Familienkrankheit Sucht: Betroffen mein Vater, ich und jetzt mein Sohn

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Rose • vor 3 Wochen

Guten Tag,
Ich weiss gar nicht wo anfangen. Also fange ich einfach mal an. Mein Vater, jetzt 76, trinkt seit ich ein kleines Kind war. Bin aufgewachsen in gestörten Verhältnissen, mit allem was dazugehört. Und einen 5 Jahre älteren Bruder der mich seelisch und körperlich gequält hat. Ich habe mein Leben irgendwie auf die Reihe bekommen, habe studiert, mehrere Berufe, Familie, 2 Kinder. Mit dem Stress im Familienalltag habe ich angefangen, regelmässig abends zu trinken (als ich etwa 36 Jahre alt war), um runterzukommen. Davor habe ich „normal“ getrunken, bzw. war sehr achtsam was den Alkoholkonsum angeht. Mein erstes Glas habe ich mit über 20 getrunken, da ich Alkohol verabscheute. Als ich merkte, dass der Konsum zwanghaft wird, habe ich kontrolliertes trinken versucht, hat mehr schlecht als recht funktioniert. Nun trinke ich nicht mehr, seit dem 21.März. Erst 5 Wochen null Alkohol, dann vereinzelt „Ausnahmen“ und seit 30.05 wieder auf null. Und so darf es bleiben. Ich habe schon einzelne Therapien hinter mir, ambulante, Psychotherapie und habe viel an mich „gearbeitet“und tue es weiter. Denn “ Baustellen“ tauchen immer wieder auf, im Alltag, in er Beziehung.
Aber nun hat mein Sohn, 18 Jahre alt, angefangen zu kiffen. das war letzten Sommer im Camping Urlaub. Erst harmlos, ich will es auch mal probieren, alle Freunde tun es usw. . Ich habe es so hingenommen und gehofft es geht vorbei. Ist es aber nicht. Im Oktober 17 hat er seine Lehrstelle abgebrochen, da es ihm nicht gefiel. Seitdem ist er zu Hause. Er kifft täglich, geht viel weg, und „dealt“ im kleinen auch. Vor einem Monat wurde er von einem anderen zusammengeschlagen auf der Strasse, wir sind ins KH, Polizei wurde eingeschaltet. Seitdem redet er vom aufhören, meint er schafft es aber nicht, da alle seine Freunde kiffen. Er weiss auch nicht was machen. Hat hier und da geschnuppert, aber er kann sich nicht vorstellen, früh aufzustehen, zu arbeiten den ganzen Tag um dann abends wieder früh ins Bett gehen zu müssen und das alles für wenig Geld.
ich habe viel mit ihm geredet, über die Sucht allgemein, meinen Weg, der von Opa, wie schwer es ist usw. Er meint sein kiffen hat nichts mit meinen Alkoholkonsum zu tun, er mag kein Alkohol. Kiffen sei viel besser. Ich habe auch nie solche Dramen wie in meiner Kindheit veranstaltet. Habe als ich getrunken habe, still vor mich hin abends beim lesen, Musik hören oder TV Wein getrunken, bis ich müde ins Bett ging.
Ich habe Angst um ihn, er ist ein gute Seele, sehr lieb, intelligent und sensibel. Zur Beratung will er nicht, ihm geht es ja gut…
Ich weiss nicht weiter, darum bitte ich hier um Hilfsmöglichkeiten.
Vielen Dank und freundliche Grüsse!

4 Antworten
Mike Berater/in antwortete vor 3 Wochen

Hallo Rose  
 
vielen Dank für deinen offenen und sehr persönlichen Beitrag. Ich finde es toll, dass du anscheinend nie aufgegeben hast und \“trotz allem\“ soviel erreicht hast. Trotz sehr schwierigen \“Startbedingungen\“ hast du dir ein gutes Leben aufgebaut. Dass es jedoch immer wieder zu schwierigen und belastenden Situationen kommt ist so und deine  Entscheidung bezüglich Alkohol kann ich in diesem Zusammenhang nur unterstützen.  
 
Die Einstellung deines Sohnes kann ich hingegen nur wenig teilen. Ich finde sie eher – sorry wenn ich das so direkt sage –  unreif und naiv, auch wenn sie mit 18 Jahren irgendwie noch verständlich ist. Ich denke er macht es sich doch gerade sehr leicht, wenn er Alkohol gegen Kiffen \“ausspielt\“ (\“er mag kein Alkohol. Kiffen sei viel besser.\“) und dabei völlig ausblendet, dass er auf dem besten Weg dazu ist selber abhängig zu werden bzw. es schon ist (\“Seitdem redet er vom aufhören, meint er schafft es aber nicht, da alle seine Freunde kiffen\“). Er scheint aktuell ja nicht motiviert zu sein an seiner Situation grundsätzlich etwas zu ändern (Ausbildung, Arbeit,…).    Er ist auf der anderen Seite aber alt genug um eigene Entscheidungen zu treffen. Du kannst ihm beistehen und ihm von deinen Erfahrungen erzählen, aber ob er davon lernen will ist seine Entscheidung. Deshalb tue ich mich hier auch schwer, dir Hilfsmöglichkeiten \“anzubieten\“. Du weisst aus eigener Erfahrung, dass Veränderung nur möglich ist, wenn man sich auch verändern will. In deiner Beschreibung finde ich das aber nirgends (\“Zur Beratung will er nicht, ihm geht es ja gut…\“). Wenn er etwas verändern will, dann gibt es genügend Unterstützungsmöglichkeiten – sei es puncto Arbeit, Kiffen, Zukunftsgestaltung,… – wenn er aber keine Notwendigkeit sieht etwas zu verändern, dann wird keine Fachstelle etwas ausrichten können. Das heisst für mich nicht, das er ein \“schlechter\“ Mensch ist, aber er trifft momentan sicherlich nicht die besten Entscheidungen.
 
Bitte entschuldige, dass ich dir deine Bitte so nicht erfülle (\“Ich weiss nicht weiter, darum bitte ich hier um Hilfsmöglichkeiten.\“) bzw. erfüllen kann, aber ohne Motivation von seiner Seite her wird es keine Veränderung geben.
 
Mike

rose antwortete vor 3 Wochen

Guten Morgen Mike
Danke für deine schnelle Antwort. Also bleibt nichts übrig, als warten bis er selbst erkennt, dass wenn er nicht etwas ändert und was anderes tut als bisher, er auch nicht aufhören kann/ wird. Ich kann ihm ja  zu nichts zwingen, aber er lebt auch so und verändert nichts, weil wir es tolerieren ( er arbeitet ja nicht). Gebe es denn nicht die Möglichkeit mit ihn eine Beratung, verpackt als offenes Gespräch bzgl. seiner weiteren Lebensgestaltung zu machen, wo dann alle Themen besprochen werden? Ich habe das Gefühl er will Hilfe, weil er sagt, er will aufhören, schafft es aber nicht. Wäre da der Hausarzt oder ein Psychologe zuständig?
Freundlichen Gruss
Rose

Mike Berater/in antwortete vor 2 Wochen

Hallo Rose
 
wenn es die Möglichkeit zu einem solchen \“offenen Gespräch\“ gibt, dann wäre das sicherlich eine gute Sache. Für mich ist es dann auch nicht so wichtig mit wem das Gespräch geführt wird, sondern dass es geführt wird und er dieser Person vertrauen kann. So wie ich deinen ersten Beitrag aber verstanden habe, konnte ich mir das nicht vorstellen – doch da irre ich mich sehr gerne :-)
 
Du kannst ihm auf jeden Fall deine Unterstützung anbieten und ihm zeigen, dass er immer ein „offenes Ohr“ bei dir findet. Aber es bleibt auch, dass die Motivation zur Veränderung von ihm kommen muss. Er muss es nicht können – dafür gibt es genügend Anlaufstellen – aber er muss es wollen (und das habe ich in deiner Beschreibung nicht gelesen).  
 
Ein anderes Thema ist, wie ihr auf seine Entscheidung (nicht arbeiten, kiffen, kaum Struktur,…) reagieren wollt. Akzeptiert ihr das, oder gibt es da bei euch Grenzen? Seine Entscheidung zwingt euch ja auch zum (re)agieren und er lebt nunmal nicht im „luftleeren Raum“, sondern ist Teil einer Familie.  
 
Liebe Grüsse
Mike

Michaela Berater/in antwortete vor 2 Wochen

Liebe Rose
Gerne erwähne ich ergänzend noch einen allenfalls unterstützenden Link: http://www.suchtschweiz.ch/eltern/
Alles Gute und viel Kraft
Michaela

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