Freund ist Alkoholiker

Julien asked 3 Monaten ago

Guten Tag, 
ein Freund aus dem Studium ist seit einigen Jahren Alkoholiker. Bis vor 3 Monaten haben auch andere Drogen (Canabis, später auch Kokain) eine Rolle gespielt. Momentan ist es so, dass er äußert aufhören zu möchten, allerdings scheitern die Versuche immer wieder. Gründe für sein Trinkverhalten sind laut ihm Langeweile, der Job und seine nicht einfache Kindheit. Er fühlt sich alleine. Zusammen mit einem anderen Freund treffen wir uns jeden Mittwoch mit ihm und reden mit ihm, wollen ihm helfen. 
Bisher war er immer sehr offen, wenn er Fehlschläge hatte, wir betonen auch immer, dass wir trotzdem hinter ihm stehen. Letzte Woche hatte er so starke Nachwirkungen, dass er 3 Tage krank geschrieben war und uns deswegen angelogen hat. Er hat es dann später doch gebeichtet. Es kommt auch immer wieder vor, dass er (nüchtern) anderen Mitglieder der Gruppe patzig und manchmal respektlos wird. Mittlerweile hat es Auswrikungen auf die Arbeit (bisher hat er es vermieden, unter der Woche zu trinken, das war ihm immer sehr wichtig) und auch Bewohner der WG haben es schon gemerkt. 
Für uns stellt sich die große Frage, wie können wir ihm helfen? Kann man ihm deutlich sagen, dass er was schlechtes macht, ohne ihn zu verletzen und vllt einen Rückfall zu provozieren? Soll man ihm während der Abstinenz Belohnungen (wie einen speziellen Einkaufsbummel) machen? Und wenn es dann nicht klappt, wie reagiert man darauf? 
Wir würden ihm auch gerne zu einer Therapie raten, da er familiär ein großes Paket mit sich schleppt. Geht das oder ist das Grenzüberschreitung? 
Uns (2 Paare) nimmt die Situation mit und belastet uns, weil wir uns auf dem Gebiet nicht sicher sind. Wir versuchen ihn so gut es geht einzubinden, wobei es manchmal aufgrund seines Verhalten schwer ist, geduldig zu bleiben. 
 
Für hilfreiche Tipps wären wir sehr dankbar. 

1 Answers
Antje Mitarbeiter answered 3 Monaten ago

Hallo Julien
Zunächst einmal möchte ich Ihnen sagen, wie schön ich es finde, dass Sie Ihrem Freund auf diesem Weg helfen wollen. Sie und andere Freunde aus Ihrer Gruppe machen sich Sorgen um Ihren Feund, da besteht eine echte Freundschaft. Sie merken, dass es ihm nicht gut geht und wollen für ihn da sein. Aber manchmal reicht das leider nicht aus und jemand braucht mehr, bzw. braucht etwas anderes, wie z.B. eine Therapie bei einer Fachperson. Es ist nicht immer einfach, die richtigen Worte dafür zu finden, wenn man dies merkt und einem Freund mitteilen muss. Sie wollen ihn nicht verletzen, nicht vor den Kopf stossen. Aber Sie können ihm sagen, was Sie fühlen und worüber Sie sich Sorgen machen. Damit er sich nicht gleich angegriffen fühlt und verschliesst, ist es wichtig von sich selbst zu sprechen. Sagen Sie ihm, was Sie belastet, wie Sie sich fühlen, was Sie beobachten (z.B. „Ich mache mir Sorgen weil…“, „Es macht mich traurig, zu sehen…“), aber auch wie wichtig er Ihnen ist und was er Ihnen bedeutet. Ich würde ihm nicht deutlich sagen, „dass er etwas Schlechtes macht“. Denn der Alkoholkonsum ist vermutlich der Versuch Ihres Freundes, seine Probleme zu „lösen“ (im Alkohol „aufzulösen“!). Leider ist dieser Weg nicht wirklich hilfreich und wirksam, aber im Empfinden des Betroffenen hat der Alkohol durchaus eine entspannende Wirkung und hilft unangenehme Gefühle, wie Einsamkeit, Unzufriedenheit, Ängste… nicht mehr so zu spüren. Darüber könnte man mit ihm ins Gespräch kommen. Und dann würde ich ihm schon klar sagen, dass Sie denken, dass er Hilfe braucht, dass er das alleine nur schwer schaffen kann. Wenn er etwas verändern möchte, gibt es viele Angebote, die ihn dabei unterstützen würden. Vielleicht könnten Sie in Ihrer / seiner Umgebung schon eine Suchtberatungsstelle ausfindig machen, an die er sich wenden könnte. Dann hat er schon mal eine konkrete Adresse. Aber letztendlich muss er dies selbst wollen. Ich hoffe, dass ich Ihnen etwas weiterhelfen konnte. Sonst dürfen Sie sich gerne hier wieder melden. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Freund von Herzen alles Gute.

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