Das "nie wieder" macht mir Angst

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Edna asked 3 Monaten ago

Hallo, ich glaube zu wissen, dass ich ein gestandenes Alkoholproblem habe.
Seit einigen Wochen besuche ich eine Orientierungsgruppe der Suchthilfe. Was ich da von anderen höre macht mir Angst und bestärkt mich leider in meiner Einschätzung, dass der Alkohol eine viel zu große Rolle in meinem Leben eingenommen hat.
Schon seit mehreren Jahren trinke ich beinahe täglich, immer nur Abends, nie auf der Arbeit aber immer zu viel. Vor 2 Jahren gab es 5 Monate ohne Alkohol, der damalige „kalte Entzug“ war hart da alle durch den Alkohol verdrängten psychischen Probleme und meine starke Erschöpfung hoch kamen und ich sehr mit Angsattacken zu kämpfen hatte. Ich war anschließend in einer Klinik um das Erschöpfungssyndrom zu heilen. In der Klinik wurde der Alkohol auch betrachtet aber für mich als „Instrument“ und „Selbstmedikation“ definiert. Kaum aus der Klinik raus habe ich wieder angefangen zu trinken, obwohl ich mittlerweile Medikamente nahm. Getrunken habe ich zwar weniger aber kontinuierlich. Bis zu meinem nächsten Ansatz das Trinken ein zu stellen hat es nun 2 Jahre gedauert, da ich so große Angst vor den Entzugserscheinungen hatte. Ich habe es aber geschafft einige Tage nicht zu trinken und hatte keinerlei negative Erscheinungen – im Gegenteil, es ging mir viel besser.
Und schon habe ich wieder täglich zur Flasche gegriffen, die letzten 4 Wochen habe ich täglich getrunken. So etwas dummes, ich ärgere mich sehr über mein Verhalten. Mit dem Ergebnis dass ich nun wieder hier sitze und mir vorgenommen habe es ab heute sein zu lassen.
Ich weiß das ich ein Problem habe aber ich habe große Hemmungen dieses vor allem meinem Partner gegenüber zu gestehen. Auch mir selber gegenüber. Der Gedanke „nie wieder“ trinken zu können macht mir Angst und wenn ich dies einmal meinem Partner gegenüber geäußert habe, gibt es kein Zurück mehr. Er ist da sehr konsequent und kontrollierend. Ich hege den Wunsch kontrolliert zu trinken, habe dies aber in Eigenregie nie hin bekommen. Ich will so nicht weiter machen. Mit „so“ meine ich heimlich trinken, andere belügen und völlig fertig sein durch den Kater und dennoch Kraft und Energie ausstrahlen zu müssen als wäre nichts.
Ich hoffe da ist nun alles nicht zu wirr, in meinem Kopf gehen einfach tausende Gedanken hin und her und ich weiß gerade nicht wohin damit.
Vielleicht hat hier ja jemand eine Idee, wie ich mich besser sortieren kann

Ich weiß nicht, ob es für mich noch einen Weg zurück zu normalem Umgang mit Alkohol geben kann, habe aber große Angst

Kathrin Mitarbeiter antwortete vor 3 Monaten

Hallo Edna, danke für Ihren Beitrag hier im Forum. Sie beschreiben sehr klar, was in Ihnen vorgeht. Auf den Punkt gebracht: Sie sind hin und hergerissen zwischen dem Wunsch, die negativen Folgen des übermässigen Folgen des Alkoholkonsums loszuwerden und der Angst vor dem was Sie ohne Alkohol spüren werden. Diese Angst führt dazu, dass Sie sich immer wieder Hintertürchen offen lassen, indem Sie z.B. ihren Partner lieber nicht einbeziehen. Sie schreiben, dass Sie es alleine nicht hinbekommen, kontrolliert zu trinken. Das geht den allermeisten Betroffenen so, die psychische Abhängigkeit macht Ihnen immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Es ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung, dass Sie an dieser Gruppe teilnehmen. Wie wäre es zusätzlich mit Einzelgesprächen? Vielleicht wäre es hilfreich, sich nochmals damit zu befassen, was denn so schwierig ist auzuhalten ohne Alkohol. Es gibt die Möglichkeit, Strategien zu erarbeiten, wie es auch ohne Alkohol geht. Übrigens fällt allen Betroffenen die Vorstellung „nie mehr“ zu trinken enorm schwer. Es geht zunächst einmal darum, sich realistische Ziele zu setzen, vielleicht zuerst: „ich trinke einen Tag nichts, ich trinke eine Woche nichts, ich trinke einen Monat nichts“ etc. Jede geschaffte Zeiteinheit ist wie eine Perle, die sie auf eine Kette reihen. Planen Sie nicht schon für die nächsten Jahrzehnte, sondern für den heutigen Tag: „heute kaufe ich keinen Alkohol“. Sie dürfen das auch ruhig eine Weile für sich machen, bevor Sie z.B. mit ihrem Partner darüber reden. Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Mut, heute zu beginnen, etwas zu verändern und immer wieder einen kleinen Schritt weiter zu gehen. Wenn Sie mögen, dürfen Sie sich gerne wieder melden. Alles Gute!

Edna antwortete vor 3 Monaten

Hallo Kathrin, ich danke dir für deine schnelle Antwort.
Und für die treffende Zusammenfassung. Ja, ich bin hin und her gerissen, das fasst es wohl sehr gut zusammen.
Es fällt mir schwer zu akzeptieren, dass ich abhängig bin.
Ich glaube es ist eine dauernde Überlastung durch Anforderungen aus der Partnerschaft, dem Beruf, der Familie, den Freunden. Ich nutze den Alkohol um mich ab zu schotten, Entspannung zu finden und nicht mehr zu „müssen“.
Mein Partner kennt natürlich die Thematik und hat eine sehr klare Meinung dazu, wie ich weiter machen sollte diesbezüglich.
Dadurch fühle ich mich nur weiter unter Druck gesetzt, denn ich möchte diese Entscheidung selber und für mich treffen.
Es fällt mir allerdings sehr schwer diese Grenze auf zu weisen, vor allem ihm, der gerne die Kontrolle hat. Auch hier glaube ich nutze ich den Alkohol wie oben schon geschrieben als „Grenze“. Unsere Beziehung ist bei weitem nicht immer leicht und auch er bringt so seine Päckchen mit. Ich empfinde sie oft als belastend, weiß aber nicht ob ich die Beziehung durch meinen Konsum belaste oder die Beziehung mich belastet. Ich habe Angst hin zu schauen.

Die realistischen Ziele sind eine gute Idee und ich habe mir also für heute vor genommen nichts zu trinken.
Bisher merke ich auch nur ein wenig innere Unruhe und die Müdigkeit durch die nicht viel geschlafene letzte Nacht.

Die Orientierungsgruppe ist als 3-monatige Phase gedacht um für sich ab zu klären, wie es weiter gehen soll. Ob mit stationärer oder ambulanter Therapie, ob eine Entgiftung nötig ist oder nicht.

Kathrin Mitarbeiter antwortete vor 3 Monaten

Hallo Edna, danke für deine Rückmeldung! Viele Menschen – vor allem viele Frauen – trinken, um einmal eine „Pause“ zu haben von allen Anforderungen. Alles unter einen Hut zu bringen, Beruf, Familie, Umfeld und eine anspruchsvolle Partnerschaft kann sehr anstrengend sein. Allen Erwartungen gerecht werden zu müssen, führt oft dazu, dass die eigenen Bedürfnisse nicht mehr wahrgenommen werden, viel mehr werden sie vernachlässigt, was auf die Dauer alles andere als gut tut. Du beschreibst das sehr eindrücklich, wie der Alkohol dann die Funktion einer „Grenze“ bekommt. Wenn du ihn weglässt, ist es wichtig zu lernen, auf andere Art Grenzen zu setzen. Auch mal „nein“ zu sagen, bzw. nur zu dem „ja“ zu sagen, was sich richtig anfühlt. Es könnte dann sein, dass du für dein Umfeld nicht mehr so „pflegeleicht“ bist wie bis anhin. Was deine Partnerschaft anbelangt: für Angehörige ist es nie einfach, wenn jemand übermässig Alkohol konsumiert und bei vielen entsteht dann das Bedürfnis, zu kontrollieren. Dies ist verständlich, aber schlussendlich für beide Partner belastend. Für Angehörige ist es wichtig, die Suchtdynamik zu verstehen und zu sehen, welch grosse Leistung es für Betroffene ist, auf den Konsum zu verzichten. Dass du für DICH etwas verändern willst bezüglich Alkoholkonsum, ist sehr wichtig für die Motiviation! Auf der anderen Seite bietest du für deinen Partner auch weniger „Angriffsfläche“ (zum kontrollieren, unter Druck setzen ect.), wenn du nicht konsumierst. Ich wünsche dir viel Mut, trotzdem hinzusehen, auch wenn es dir Angst macht, und hoffe, dass du dich in der Orientierungsgruppe gut aufgehoben fühlst. Wie gesagt, du darft jetzt schon auf einer Suchtberatung Einzelgespräche in Anspruch nehmen, das kann sehr unterstützend sein! Weiterhin alles Gute!

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