigens nie Alkohol getrunken.

Warum?

Ich mag den Geschmack nicht – zum Glück. Einzelne aus meiner Herkunftsfamilie hatten ein Alkoholproblem. Von da kenne ich das Leid in Verbindung mit dem Alkohol. Was das Wertefundament des Blauen Kreuzes angeht, glaube ich, dass stirbt, was verwässert wird. Unsere Werte sind christlich begründet, gelten aber universell, so zum Beispiel Nächstenliebe, Freiheit oder Versöhnung.

Warum willst du dich fürs Blaue Kreuz einsetzen?

Mir würde es sehr leidtun, wenn das Blaue Kreuz verschwinden würde. Die Herausforderungen müssen aktiv angegangen werden. Es braucht Investitionen in neue Zielgruppen, zum Beispiel in Kooperationen mit Firmen, etwa der Migros. Ich denke auch an strategische Partnerschaften mit anderen Hilfswerken da, wo sich unsere Aufgaben überschneiden. Gelegentlich liegt die Lösung nicht in der eigenen Organisation, sondern ausserhalb.

Was gefällt dir am Blauen Kreuz?

Der Auftrag, verbunden mit der Wertebasis. Die passen hervorragend zusammen. Ich finde, das Blaue Kreuz hat in der Gesellschaft einen wichtigen Auftrag, der sich übrigens nicht auf den Alkohol beschränken, sondern auf andere Süchte ausgedehnt werden sollte. Alkoholismus tritt immer häufiger in Verbindung mit anderen Süchten auf, zum Beispiel mit Kokainabhängigkeit.

Wo liegen deiner Meinung nach die grössten Herausforderungen des Blauen Kreuzes?

Wenn das Blaue Kreuz eine Zukunft haben will, dann muss es seine Energie auf die Aussenwirkung konzentrieren. Ich denke, die Kantonalverbände können von einem starken Dach profitieren – einem Dach, das nicht nur verwaltet, sondern auch Impulse gibt. Mich irritiert beispielsweise, dass die Blaukreuz – E-Mail-Adressen verschiedene Domains haben und dass der grafische Auftritt nicht einheitlich ist.

Das schwächt das Blaue Kreuz, selbst wenn es starke Kantonalverbände gibt. Die Solidarität wird geschwächt. Ein starkes Dach nützt allen. Es geht nicht um Zentralisierung oder ein Diktat von oben, sondern um eine geteilte Kultur und Mentalität. Wenn ich heute aufs Blaue Kreuz blicke, dann sehe ich nicht eine starke gemeinsame Bewegung, sondern verteilte Kräfte.

Was möchtest du im Blauen Kreuz bewirken?

Ich möchte einen Beitrag zum Gemeinsamen im Blauen Kreuz leisten. Im Vorstand betreue ich das Ressort Betriebe, dazu zählen die Brockenhäuser. Ich kann zum Beispiel helfen, geeignete Kennzahlen zu finden und Instrumente zu entwickeln, die zum Erfolg führen. Schweiz-weite Standards für den Auftritt der Brockenhäuser würden die Blaukreuz-Marke stärken.

Was bedeutet dir die christliche Grundlage des Blauen Kreuzes?

Ich bin seit elf Jahren Mitglied der Heilsarmee, vorher besuchte ich eine Pfingstgemeinde. Als Kind war ich zwar getauft, aber an Religion nicht interessiert. Mit 24 Jahren erlebte ich eine Bekehrung. Der Glaube ist in meinem Leben zentral. Für mich gehört er auch wesentlich zum Blauen Kreuz.

Du hast 2003 beruflich vom Technisch-Kaufmännischen ins Soziale gewechselt. Warum?

Eigentlich suchte ich das Soziale nicht. Ich war damals Stellenleiter bei einem Dienstleister im Haushaltgerätemarkt. Ich arbeitete hart, stand unter grossem Druck und setzte meine Mitarbeiter unter Druck. Es kam zu Krankheitsausfällen und Abgängen; ich selbst stand vermutlich vor einem Burnout. Das wollte ich ändern. Deshalb bewarb ich mich als Berater beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Langenthal. Dort kam ich rasch wieder zu einer Führungsfunktion, denn die reizt mich.

Wie möchtest du deine Führungserfahrung ins Blaue Kreuz tragen?

Zuerst will ich herausfinden, wie viel Veränderung es in der Blaukreuz-Kultur verträgt. Ich habe eine bestimmte Vorstellung von guten Arbeitsabläufen und gebe diesen einen hohen Stellenwert, denn sie können das Tages-geschäft enorm beruhigen.

Wo soll das Blauen Kreuz in zwanzig Jahren stehen?

Ich wünsche mir ein in der Gesellschaft relevantes Blaues Kreuz, und dass jede Schweizerin und jeder Schweizer weiss, wofür es steht. Partnerschaften finde ich für unsere Zukunft sehr wichtig. Wir sollten in wichtigen Gremien dabei sein und dort Einfluss nehmen. Der Dachverband soll im Blauen Kreuz einigend und prägend wirken. Politisch sollten wir mit Vorstössen präsent sein und gefragt sein als erfahrener und kompetenter Partner.

Daniel Röthlisberger

  • Jahrgang 1970, verheiratet, drei Kinder
  • 1997–2003 Verkaufs-/Kundenverantwortung in technischen Firmen
  • Ab 2003 Leiter des RAV Langenthal, ab 2010 Leiter Sozialwerke bei der Heilsarmee, ab Februar 2020 Geschäftsführer von Tangente GmbH

Quelle: „Blaues Kreuz“ 1/2020







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