Alkohol und Nikotin – Partner leugnet die Sucht

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anonym asked 4 Monaten ago

Mein Partner hat immer wieder Phasen, in denen er sehr viel trinkt und raucht. Es endet stets im Vollrausch und Ketterauchen (obwohl er schon öfter versucht hat, damit aufzuhören). Mir tut es sehr weh, mitanzusehen, wie er seiner Gesundheit schadet und sich alles nur noch darum dreht. Ich bin schwanger und für mich sind Raucherkneipen tabu, und somit bin ich die „Spaßbremse“ und sehe ihn kaum noch – denn Situationen, in denen er nicht rauchen oder sich abschießen kann, langweilen ihn. Er will mich nirgendwo mehr dabei haben, schließt mich von Freunden aus (damit er mit denen hemmungslos trinken und rauchen kann), und kommt nicht mal mehr nachts nach Hause. Zärtlichkeiten gibt es auch keine mehr, weil seine Libido dabei komplett auf der Strecke bleibt. Wenn er mal einen Freitag clean bleibt, ist er nach kurzer Zeit schlecht gelaunt und ich krieg es aufs Übelste ab (verbale Beschimpfungen und Beleidigungen, bis mir die Tränen kommen – und selbst dann geht es noch weiter: „hör mit der ständigen Heulerei auf, das nervt, und du siehst scheiße aus dabei“). 
Das tut ihm später leid und er entschuldigt sich und gelobt Besserung (lieber wieder Sport als Ausgleich) – aber dann landet er doch wieder in der Kneipe statt im Fitness… Er leugnet, dass er süchtig ist und meint er hat alles im Griff – und oft frage ich mich, ob ich es vielleicht wirklich zu eng sehe. Allerdings schafft er es kein einziges Mal, seine guten Vorsätze länger als 2 Wochen durchzuhalten, und es fallen immer öfter irrationale Sätze wie „Jeder vernünftige Mensch raucht“, „Erst nach dem ersten Bier wird der Tag schön“, „Ich brauch das zum Runterkommen“, „Ohne Zigaretten kein Spaß“, „Ich muss einfach mehr Bier trinken, dann mag ich dich auch wieder“ oder „Ich besorg mir einfach ganz viel Bier und trink mir das schön“…

Leider sind alle seine Freunde genauso, rauchen und trinken regelmäßig und exzessiv und auch weitere Drogen wie Marihuana, Pilze, MDMA gehören zum Alltag. Darum ist er überzeugt, dass er völlig normal sei und ICH diejenige bin, die nicht normal tickt, und dringend mal locker werden und ihre Probleme in den Griff bekommen muss. Er bereut, mit so einem „langweiligen Spießer“ zusammen zu sein, kann es jetzt aber nicht mehr ändern, weil wir ein Baby erwarten… 

Natürlich ist nicht alles nur negativ, sonst hätte ich mich längst getrennt. Die Zeiten, in denen er weniger raucht und trinkt (und somit keine schlechte Laune wegen Entzug hat), sind wunderschön, da ist er liebevoll und zärtlich und sehr glücklich mit mir. Aber je mehr er raucht und trinkt, umso seltener wird das. Was kann ich tun? :-( 

Kathrin Mitarbeiter antwortete vor 4 Monaten

Hallo, und vielen Dank für Ihre Anfrage.
Abgesehen vom Alkohol- und Tabakkonsum Ihres Partners, welcher mir sehr bedenklich erscheint, bin ich vor allem besorgt über sein Verhalten Ihnen gegenüber. Diese wiederkehrende Abwertung und Beschimpfung nennt man psychische Gewalt. Dass ihn Ihre Schwangerschaft nicht davon abhält, Sie so schlecht zu behandeln finde ich sehr bedenklich. Er wird sein Verhalten mit Sicherheit auch nicht ändern, wenn das Baby da ist. Erfahrungsgemäss ist die Zeit nach der Geburt eines Kindes für ein Paar bei aller Freude eine sehr sensible Phase. Damit will ich sagen: wenn es schon vorher grosse Konflikte in einer Partnerschaft gab, werden sich diese eher noch verschärfen. Viele Frauen sind nach einer Geburt erschöpft und sind auf einen verlässlichen, unterstützenden Partner angewiesen. Mein Impuls ist, Ihnen zu raten, sich und ihr Baby vor diesem Mann zu schützen. Sie schreiben zwar, es gebe immer wieder schöne Momente, aber die scheinen sehr rar zu sein. Was zählt, ist der Alltag. So wie es aussieht, werden Sie von Ihrem Partner weder nachhaltig Unterstützung erwarten können, noch scheint mir von seiner Seite her ein echter Wunsch da zu sein, etwas an seinem Rauch-, Trink- und generell seinem Verhalten Ihnen gegenüber ändern zu wollen. Sie werden Ihn nicht ändern können. Ausserdem brauchen Sie ihre Kraft jetzt für sich und ihr Kind.
Wenn Ihnen das alles zu viel wird, ermutige ich Sie auf einer Beratungsstelle Hilfe zu holen. Eine Suchtberatungsstelle kann für Sie als Angehörige eine erste Anlaufstelle sein, oder eine Beratungsstelle für (werdende) Mütter. Ich wünsche Ihnen von Herzen viel Mut und alles Gute!

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