Gesellschaftstrinker

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Anna fragte vor 4 Wochen

Hallo
Mein Mann ist ein Gesellschaftstrinker. Zu Hause trinken wir keinen Alkohol aber sobald wir oder auch er unterwegs ist mit Kollegen kennt er keine Grenzen. Seine Kollegen kennen ihn gut sobald er gehen will bestellen sie einfach noch etwas weil sie wissen das er es nicht stehen lassen kann (was bezahlt ist wird getrunken/gegessen). Ich finde das Verhalten sehr unfair und so habe ich schon stundenlng auf ihn gewartet obwohl wir abgemacht haben ist er deswegen dann auch nicht gekommen. Das macht mich wütend und traurig das er mich so zu sagen wegen dem Alkohol sitzen lässt.
Seit wir verheiratet sind ist es merklich besser geworden. Aber ab und zu hat er wieder ausreisser.
 

3 Antworten
Kathrin Mitarbeiter antwortete vor 4 Wochen

Hallo Anna
Danke für Ihre Anfrage. Es macht Sie wütend und traurig, dass Ihr Mann sich nicht an Abmachungen hält, wenn er mit Kollegen am trinken ist. Auf der anderen Seite ärgern Sie sich auch über die Kollegen, die Ihren Mann zum trinken animieren, indem sie weiter bestellen. Beides ist sehr verständlich. Ich kann mir gut vorstellen, dass es für Sie sehr unangenehm ist, in der Position der Wartenden zu sein und nicht zu wissen, wann Ihr Mann nach Hause kommt und wie viel er dann getrunken hat. 
Sie schreiben, es sei schon merklich besser geworden, seit sie verheiratet sind. Was hat zur Verbesserung beigetragen? Haben Sie offen über das Thema geredet? Offenbar bemüht sich ihr Mann, solche Situationen zu vermeiden, doch sie schreiben, dass es ab und zu Ausreisser gibt. Was wäre für Sie eine gute Lösung? Wozu ist Ihr Mann bereit? Ich könnte mir vorstellen, dass es allenfalls schwierig sein könnte für ihn, ganz auf diese Abende zu verzichten, wenn sich der Kollegenkreis vor allem in diesem Rahmen trifft. Was würde ihm helfen, „nein“ zu sagen und: möchte er das überhaupt oder ist das nur Ihr Wunsch? Vielleicht wäre es ein erster Schritt, in einem Gespräch herauszufinden, was für Sie, was für ihn die Grenze ist, wer wozu bereit ist und ob es allenfalls auch Kompromisse gibt. Dies kann dann eine Grundlage für klare Abmachungen sein. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg. Bei weiteren Fragen dürfen Sie sich gerne wieder melden. 

Anna antwortete vor 3 Wochen

Liebe Kathrin
Besten Dank für Ihre Antwort.
Sie fragen was zur Besserung beigetragen hat…wenn ich dabei bin und die Reissleine ziehe im Sinne von „jetzt ist genug, wir gehen jetzt“ oder wenn ich selbst unterwegs bin mit Freundinnen, ihn mit nach Hause nehme, wenn ich auf dem Heimweg bin.
Wir reden offen darüber und er sagt dann auch er sei ein Idiot.
Er sagt aber auch, dass er einfach Willensschwach sei sobald ein gewisser Alkoholpegel erreicht ist. Dann „vergisst“ er alles Andere.
Manchmal lässt mich das fast verzweifeln. 

Kathrin Mitarbeiter antwortete vor 3 Wochen

Liebe Anna
Bitte entschuldigen Sie, dass ich erst jetzt antworte – ich war bis gestern in den Ferien (und im Team schauen wir, dass möglichst immer die gleiche Person eine Anfrage beantwortet).
Ich kann Ihre Verzweiflung gut verstehen. Wenn Ihr Mann anfängt zu trinken, erlebt er offenbar das, was man Kontrollverlust nennt. Er kann nach einer bestimmten Menge nicht mehr aufhören zu trinken. So geht es vielen, die sich angewöhnt haben, in bestimmten Situationen (oft im Ausgang) zu trinken, bis ein Rauschzustand erreicht ist. Körperlich ist er nicht abhängig vom Alkohol, aber durch diese Art von missbräuchlichem Konsum oder Risikokonssum (wie man das nennt) kommt es zu Situationen, die für Sie sehr unangenehm sind und für die sich Ihr Mann vielleicht im nüchternen Zustand sogar schämt (er bezeichnet sich ja dann als Idiot).
Sie beschreiben zwei Lösungsansätze: zum einen funktioniert es, wenn Sie die Grenze ziehen, wenn Sie zusammen im Ausgang sind. Oder Sie verbringen den Abend mit Freundinnen und holen ihn dann ab. Zentral scheint mir hier die Frage, wie es Ihnen dabei geht: fühlen Sie sich wohl in der Rolle derjenigen, die seinen Konsum kontrolliert? Kommt er bereitwillig mit, oder haben Sie die Rolle der „Spielverderberin“? Eine andere Frage die mir wichtig scheint: wie sieht Ihr Mann die Situation? Ist er bereit, etwas zu verändern? Möchte er seinen Alkoholkonsum im Ausgang reduzieren? Falls ja, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die unterstützend wirken. Der Trick, nach jedem alkoholischen Getränk ein alkoholfreies (z.B. ein Mineralwasser) zu trinken, funktioniert meistens recht gut, da man langsamer trinkt und so die Gefahr des Kontrollverslusts sinkt.
Wenn Ihr Mann bereit ist, sich mit seinem Alkoholkonsum auseinander zu setzen empfehle ich folgende Links: http://www.kontrolliertes-trinken.de oder http://www.drink-less-schweiz.ch
dort gibt es die Möglichkeit für Selbsttests und Tipps für die Alkoholreduktion. Natürlich besteht auch jederzeit die Möglichkeit, sich an eine Fachstelle zu wenden. Die Adressen der kantonalen und regionalen Beratungsstellen des Blauen Kreuzes finden Sie hier auf der Website.
Ich hoffe, dass Ihnen diese Anregungen weiterhelfen. Sie dürfen sich gerne wieder melden (und werden diesmal schneller eine Antwort bekommen!).
Alles Gute!

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