Die Ex-Frau meines Partners trinkt …

Anonym • vor 3 Jahren

Wie schwerwiegend das Alkoholproblem der Ex-Frau meines Partners ist, weiss ich nicht.
Ihr Alkoholkonsum wird unter den Teppich gekehrt und stillschweigend von der Familie toleriert.

Vor ca 3 Jahren gab es den ersten Vorfall, der mich hellhörig werden liess.

Mein Partner rief seine Ex-Frau an, wollte sie etwas fragen. Es war Donnerstagabend 18:30 Uhr. Als er nach ein paar wenigen Minuten auflegte fragte ich, warum er denn jetzt die Frage nicht gestellt habe. Seine Antwort: „Sie ist betrunken, ich frage ein anderes Mal“. Darauf wollte ich zu ihr fahren und die beiden Kinder zu uns holen für diese Nacht. Mein Partner wollte das nicht, hat eine Erklärung gefunden, dass sie wohl einen schlechten Tag hatte. Ich war geschockt und erinnerte mich, dass seine Ex-Frau an jedem der vorhergehenden Geburtstage der Kinder betrunken war.

Also beobachtete ich weiter. Und auch am nächsten Kindergeburtstagsfest hat sie sich die Kante gegeben. Da bin ich eingeschritten und wollte nicht mehr zusehen.

Unsere Beziehung stand auf der Kippe, weil ich nicht bereit war wegzusehen und mein Partner nicht bereit war, mit seiner Ex-Frau Klartext zu reden und damit seine beiden Kinder zu schützen.
Die Situation eskalierte und ich hatte ein klärendes Gespräch mit der Ex-Frau.
Sie erklärte, sie nehme sich das Recht heraus, an einem Fest auch mal mehr zu trinken. Das könne man akzeptieren oder auch nicht. Ein Alkoholproblem habe sie ganz sicher nicht. Zudem hätte sie wohl nicht zwei so tolle Kinder, die auch in der Schule top sind, wenn sie ein Alkoholproblem hätte.

Dem Frieden zuliebe habe ich dann angefangen zu schweigen und am darauf folgenden Kindergeburtstag hat sie keinen Alkohol getrunken.

Von 7 Kindergeburtstagen an denen ich anwesend war, war sie 6 Mal betrunken. Und wenn sie betrunken ist, dann wird sie alles andere als lustig. Sie wird depressiv und seeeehr anstrengend.

Letztes Wochenende war es dann wieder soweit. 16. Geburtstag der Tochter. Und da ging es gewaltig ab! Schon nach dem Essen war die Ex-Frau betrunken. Es war ihr nicht einmal mehr peinlich. Alle Gäste haben es registriert und alle haben geschwiegen. Inkl. ihrer Eltern, Freunde etc. Der Geburtstag der Tochter ging komplett unter, die Mutter stand stockbetrunken im Mittelpunkt. Sie torkelte in der Küche herum, torkelte zur Toilette, war nicht mehr fähig, einen ganzen Satz aneinander zu reihen.
Mein Partner entschuldigt das wieder damit, dass seine Ex-Frau in ihrem 16. Lebensjahr ein schlimmes Erlebnis hatte und er sich schon vorstellen kann, dass sie sich deshalb so betrunken hat.

In einem Monat steht der Geburtstag des zweiten Kindes an. Grundsätzlich will ich da nicht hin gehen. Es endet ja eh wieder im Alkoholabsturz der Mutter.

Ich will nichts beschönigen, aber auch nichts schlimmer reden. Mehr als diese Erlebnisse gab es nicht, die ich mit ihr hatte. Ich weiss nur, dass sie früher ein Alkoholproblem hatte und mein Partner mir erklärt hat, dass sie das jetzt im Griff habe….

Ich habe keine Ahnung, wie ich mich verhalten soll. Mein Partner hat mir klar verboten, mich diesem Thema anzunehmen, weil es nicht mein Problem sei.

Inzwischen frage ich mich, ob ich meiner Wahrnehmung nicht trauen kann, oder es allen anderen einfach besser geht, wenn sie Scheuklappen aufsetzen!?

Antje antwortete vor 3 Jahren

Hallo,
Danke für Deine Offenheit und Deine Anfrage. Zunächst möchte ich Dir Mut machen, unbedingt Deinem Gefühl zu trauen und es sehr wohl ernst zu nehmen. Du spürst deutlich, dass da etwas nicht stimmt und in bestimmten Situationen nicht gut läuft. Es kann Dir von niemandem verboten werden, dieses Gefühl wahrzunehmen und Dich dem Problem anzunehmen. Das Verhalten der Exfrau Deines Partners macht Dir Sorgen, Du hast Angst um die beiden Kinder, wenn sie dort sind und die Mutter betrunken ist, die Atmosphäre ist bei den gemeinsamen Festen schwer beeinträchtigt und damit hat das ganze natürlich auch Auswirkungen auf Dich und Dein Leben!
Du kannst zwar nicht das ganze Problem lösen, da sind viele beteiligt und Du bist auch nicht verantwortlich. Aber Du kannst entscheiden, wie Du damit umgehen magst: zum Beispiel keine „Scheuklappen“ aufzusetzen, sondern es immer wieder anzusprechen, zum Beispiel zum nächsten Fest nicht mehr zu gehen…
Schön wäre es, wenn Du mit Deinem Partner nochmals darüber sprechen könntest. Nicht über seine Exfrau, sondern darüber, was es mit Dir macht und wie Du Dich dabei fühlst. Vielleicht kann auch er dann über seine Gefühle sprechen, vielleicht kommen da dann Hilflosigkeit und Ohnmacht zum Ausdruck. Das ist oft der Grund dafür, dass man lieber wegschauen will. Weil man resigniert hat oder einfach nicht mehr weiss, was man machen kann. Wenn Ihr beide, oder auch Du allein, noch weitere Unterstützung diesbezüglich braucht kannst Du Dich auch als „Mitbetroffene“ auf einer Suchtberatungsstelle beraten lassen. Und Du kannst Dich auch gerne hier wieder melden. Sicher sind noch nicht alle Fragen geklärt…
Alles Gute!

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