KESB

Sybille asked 3 Monaten ago

Liebes Blaue Kreuz Team
Wir (mein Bruder, meine Schwägerin, mein und ich) stehen wieder einmal auf Feld 1 bei meinen Eltern. Und es wird von Jahr zu Jahr schlimmer.
Es ging mit meinem Vater nun eine Zeitlang sehr gut. Er hat aufgehört zu trinken und man konnte mit ihm gute Gespräche führen. Ok, er hatte auch die Pistole auf der Brust. Ihm wurde den Fahrausweis endgültig entzogen (wegen Alkohol). Mit einem Anwalt und der Auflage ein paar Fahrstunden zu nehmen, einen Therapeuten aufzusuchen und regelmässige Haarproben abzugeben, riss er sich am Riemen.
Meine Mutter geht es körperlich sehr schlecht. Sie hat sich zum 5. Mal einen Rückwirbel gebrochen, hat Demenz und atmet mit einem Sauerstoffgerät, da der Sauerstoffgehalt miserabel ist. Irgenwie hat sie es geschafft, die Titanstangen im Rücken zu brechen. Eine weitere Operation kommt nicht in Frage, weil sie diese gemäss Ärzten nicht überleben wird. Das alles ist eine enorme Belastung für meinen Vater. Meine Mutter war auch schon für ein paar Monate in einem Pfelgeheim, weil sie nicht mehr selber aufstehen konnte. Und die Kraft, meine Mutter zum Bett rauszuhieven, hat mein Vater nicht. Er blühte richtig auf. Doch meine Mutter tyrannisierte ihn und machte ihm Vorwürfen, dass man sie abgeschoben habe. Und dann meckerte sie wieder über den blöden Spital. Ich weiss nicht, wie fest sie gemerkt hat, dass sie im Pfelgeheim und nicht im Spital ist.
Da das Pflegeheim sehr teuer ist, hat mein Vater meine Mutter da rausgeholt. Wir erklärten ihm zwar, dass er keine Panik haben müssen, seine Wohnung zu kündigen und es Ergänzungsleistungen gäbe. Der Therapeut hat ihm auch angeboten, die Formalitäten zu übernehmen. Wir Kinder könnten das auch, doch sind wir auch nicht abgeneigt, wenn das eine neutrale Drittperson übernimmt. Aber nein, er will nicht hören und sieht nur sein Erspartes wegfliessen, was wir auch verstehen können. Doch bringt es irgendwie nichts, sich darüber aufzuregen, wenn es allen besser geht, wenn Mutter im Pflegeheim ist.
Unsers Wissenstand muss mein Vater nun nicht mehr zum Therapeuten und muss auch keine Haarproben mehr abgeben. Und jetzt hat er wieder angefangen zu trinken. Sein ganzes Verhalten spricht dafür. Er gibt diffuse Anworten und ist sehr aggressiv. Man kommt nicht mehr an ihn ran. Letzten Sonntag gab es Streit zwischen meinem Bruder und meinem Vater. Meine Eltern waren bei meinem Bruder auf Besuch. Mein Vater roch nach Schnaps. Er parkte sein Auto ziemlich katastrophal und meinte, sein Fuss sei eingeschlafen. Der Streit handelte um: „Was machen wir mit Mutter?“ Sie ist eine zu grosse Belastung für meinen Vater. Mein Vater leidet noch zusätzlich an Krebs und muss eine Hormontherapie machen. Das schlaucht ihn auch ohne Alkohol. Mein Bruder legte Vater nahe, Mutter in ein Pfelgeheim zu geben. Man könne das auch tageweise machen, damit er entlastet ist. Daraufhin flippte mein Vater aus und fuhr mit Mutter vor dem eingeladenen Essen wieder nach Hause. Mein Bruder überlegte sich noch, die Polizei zu rufen. Denn hätte mein Vater eine Person oder sogar ein Kind angefahren, wäre ihm das nicht recht gewesen. Nun wurde ich noch in den Streit reingezogen. Auch ich erklärte, dass Mutter ein klarer Fall fürs Pflegeheim ist. Sie ist ein 24h Job. Das kann kein einziger Mensch übernehmen. Niemand macht meinen Vater einen Vorwurf, wenn er meine Mutter einem Pflegeheim übergibt. Meine Meinung und Anwort war die falsche. Der Telefonapparat wurde einfach hingeschmissen.
Heute eine Woche später rief mich mein Vater an. Es ginge ihnen schlecht und sie wollen sterben. Mutter stehe nicht mehr auf und er wolle auch sofort sterben. Es sei Schluss, sie verabschieden sich von uns. Ich erwiderte: “ Ok, dann ruf ich nun die Polizei oder den Notfallpsychiater an!“ Mein Vater wieder: “ Warum?“ Ist doch klar warum, er droht mit dem Selbstmord an. Aber das hat er schon oft. Auch meine Mutter will sich immer wieder umbringen. Sie will aus dem Fenster springen. Da sie aber kaum gehen kann, ist diese Androhung ziemlich lächerlich, wenn ich so zynisch sein darf. Das habe ich ihr in der Wut auch schon an den Kopf geschmissen. Mein Bruder nahm auch noch telefonischen Kontakt mit ihnen auf. Er wurde angeschrieen, dass er an allem Schuld sei. Nur weil er gesagt hat, dass Mutter ins Pfelgeheim gehöre. Nun das sind wir uns schon gewohnt. Mein Bruder ist immer das schwarze Schaf. Er kümmert sich viel mehr um alles. Dieser Vorwurf macht ihm nun sehr zu schaffen. Auch wenn er weiss, dass alles im Suff gesagt ist und es nicht stimmt.
Unsere Frage: Was sollen wir machen? Eine demente Mutter, die nicht mehr den Migros findet und sich ein Brot kaufen kann und ein Vater, der offensichtlich wieder mit dem Trinken angefangen hat. Sollen wir die KESB aufs Parkett holen? Mit denen hatten wir schon vor Jahre einmal Kontakt. Gebracht hat es gar nichts. Dem Hausarzt telefonieren? Rausfinden wie der Therapeut heisst? Oder einfach den Stecker ziehen und warten bis der grosse Knall kommt und hoffen, dass ein Nachbar der KESB oder der Polizei anfruft.
Mein Bruder und ich haben beide Familie mit Kindern. Die Kids von meinem Bruder sind in der Primarschule. Meine sind schon etwas grösser und in der Kantonsschule. Wir arbeiten alle ziemlich viel. Einerseits wollen wir unseren Eltern helfen, andererseits haben wir bei dem letzten Mal, als wir meinen Vater zwangsweise in eine Entzugsklinik einwiesen liessen, gesagt, dass das nun das letzte Mal sei, dass wir ihn da zum Sch…. raushelfen. Unsere Kräfte seien auch beschränkt. Er findet ja immer, dass er nicht in eine Entzugsklinik gehöre und er was besseres sei. Und unsere Hilfe ist immer falsch. Egal was wir machen oder sagen. Es ist falsch. Wir sind am Schluss die Iditoten. Das undankbare Pack oder was auch immer.
Ihr seht, wir stehen vor einem Berg. Wir müssen auch unsere Familie schützen. Mein Bruder ist emotional total ko. Seine Kräften schwinden etwas schneller als meine, da meine Jungs schon selbständiger sind und ich mit ihnen auch sehr gut darüber reden kann. Es zeigt ihnen auch, was Alkohol kaputt machen kann. Das ist für einen Teenager auch sehr lehrsam.
Vielleicht seht ihr als Aussentstehende klarer. Um einen Tipp wären wir super dankbar.
Liebe Grüsse
Sybille
 
 
 
 
 
 
 

Mike Mitarbeiter antwortete vor 3 Monaten

Liebe Sybille

vielen Dank für ihr sehr persönlichen Beitrag. Sie beschreiben eine sehr schwierige und komplexe (Familien)Situation, in welcher es wohl schon seit langer Zeit nicht mehr um eine „einfache und gute“ Lösung geht/gehen kann, sondern wohl in erster Linie um eine „Schadensbegrenzung“.

Ein Aspekt dieser „Schadensbegrenzung“ ist, dass sie und ihr Bruder sehr genau darauf achten, was und wie viel sie und ihr Bruder noch „investieren“ können, ohne dass sie und ihre eigenen Familien darunter zu stark leiden. So wie sie die Situation beschreiben, ist dieser Punkt wohl schon überschritten („Mein Bruder ist emotional total ko. Seine Kräften schwinden etwas schneller als meine…“) und ich kann ihnen hier nur Mut machen, sich und ihre eigene Familie zu schützen.

Das ist in der Praxis natürlich sehr schwierig, da es sich ja schliesslich um die eigenen Eltern, um die eigene Herkunftsfamilie handelt. Wie gesagt, geht es hier aber nicht mehr um „die gute Lösung“, sondern um das Abwägen zwischen mehreren „schlechten“ Lösungen. Ich stelle mir auch die Situation ihrer Eltern als sehr schwierig vor, der Wille es „selber“ zu schaffen und dabei täglich zu scheitern und erkennen zu müssen, dass es so nicht mehr geht. Dies sind aber Entscheidungen, die ihre Eltern treffen müssen – hier mit Drohungen Druck auf sie und ihren Bruder auszuüben ist natürlich kontraproduktiv und führt garantiert zu keiner konstruktiven Lösung.

Auch der Alkohol als „Seelentröster“ ist hier nahe, aber er macht alles nur noch viel schlimmer und leider scheint ihr Vater wenig aus der vergangenen Zeit gelernt zu haben. Doch auch hier können sie ihn „nur“ darauf hinweisen, er muss eine Veränderung wollen.

Haben sie schon einmal Kontakt mit der ProSenectute aufgenommen? Diese sollten ihnen mit Ideen und Möglichkeiten bezüglich Betreuung und „Altersthemen“ weiterhelfen können. Sollte das alles nichts bringen, wäre die KESB der richtige Ansprechpartner.

Liebe Grüsse
Mike

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