Konsequenzen und Grenzen

Lilly asked 5 Monaten ago

Hallo,
ich bin Ehefrau eines Alkoholikers und ich weiss mir gerade einfach keinen Rat mehr und mich belastet die Frage, ob die Konsequenz fuer sein Trinkverhalten angemessen war. Im Vorfeld muss ich sagen, dass er das letzte Jahr eine Therapie gemacht hat, er hat 9 Monate nicht getrunken, war ein voellig neuer Mensch und so gluecklich. Kurz vor Weihnachten hatte er seinen ersten Rueckfall, der 2 Wochen anhielt. Seitdem wechseln sich Trink mit Nichttrinkphasen ab, von trocken sein kann man nicht mehr sprechen. Das erste Mal bin ich voellig ausgeflippt, konnte nicht verstehen was passiert war, der Schmerz und die Hilfslosigkeit waren fast nicht auszuhalten. Irgendwie Schockstarre. Seitdem habe ich alles versucht, wenn er rueckfaellig wurde. Ich hab gebettelt, geweint, geschrien, versucht zu ueberzeugen, zu kontrollieren. Nur um auf den harten Boden der Tatsachen geholt zu werden, dass nichts von dem hilft. Wenn eines, dann hat er mir gegenueber komplett zugemacht was das Thema angeht.
Also habe ich ihm letzte Woche, wahrend eines weiteren Rueckfalls die kalte Schulter gezeigt, ihn weitestgehend ignoriert, weil ich einfach nicht weiss wie ich mit meinen verletzten Gefuehlen, dieser Hilfslosigkeit umgehen soll. Was mich einfach vor Wut zittern laesst ist, dass er in nuechternen Momenten weiss was er unserer Ehe antut und dennoch diese Arroganz an den Tag legt wenn er getrunken hat und mich versucht fuer alles verantwortlich zu machen.
Gestern hatten wir uns spontan fuer einen Kurztrip entschieden, er war sich sicher er wolle nicht trinken, es sei unsere gemeinsame Zeit die er geniessen wolle. Am Abend jedoch wurd er auf einmal so sauer und wuetend, er wollte trinken, natuerlich, beschimpfte mich als langweilig und nervig, weil ich gesagt hab, wenn er trinken moechte, bitte, aber ich wuerde dann nach Hause fahren. Ich blieb, wir unternahmen etwas getrennt und er kam natuerlich komplett betrunken, mit einem zusaetzlichen Sixpack aufs Zimmer. Er fuehlte sich durch irgendwas was ich sagte provoziert und ist komplett ausgerastet, hat rumgeschrien, die Musik aufgedreht und mir mein Handy aus der Hand geschlagen. Ich hab mir daraufhin ein eigenes Zimmer genommen. Heute morgen wollt ich nach dem Checkout heim fahren, er, wie ein rebellischer Teenager bestand darauf, laenger zu bleiben. Ich hab ihn 5 mal gebeten, bitte mitzukommen, worauf er sagte ich wuerd ihn bevormunden, also bin ich gefahren. Hab dann aber im naechsten Ort angehalten und ihn nochmals gefragt ob er denn bitte mitkommen wolle. Er gab mir keine Antwort darauf, also bin ich weitergefahren.
Nun sitzt er immernoch in dem Hotel, betrunken, 1,5 Stunden von zu Hause weg, meint, es gaebe keine Moeglichkeit fuer ihn nach Hause zu kommen. Er muss morgen arbeiten. Woran ich nun knabbere ist, war mein Handeln zu krass? Auf der anderen Seite habe ich die Nase gestrichen voll von seinen betrunkenen Eskapaden, seinen Beschimpfungen und dass er mich versucht zum Narren zu halten, er hat mich wieder mal tief verletzt gestern, sodass ich einfach gesagt habe, genug ist genug.
Er macht mich natuerlich dafuer verantwortlich, sollte er seinen Job verlieren, ich sei ein schlechter Mensch und so weiter…
War mein Handeln richtig? Ist das nur eine weitere Manipulation seinerseits?
Vielen Dank fuers Lesen und ein paar Ideen, Erfahrungen oder Anregungen.

1 Answers
Antje Mitarbeiter answered 5 Monaten ago

Hallo Lilly
Danke für Ihren offenen Bericht, so konnte ich mir ein gutes Bild von Ihrer Situation machen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie schwierig die letzte Zeit für Sie war, wie gross Ihre Enttäuschung nach dem Rückfall, wie Sie immer wieder versucht haben, mit ihm zu reden und auf ihn einzuwirken. Mit dem Trinken aufhören kann aber nur Ihr Mann und das löst die Gefühle von Machtlosigkeit, Hilflosigkeit, Schock und auch Wut aus. Ihre Frage war ja vor allem, ob Sie in der aktuellen Situation angemessen reagiert haben. Meine Meinung ist, dass Sie sehr gut reagiert haben! Es gab eine Abmachung vorher, dass er nicht trinken wollte, um die gemeinsame Zeit mit Ihnen geniessen zu können. ER hat sich an das Versprechen nicht gehalten. Gut fand ich Ihre Reaktion, dass Sie dann etwas getrennt unternommen haben, dass Sie ein eigenes Zimmer genommen haben, als die Situation eskaliert ist (Sie haben sich geschützt und gut für sich gesorgt!) und am nächsten Tag haben Sie Ihre Ankündigung wahr gemacht, dass Sie so nicht weiter dort bleiben und abreisen wollen. Sie haben ihm sogar nochmals eine Chance gegeben, mitzukommen, die er nicht angenommen hat. Ich finde die Konsequenz, dass er nun schauen muss, wie er alleine heim kommt, sehr angemessen. Er ist erwachsen und für sein Verhalten selbst verantwortlich und das heisst auch für die Folgen, die es hat (wenn er z.B. Probleme beim Arbeitsplatz bekommt). Wenn er getrunken hat, versucht er ja, Sie für alles verantwortlich zu machen. Aber das müssen Sie nicht zulassen! Es ist einfach für ihn, Ihnen die Schuld zu geben, dann muss er nichts verändern. Sie sollten ihm die Verantwortung für sein Tun zurückgeben und sich selbst wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Tragen Sie für sich selbst gut Sorge. Überlegen Sie, was Sie jetzt brauchen. Vielleicht hilft es, etwas Abstand zu ihm zu nehmen, den eigenen Bedürfnissen Rechnung zu tragen und sich etwas Gutes zu tun. Vielleicht würde es Ihnen auch gut tun, selbst Hilfe und Unterstützung in einer Beratungsstelle in Anspruch zu nehmen. Die Suchtberatungsstellen begleiten auch die Angehörigen und helfen ihnen, mit der Situation umzugehen. Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen alles Gute und gerne dürfen Sie sich auch hier wieder melden.
Antje

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