Entspanntes Verhältnis zum Thema Alkohol?

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Anonym fragte vor 8 Monaten

Liebes Blaues Kreuz Team
Momentan stehe ich vor der Entscheidung, ob ich eine Beziehung mit einem Mann eingehen möchte, der zumindest einen eher risikoreichen und problematischen Alkoholkonsum hat. Wir kennen uns schon länger, aber wieviel er genau trinkt und ob es eine Abhängigkeit ist, kann ich nicht richtig beurteilen, da wir uns aufgrund der Distanz nicht allzu häufig sehen, meist am Wochenende, wo er sowieso mehr trinkt als während der Woche – genug aber, dass ich auch erkennen kann, dass es zu viel ist. Vor allem, weil er noch nie gar keinen Alkohol getrunken hat an den Tagen, an denen wir uns gesehen haben. Ich bin aber sowieso grundsätzlich sehr kritisch, was den Konsum von Rauschmitteln angeht, nicht nur beim Alkohol. Früher ging das fast bis zur Nulltoleranz, auch bei meinen Partnern, heute bin ich toleranter, auch weil ich im sozialen Bereich arbeite und durch eine entsprechende Ausbildung auch viel (theoretisches) Wissen zum Thema habe. Auf einer sachlichen Ebene und mit Distanz geht das, sobald ich emotional involviert bin, aber nicht mehr. Ich merke, dass ich ganz generell keinen entspannten Umgang mit dem Thema Alkohol (und anderen Suchtmitteln) habe – woher das kommt, kann ich nur vermuten, da gibt es keine richtig offensichtliche Erklärung dazu und sicher keine familiäre Vorbelastung von Seiten meiner Eltern. Auf jeden Fall bin ich sehr für Selbstbestimmung und glaube an die Selbstwirksamkeit jedes einzelnen, was auch die Grundmotivation für meine Nachricht hier ist. Ich möchte die Beziehung mit ihm, weiss aber selbst, dass ich sie nur eingehen kann, wenn ich es schaffe, mich von seinem Alkoholkonsum und möglichen damit verbundenen Problemen abzugrenzen. Er ist genug alt und muss selbst entscheiden, was er macht. Bei Gesprächen mit ihm beachte ich deshalb (weil ich das ja entsprechend gelernt habe), ihm das aus meiner Perspektive mitzuteilen und nichts von ihm zu fordern. Und ich weiss ja selbst, dass ich das für mich klären und dann meine eigenen Entscheidungen treffen muss. Wenn ich einen guten Moment erwische und wir darüber sprechen können, sagt er schon selbst, dass er weiss, dass er zu viel Alkohol trinkt. Aber er sagt auch, dass es mit uns nicht geht, wenn ich das nicht akzeptieren kann. Da ich selbst kaum Alkohol trinke und weder rauche noch sonst jemals Erfahrungen mit Rauschmitteln gemacht habe, finde ich es sehr schwierig einzuschätzen, worauf ich mich einlasse und womit ich umgehen kann oder nicht. Ich bin extrem hin- und hergerissen zwischen absoluter Verteufelung von allem und zu viel Toleranz. Ich habe kein Mittelmass und kann nicht einschätzen, was okay ist und was nicht. Ich würde mir sicher wegen ihm aber auch sonst ganz generell für mein Leben und meinen Beruf wünschen, dass ich einfach entspannter mit dem Alkoholkonsum anderer umgehen kann, und zwar nicht nur vom Verstand her, sondern auch emotional. Mir macht Alkohol und das, was er bewirken kann, einfach Angst. Als Genussmittel kann ich ihn nicht sehen, obwohl ich selbst ja auch ab und zu (wenn auch selten) Alkohol trinke. Trotzdem schreibe ich Alkohol keine positiven Eigenschaften zu, und habe insofern einfach Angst vor dem, was er für eine Beziehung Negatives bedeuten könnte und davor, in eine Co-Abhängigkeit zu geraten. Angst ist jedoch ein schlechter Ratgeber und ich möchte gerne ein entspannteres Verhältnis zu Alkohol haben. Habt ihr diesbezüglich Tipps? Oder findet ihr das im Gegenteil gar nicht erstrebenswert?
Herzlichen Dank schon mal!

1 Antworten
Antje Mohn Mitarbeiter antwortete vor 8 Monaten

Hallo
vielen Dank für Ihren Beitrag und Ihre Offenheit. Ich finde es sehr gut, dass Sie sich intensiv mit dem Thema „Alkohol“ auseinander setzen und es sich sehr gut vorher überlegen, ob Sie einen höheren Alkoholkonsum bei Ihrem Partner akzeptieren könnten. Es hilft nichts, den Kopf in den Sand zu stecken oder gar zu hoffen, dass es, nachdem sie z.B. zusammen gezogen sind, schon besser werden wird. Gut finde ich, wie Sie bereits mit ihm gesprochen haben, dass Sie ihm auch Ihre Bedenken und Ängste diesbezüglich mitteilen konnten. Er hat auch klar darauf reagiert, dass er, zumindest momentan, nicht bereit ist, Ihretwegen an seinem Konsum etwas zu verändern. Meine Befürchtung ist, und das schreibe ich jetzt einfach einmal ganz offen, dass dieses Thema ein sehr dominierendes in Ihrer Beziehung werden wird. Dass Ihre Gedanken viel darum kreisen werden, dass Sie es dann eben doch nicht akzeptieren können, so wie es ist, dass Sie seinen Konsum sehr genau beobachten und sich nur schwer davon abgrenzen können. Wenn Sie die Beziehung dennoch eingehen möchten, empfehle ich Ihnen sehr, besonders auch auf Ihre Bedürfnisse zu achten, unabhängig von ihm Ihr Leben zu gestalten, immer wieder Abstand zu gewinnen. Hilfreich ist auch für Partnerinnen, wenn sie sich mit anderen Angehörigen austauschen können, z.B. in einer Selbsthilfegruppe. Hören, wie andere damit umgehen, wie andere mit ihrem Partner über das Thema sprechen…kann sehr unterstützend sein. Ausserdem können Sie Ihrem Partner auch klar sagen, was Sie akzeptieren würden und was nicht, also wo klar Ihre Grenzen sind.
Angst ist übrigens nicht immer ein schlechter Ratgeber, sondern hilft auch, vorsichtig zu sein, behutsam mit sich umzugehen, aufzupassen und sich zu schützen.
In diesem Sinne: nehmen Sie sich und Ihre Angst ernst und haben Sie gut acht auf sich.
Gerne dürfen Sie sich bei weiteren Fragen wieder melden.
Herzlichen Gruss und alles Gute.

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