Alkoholabhängige Mutter

Thomas asked 2 Monaten ago

Ich (27) wohne bei meinen Eltern, meine Mutter ist Alkoholikerin seit ich denken kann, ich bin damit aufgewachsen. Mit der Situation habe ich mich mein Leben lang arrangiert, habe mich als jüngster von mehreren Geschwistern als Schutzschild zwischen meinen Eltern gefühlt sowie positioniert, bis heute.
Als ich vor ca. 3,5 Jahren meinen Job gekündigt habe, hatte ich erstmals das Bedürfnis mein Leben zu ändern, etwas Aussergewöhnliches da ich eher zurückhaltend, introvertiert und ich mich durch die Krankheit meiner Mutter sozial isoliert habe. Mein älterer Bruder hat beinahe zeitgleich entschieden aus unserem Elternhaus auszuziehen, ziemlich kurzfristig und dies ca. 2 Wochen danach auch umgesetzt. Meine Mutter hat darauf weinend und mit diversen Drohungen reagiert unter anderem damit das sie lieber nicht mehr leben würde als allein mit meinem Vater.
Als letztes Kind, das im Elternhaus verblieb, hat mich dieser Moment komplett überfordert, bis heute, was mich zusätzlich zu meiner beruflichen Unsicherheit und Zukunftsplänen belastet. Auch 3,5 Jahre danach habe ich noch keinen neuen Job, aufgrund Überforderung, Angst um meine Mutter und weil ihre allgemeine Gesundheit stetig schlechter wurde, auch durch eine spezielle Krebsart sowie diverse andere Sachen und sie selbst dadurch keiner beruflichen Tätigkeit mehr nachgehen konnte.
Mein Vater arbeitet viel und war mit der Situation stets überfordert.
Mein einziger Lichtblick war das ich vor 3 Jahren meine Freundin kennen lernte, aus Scham und Angst habe ich ihr aber die Situation um meine Familie verheimlicht und abweisend zu privaten Themen sowie Zukunftsplänen und Job reagiert. Nun hat sie sich vor kurzem von mir getrennt. Gerne hätte ich ihr die Wahrheit gesagt, da sie mich so wahrscheinlich besser verstehen könnte, aber auch hier hat es sich angefühlt als würde ich meine Probleme auf sie übertragen und ich wollte sie davor schützen. Ich bin mir aber immer noch unsicher ob das die falsche Entscheidung war. Obwohl unwissend über meine Situation hat Sie mir empfohlen Hilfe zu holen.
Dies scheint für mich jedoch einfacher gesagt als getan, da ich bisher noch nie mit jemandem über dieses Thema gesprochen habe, dies weder Familien intern mit Geschwistern oder Eltern und da ich keine weiteren Bezugspersonen habe und auch sozial isoliert mit meinen Eltern lebe. Somit stellt auch dieser Text ein Novum dar.
Die aktuelle Situation belastet mich immer noch sehr, hat mir jedoch auch die Augen geöffnet und ich versuche hiermit meine Probleme anzugehen.
Mir fehlt jedoch der Überblick und es stellen sich mir diverse Fragen.
Wie kann ich mir Hilfe holen?
Welche Optionen bestehen?
Wie kann ich mich besser abgrenzen?
Was würden sie mir allgemein raten?

Freundliche Grüsse und vielen Dank im Voraus.

1 Answers
Mike Mitarbeiter answered 2 Monaten ago

Hallo Thomas
vielen Dank für ihren Post und ihr Vertrauen. Ich denke, dass es einige Überwindung gebraucht hat dies hier zu schreiben, da sie ja bisher noch nie mit jemandem darüber gesprochen haben.
Ich habe den Eindruck, dass sie merken, dass es jetzt Zeit wird ihr eigenes Leben zu leben und nicht mehr alles den Krankheiten ihrer Mutter unterzuordnen. Sie haben aus grossem Verantwortungsbewusstsein ihrer Mutter und ihrer Familie gegenüber ihr eigenes Leben quasi hinten angestellt. Ich kann daher den Rat ihrer Ex-Freundin nur unterstützen, sich Support und Hilfe zu holen. Ich denke es ist wichtig, dass sie aufhören das „Familiengeheimnis“ – damit meine ich die Abhängigkeit ihrer Mutter – zu schützen und mache ihnen Mut gut zu sich selber zu schauen und herauszufinden, wie sie ihr eigenes Leben gestalten wollen.

Da ihr Leben bisher stark von der Sucht der Mutter geprägt wurde, schlage ich ihnen vor, dass sie sich auf einer Beratungsstelle für Suchtprobleme melden. Wir beraten nicht nur die Abhängigen, sondern auch die Angehören, welche mindestens ebenso leiden – wenn nicht sogar mehr. Da ihre aktuelle Situation stark von der
Krankheit ihrer Mutter geprägt ist, wäre das aus meiner Sicht die sinnvollste Anlaufstelle.
Wo es eine solche Fachstelle in ihrer Nähe gibt, sehen sie auf der folgenden Website: http://www.suchtindex.ch
Dort finden sie Fachleute, mit denen sie ihre Situation besprechen können und auch lernen können, wie sie sich besser abgrenzen können. Hier geht es darum zu erkennen und zu lernen, was wirklich ihre Verantwortung ist und wo sie Verantwortung übernehmen, die sie gar nicht tragen können/müssen und die sie deshalb auch ohne schlechtes Gewissen abgeben können und dürfen.
Das Ziel ist ja, dass sie lernen ein selbstbestimmtes Leben führen, ein Leben das sie aktiv nach ihren Wünschen und Bedürfnissen gestalten und nicht ein Leben „für andere“ leben.
Ich hoffe, dass ich damit ihre Fragen beantworten konnte und mache ihnen Mut sich auf einer Fachstelle zu melden.
 
Liebe Grüsse
Mike

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