Habe seine leeren Flaschen gefunden und er lügt mich vermehrt an wen ich ihn darauf anspreche – was soll ich tun?

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in guter Hoffnung asked 2 Monaten ago

Hallo
Ich 29 bin seit Februar mit meinem Freund 28 zusammen.
 
Habe sehr schnell gemerkt, dass er häufig und viel Alkohol trinkt und ihn auch darauf angesprochen.
Seine Reaktion «Hast du das Gefühl ich sei Alkoholiker?» «Ich habe mich im Griff» «Egal viel ich trinke, ich habe mich im Griff und kann immer fahren»
 
Ich habe schnell angefangen kein Bier mehr zu kaufen und es war am Anfang kann ok – jedoch merkte ich wie sich langsam im Kühlschrank die angesammelten alkoholische Getränke wie z.B. Martini und Amaretto lehrten und sogar leere Flaschen im Kühlschrank befanden.
 
Wen ich kein gesprudeltes Wasser zuhause haben, trinkt er entweder Pulver- Ice Tea oder irgendwas alkoholisches.
Da ich Wasser aus dem Hahn trinke und er dies absolut grauenvoll findet, bin ich nicht gewillt ständig gesprudeltes Wasser zu schleppen und er muss sich dies selbst kaufen und tragen – dasselbe gilt für Bier und sonstige alkoholische Getränke.  Jedoch kauf er sich mehr Bier als Wasser.   

  • Offiziell wohnt er nicht bei mir, ist jedoch i.d.R. bei mir, weil er sich zuhause nicht wohl fühlt und aktuell keine eigen Wohnung leisten kann.

 
Eine Grosspackung Bier die er kauft ( 12 Flaschen) werden innert kürzester Zeit an einem Abend gelehrt.  
 
Mir viel öfters auf, das kleine Prosecco- Dosen in seinem Auto lagen. Als ich ihn darauf ansprach kamen so Aussagen wie «ach, die hat wohl jemand liegen gelassen»
Habe jedoch diese kleine Dosen auch schon bei mir unten versteckt im Kühlschrank gefunden.
 
Wir beide Fahren zusammen Motorrad. Bei mir gilt während dem Motorradfahren die 0- Promille Regel – wie auch im meinem gesamten Freundschaftskreis.
Wie auch beim Autofahren – ein Bier oder zwei Panache. Diese Regel, an der ich mich konsequent halte, kennt er auch. Und solange ich dabei bin, hält er sich auch daran (glaubte ich bis vor kurzem zumindest). Er weis auch, was ich davon halte, wen man alkoholisiert Auto fährt, geschweige denn Motorrad.
 
Mir viel jedoch in der Vergangenheit zunehmend auf, dass wen er von der Arbeit oder von sonst wo nachhause kommt (vor allem mit dem Motorrad) –  dass er mir keinen Kuss mehr auf den Mund gibt.
Und ich hatte auch schon eine Bierfahne gerochen, auf die ich ihn dann ansprach. Er verneinte es jedes mal.
 
Vergangenen Mittwoch (31.7) rief er mich von der 5 min. entfernten Tankstelle an. Er sei am Tanken und ich sollte mich für eine kleine Rundfahrt anziehen, er käme mich in 30min. abholen.
Auf meine Frage was er so lange noch an der Tankstelle mache – antwortete er «Er hure herum» lachte und legte auf. Ich hatte hier schon so meine Vermutungen.
Als er dann endlich kam, fuhr ich beim ihm auf dem Sozius (Rücksitz/ Beifahrer bei Motorrad) mit.
Als ich mit ihm während der Fahrt sprach und er das Visier öffnete, vernahm ich eine leichte Bierfahne.
Als wir anhielten und ich ihn darauf Ansprach ob er getrunken hatte, verleugnete er es.
Ich war überzeugt, dass er mich anlog. Habe es aber stillschweigend entgegengenommen.
 
Am 1. August haben wir zusammen gegrillt und wir gingen noch zusammen einkaufen. Er kaufte sich ca. 4 Liter Bier die er zuhause innert kürzester Zeit auch getrunken hatte.
Nachdem er zugab zu viel getrunken zu haben schlief er ein. Wir hatten vereinbart am Abend an den See zu gehen. Als ich ihn dann mit mühe aufweckt habe musste ich ihn beinahe zwingen sich anzuziehen und sich zusammenzureissen. Auch an der S-Bahn Haltestelle ermahnte ich ihn mehrmals er solle sich zusammen reisen da ich ihn sicherlich nicht gezwungen habe so viel zu trinken.  Am See kamen dann ca. noch 2 Liter Bier dazu. Wobei er nur noch auf Instagram war, Fotos bearbeitete, hochlud und zählte wie viele likes er bekam. Hätte genauso alleine gehen können – was ich ihm auch sagte.
Ich trank an diesem Tag insgesamt 3.5  kleine Biere. Auf dem nachhause Weg fingen dann seine Kopfschmerzen an, die schnell in Richtung Migräne gehen. Er weis das Alkohol seine Migräne unterstützen – trotzdem nimmt er dann Schmerzmittel.  
 
Als wir dann zu Bett gingen sagte er wie scheisse diese Kopfschmerzen seien und es kein Wunder sei wen er so viel «saufe». Meine Reaktion war «wenigstes siehst du es ein» drehte mich um und schlief.
 
Vergangen Freitag war er mit dem Motorrad in der Werkstatt und rief mich an, er käme aufgrund dessen später nach Hause. Er und seine Kollegen in der Werkstatt, würden jetzt abstürzen  und käme erst am nächste Tag nach Hause nachdem er wieder nüchtern sei – lachte – und sagte er liebe mich und ob ich ihn auch liebe – ich erwiderte «nur wen er nüchtern sei» und ich legte auf. – ich hatte ein sehr mulmiges Gefühl. Komischerweise kam er kurz nach 10 Uhr nach Hause. Relativ guter Laune, erzählte was er in der Werkstatt machte und ging zu Bett.  
 
Am Samstag forderte ich ihn auf, als ich in die Bibliothek zum Lernen ging, das er den Abfall u.a. sein Glasfalschen vom 1.Augzst zum Entsorgen bringen muss, weil ich nicht mehr gewillt bin seinen Abfall zu schleppen. Was er auch tat.
Habe ihn früher schon oft am auf die Glasflaschenberge angesprochen, seine Reaktion ist meisten «shit – schlimmer als en Alkoholiker» und «stimmt, ich sollte die entsorgen»
 
Gestern (Sonntag) waren wir den ganzen Tag getrennt unterwegs. Er machte alleine eine Motorrad- Tour. Ich war mit meinen Mädels auf dem See. Die Stimmung am späten Abend als wir beide dann zuhause waren, war irgendwie komisch. Er wollte auch nicht, dass ich mich im Bett an ihn kuschelte. Ich kehrte mich um und machte mir keine Gedanken mehr – da er sich in letzter Zeit eh vermehrt sehr komisch benahm und seine üble Laune und zickereien mir zuschob.
 
Zum Beispiel reagiert er auf kleinste Fragen meinerseits extrem gereizt und reagiert sehr emotional z.B. am Samstag Fragte ich ihn mit einem Lächeln im Gesicht wieso er bei der Wäsche den Vorwaschgang anwählte (ich haben gar kein Vorwaschmittel zu Hause) antwortete er völlig gereizt das mich das nichts angehe und er selber entscheide wie er die Wäsche waschen möchte und wegen meiner Wäsche die er mitwaschen sollte ( 2- T Shirts) sei die Waschmaschine sowieso überfüllt. Völlig überrascht von dieser Reaktion fragte ich ihn sehr ruhig wieso er diese banale Frage so persönlich nehme und es keine Kritik sondern reine Neugierde war. Nach ca. 5. Min bemühte er sich mir seine Überlegung mitzuteilen – es war sehr komisch.
 
Heute kurz vor Mittag ging ich aus dem Haus und ging zum Schuppen wo mein Motorrad steht. Unter einem kleinen Haufen Pflastersteinen sah ich Dosen hervorschimmern. Als ich die Steine anhob, fand ich zwei lehre Prosecco dosen. Als ich den Kopf anhob, fand ich einen Plastiksack voll mit leeren Bierfalschen auf dem einem Tablar hinter einem Eimer versteckt. Ich nahm den Sack und die Dosen, ging ins Haus und stellte es auf den Salontisch und ging.
 
Die Vorfälle seit dem 31. 07 und vor allem der Fund von heute Morgen bewegten mich, mich bei hier zu melden.
 
Ich werde den Gedanken nicht los, dass er ein sehr fortgeschrittenes Alkoholproblem hat.
Aufgrund meiner Führungsausbildung die ich in bei meinem Arbeitgeber geniessen durfte, bin ich ein Stück weit sensibilisiert bezüglich Alkoholkranke.
Somit bin ich mir bewusst, dass, falls ich die Situation richtig einschätzte, er den Willen haben muss etwas daran zu ändern.
 
Jedoch wär ich Ihn sehr dankbar um ein paar Tipps, damit das Gespräch nicht eskaliert – vor allem in Anbetracht seiner aktuellen sehr emotionalen Reaktionen.
Ich weiss, dass er keine rosige Vergangenheit hat (aggressiver Kollegenkreis, angebliche Depressionen, Eltern haben sich vor einem Jahr getrennt) und seine aktuelle Situation auch nicht super ist (seit Januar starkes Übergewicht und Essanfälle, Geldprobleme) aber ich denke und bin der Überzeugung der aktuelle Alkoholkonum macht es nur noch schlimmer. Ich habe ein funkten Hoffnung, dass ich ihn ein Stück dazu beitragen kann, dass er einsieht, das dieses Verhalten nicht gesund und normal ist, sich dazu überwindet Hilfe zu holen und wenn er den Alkohol wieder reduziert, dass er wieder der Mensch wird in dem ich mich verliebt habe.  

1 Answers
Mike Mitarbeiter answered 2 Monaten ago

Hallo „in guter Hoffnung“
vielen Dank für ihren ausführlichen Beitrag. Ich bin immer sehr vorsichtig mit „Ferndiagnosen“, doch hier ist es aus meiner Sicht klar und deutlich, dass ihr Freund ein grosses Problem mit seinem Alkoholkonsum hat.
Die Kontrolle, die er vorgibt zu haben („ich habe mich im Griff und kann immer fahren“), ist wohl eher eine Kontrollillusion. Sein Konsum ist sowohl von der Menge her weit weg von einem „verantwortungsvollen Konsum“, als wohl auch von der Bedeutung, welche der Alkohol in seinem Leben hat. Wenn ich das richtig verstanden habe, gibt es keinen Tag, an dem er keinen Alkohol konsumiert; der Alkohol ist somit ein fixer Bestandteil seines Lebens.
Gleichzeitig scheint er ja viel Wert darauf zu legen, „die Fassade zu wahren“ und gibt immer nur gerade zu, was sich sowieso nicht mehr leugnen lässt und versteckt die „Überreste“ seines Konsums. Solange er nicht bereit ist, hier etwas zu verändern, wird es wohl eher schlimmer als besser und sie müssen sich überlegen, ob sie bereit für eine „Dreiecksbeziehung“ sind. Ich stimme ihnen zu, dass “ er den Willen haben muss etwas daran zu ändern“ und ich denke, dass sie die Schwere der Situation ganz richtig einschätzen.
Die grosse Frage ist nun, was braucht es, damit er etwas verändern will? Aus meiner Erfahrung gibt es da keine allgemein gültige Antwort, sondern das muss für jede Person individuell definiert bzw. beantwortet werden. Seine Geschichte mag vielleicht einen Teil seines Konsum erklären, aber sie ist keine Entschuldigung! Er alleine entscheidet wann, was und wieviel er trinkt. Hier können sie ihren Freund unterstützen, in dem sie ganz klar und deutlich sagen, wo ihre Grenzen sind und wo sie nicht mehr bereit sind mitzumachen. Leider hat er ja in Bezug auf das Motorradfahren eine klar definierte Grenze schon übertreten und sich und sie in Gefahr gebracht. 
In Gesprächen ist es oft hilfreich bei dem zu bleiben, was sein Konsum, sein Verhalten (z.B. vertuschen, lügen,…) bei ihnen auslöst. Sagen sie ihm, welche Sorgen und (Zukunfts)Ängste sein Alkoholkonsum bei ihnen auslöst, was sein Verhalten mit ihnen macht. Über Mengen und Häufigkeiten kann man „herrlich streiten“ bzw. diese abstreiten, aber dass ihnen sein Konsum Angst macht kann er nicht „wegdiskutieren“, sondern muss das einfach aushalten. Leider kann ich ihnen keine Garantie für ein erfolgreiches und konstruktives Gespräch geben, aber wenn sie ihn nicht darauf ansprechen heisst das, dass sein Verhalten für sie „OK“ ist. 
Gleichzeitig mache ich ihnen Mut, sich ihrer Grenzen – und den möglichen Konsequenzen bei Grenzüberschreitungen – bewusst zu werden und sich nicht in seine „Welt“ hinein ziehen zu lassen.
Ich hoffe, dass ihnen meine Antwort ein wenig weiterhilft.
 
Liebe Grüsse
Mike

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