Freund empfing mich schon mehrmals angetrunken

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Eva asked 7 Monaten ago

Ich, 34 j, w. getrennt und mit 1 Kind, 5 jährig bin seit 9 Monaten mit einem Mann zusammen, der mir bei unserem ersten Treffen von seiner früheren Alkoholsucht erzählte. Er war Besitzer einer Bar/Kneipe und geriet dadurch in ein Alkoholproblem. 
Seit er in einer komplett anderen Richtung arbeitet, ist er geheilt – sagte er. 
Leider ist es bereits zum dritten Mal vorgekommen, dass er mich angetrunken bei sich Zuhause empfangen hat. Ich war extrem enttäuscht darüber und möchte mich nun von ihm trennen. 
Gleichzeitig Frage ich mich, ob ich unserer jungen Liebe noch eine Chance geben soll. Es ist so, dass ich ihn wirklich liebe. 
Wie verhalte ich mich am besten? Schliesslich wäre es mir am liebsten, er würde einen Entzug machen. 
 

Mike Mitarbeiter antwortete vor 7 Monaten

Hallo Eva

danke für ihren Beitrag. Aus meiner Sicht braucht es – damit ihre Liebe überhaupt eine Chance hat – ehrliche Gespräche, in denen sie beide ihre Sicht und ihre Erwartungen zu Alkohol(konsum) offen darlegt. Es wird kaum funktionieren, wenn sie unterschiedliche Vorstellungen und Erwartungen bzgl. Alkohol haben. So wäre es ja mal spannend zu hören, wie er sich selber als „geheilt“ ansieht, sie dann aber angetrunken empfängt. Was ist denn sein Verständnis von Alkoholabhängigkeit bzw. „normalem Konsum“ und wie sieht ihres aus?
Es geht nicht darum, wer – objektiv gesehen – recht hat, sondern ob sie vom gleichen sprechen. Wenn Alkohol im Spiel ist, so riskieren sie immer, dass es eine „Dreiecksbeziehung“ wird und auch wenn nicht so weit gehen würde wie Gudyo („Sucht ist stärker als Liebe, immer!“), so muss man – bei aller Liebe und Verliebtheit – nicht naiv sein, ein Suchtproblem regelt sich nie „einfach so“, sondern muss bewusst angegangen werden.

Wie mildi sagt, so ist es wichtig hier auf ihr Gefühl zu achten und dieses Thema zuerst zu klären. Erwarten sie Abstinenz von ihm? Ist er bereit dazu, oder sollte – aus seiner Sicht – ein „gewisser Konsum“ doch immer möglich sein? Und wäre das für sie tragbar?…. Fragen, die es zu klären gilt.

Wie gesagt, es geht hier nicht um schwarz-weiss, sondern darum, dass die Erwartungen klar sind, denn dann kann man auch entscheiden, ob man diese erfüllen kann und will.

Liebe Grüsse und viel Kraft bei ihren Entscheidungen
Mike

Evamaria antwortete vor 7 Monaten

Hallo Mike
Auch dir danke ich für deine ausführliche Antwort. Mir haben deine Erläuterungen sehr eholfen. In einem Punkt bin ich allerdingt überfragt.

Du schreibst, ob ich Abstinenz von ihm erwarte? Grundsätzlich wäre es für mich völlig ok, wenn wir bei einem Fest oder im Restaurant ein Glas Wein oder ein Bier trinken. Das finde ich ok und das geht ja auch unter Genusstrinken.

Da ich in meiner Familie keine Erfahrung habe mit zuviel Alkoholkonsum, kann ich auch nicht beurteilen, ob von einem Alkoholiker verlangt werden kann dass er nur noch genussvoll trinkt. Das ist für ihn bestimmt schwer zu differenzieren.
Ich war unglaublich enttäuscht als er angetrunken war als ich zu ihm fuhr. Es ist immer eine lange Fahrt von 127 km.
Er hat Silvester verschlafen und ich sass neben ihm im Hotelzimmer und dachte, was mache ich eigentlich hier??!

Ich war bisher immer in der Annahme, dass ein Alkoholiker trocken werden muss und auch bleiben muss.

Deshalb meine Frage. Was wären die ersten Schritte, welche er unternehmen sollte?

Mike Mitarbeiter antwortete vor 7 Monaten

Hallo Eva

vielen Dank für dein Feedback. Ob es möglich ist, dass ein (ehemals) Abhängiger wieder „moderat / verantwortungsvoll“ Alkohol konsumieren kann, da gehen die Meinungen weit auseinander. Ich habe in der Beratung einfach zuviel erlebt – Gutes wie Schlechtes – als ich da ein simples „Ja-Nein“ geben könnte. Mir ging es bei der Frage auch mehr darum, dass ihr beide von den selben Voraussetzungen/Zielen ausgeht. Ob es bei ihm tatsächlich möglich ist … aktuell beweist er ja eher das Gegenteil und bei ihm würde ich aufgrund deiner Beschreibung auf Abstinenz abzielen.

Ich würde ihm raten sich Unterstützung zu holen – es kann nicht deine Aufgabe sein, seine „Therapeutin“ zu sein – und ganz offen und ehrlich zu schauen, wie er mit Alkohol umgehen will bzw. was ihm am Besten tut. Wie gesagt, aus meiner Sicht müsst ihr diese Thematik klären, sonst wird der Alkohol immer irgendwie zwischen euch stehen.

Liebe Grüsse
Mike

3 Answers
mildi answered 7 Monaten ago

mach einfach das , was du für richtig hälst in dieser situation, wenn dir dein gefühl eher  sagt, dass du auf abstand gehen  solltest , dann mach das.  angehörige von trinkern habe ganz feine antennen für dinge, die nicht in ordnung sind. auch mit rücksicht auf das kind. wie dein freund sich entwickeln wird, das weiss kein mensch, nicht einmal er selber. du musst die beziehung ja nicht beenden, du kannst ihn aus sicherer entfernung beobachten, daher solltest du  auf jeden fall weiterhin eine eigene wohnung haben. wo ich dir von abraten würde ist daher , mit ihm zusammen zu ziehen. begründung würde ich das mit seiner trinkerei, also mit seinem aktiven alkoholkonsum und dem kind. aber du wohnst ja eh nicht bei ihm, daher ist das auch vorerst kein thema. mit einem trinker eine beziehung einzugehen, ist immer ein risiko, aber das ist eine beziehung auch ohne alkohol. scheitern kann sie auch so. ein trinker hat seine sucht oft über viele jahre entwickelt, diese sucht, bzw dieses damit einhergende fehlverhalten,  legt er auch nicht in kurzer zeit der abstinenz wieder ab, das kann sehr lange dauern, den dieses angelernte fehlverhalten sitzt in seinem kopf, es ist quasi einbetoniert. nur durch  jahre der abstinenz, auch mit gelegentlichen rückfällen, kann der trinker in einen normalen zustand des verhaltens in bestimmten situationen zurückfinden, das man probleme auch ohne alkohol lösen kann, aber das muss er erst wieder neu, oder überhaupt lernen, den das kann er nicht mehr. aber da gibt es auch wieder viele abstufungen und zwischenstufen. manche brauchen zwei jahre, andere brauchen 10 jahre dafür, manche schaffen es nie. wichtig fände ich es, das dein freund etwas für seine abstinenz  und damit für euch tut. gut reden kann jeder. sei es , dass er eine gruppe besucht, eine therapie macht, oder einfach nur regelmässig zum arzt geht und sich das auch  bescheinigen läst. den wer etwas verändern will und dadurch etwas verbessern will, der muss auch etwas dafür tun und auch auf etwas verzichten. damit zeigt er auch, das  ihm das mit euch, oder mit dir  und vor allem mit sich , wichtig  ist. es gibt auch sucht  trinker, die ohne jeder hilfe von aussen  trocken geworden sind, aber das ist eher nicht die regel. aber das kannst du vielleicht sogar besser einschätzen als jemand von aussen.

Gudyo answered 7 Monaten ago

Es gibt keine Heilung bei Alkoholismus, es gibt nur die Abstinenz. Du musst dir im Klaren sein worauf du dich einläßt mit einem Trinker zusammen zu sein. Ich habe mich gestern kaput gelacht als in einem Film (Grey´s Anatomy) die Aussage zum Verhalten der süchtigen Betty/Britney kam: “ Kann mir nicht denken, dass sie nur stiehlt und lügt!“ Doch genau das ist das Verhalten von Süchtigen. Sie stehlen den Menschen, die sie lieben die Energie und belügen vor allem sich selber. Wen dir wirklich was an ihm liegt, sprich deine Bedenken bei ihm an und warte wie er reagiert, dann entscheide dich was DU willst und bedenke Sucht ist stärker als Liebe, immer!!

Evamaria answered 7 Monaten ago

Hallo Zusammen
@ Gudyo und Mildi
 
Euch beiden erst Mal ❤-lichen Dank für die ausführlichen Antworten und Stellungnahmen. Was soll ich sagen? Puh! 
Mein Exmann, von dem ich mich gerade erst getrennt habe, ist Autist. Er hatte null Empathie und hat wichtige Bedürfnisse von mir untergraben.
Erstmal sollte ich zu mir selber finden, ja ich weiss ????. ABER!
Ich war nicht auf Partnersuche. Dieser Mann ist mir ganz unerwartet reingeschneit. 
Der „neue“ Mann hat ein Alkoholproblem, weiss aber sehr gut wie man auf Menschen zugeht, ist unglaublich gefühlvoll, empathisch lustig, vielseitig interessiert und auch nicht auf den Kopf gefallen. 
Meine Erwartung an ihn wäre dass er sich sofort auf diesen „Entgiftungsweg“ resp. Entwöhnungsweg begibt, egal wie, einfach nicht alleine sondern ärztlich/therapeutisch begleitet. 
 
 

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