Mein Mann meint er hat alles im Grifg

Pyrophoric asked 2 Monaten ago

Seit diesem Jahr trinkt mein Mann immer mehr. So sehr, dass ich mir ernsthafte Sorgen mache. Ich habe schon mehrmals das Gespräch gesucht und einmal hat er auch zugegeben, dass er Hilfe braucht, weil er nicht wüsste wann Schluss ist. Hilfe geholt hat er sich aber nicht. Ich weiß auch nicht, ob es richtig ist, ihn darum zu bitten sich Hilfe zu holen, weil er das nicht wegen mir sondern wegen sich tun soll ! Ist das richtig ?
meine Eltern wohnen mit uns im selben Haus und wissen von dem Problem. Sie lieben ihn und mein Vater war im Sommer bei uns oben in der Wohnung als ich heulend zu ihnen kam. Mein Vater wusste gleich was der Grund ist und ist hoch zu ihm in die Wohnung. Auch mein Vater  belastet das Trinkverhalten seines Schwiegersohnes. Er hat ihm ein richtigen Einlauf verpasst, dass dein Verhalten nicht mehr geht, sonst zieht er aus. Daraufhin hat er gesagt, er trinkt um Abzuschalten und genau darin seh ich das Problem. Er missbraucht den Alkohol. Er hatte dann vier Monate lang nichts getrunken und meint jetzt er hätte alles im Griff. Im November ging es wieder los. Er hatte auch ein richtig schlechtes Gewissen, hat mir aber ehrlicherweise gesagt, er hat auf Arbeit mit dem Kollegen nach Feierabend getrunken. Gerochen hätte ich es eh.. und nun trinkt er noch mehr als zuvor.. und wenn ich ihm sage, wie sehr mich das runterzieht und ich gar keine Zukunft mit ihm planen kann (eigentlich möchte ich Kinder – aber nicht so) sagt er, er trinkt nur noch dieses Jahr und dann wieder weniger.. er verstehe nicht, warum er nicht mal das tun könne was er will und warum alle auf ihn rumhacken. 

mich macht es traurig, da ich fest davon überzeugt bin, dass er Quartalssäufer ist. was mich traurig macht, ist das viele seiner Freunde sich auch regelmäßig total wegschießen. Wenn Termine wie Feiern mit diesen Leuten anstehen, habe ich ihn schon öfter allein gehen lassen oder bin wenn ich es nicht ertragen konnte einfach heim.
ich sehe für mich keine Basis mehr. Was ist das für eine Ehe in der er alleine loszieht mit seinen Saufleuten (auch Paare) selbst wenn ich mitgeh hör ich oft, lass dein Auto doch stehen. Ich fühle mich in deren Gegenwart nicht wohl.
Gestern habe ich gemerkt, dass ich es nicht mehr ertragen kann. Ich liebe diesen Menschen und es war eigentlich ein Geschäftsessen und mit dem letzten Kunden hat jeder für sich mindestens vier halbe getrunken, zwei Weissweingläser, und drei Marillenschnäpse. Ich hab dann gehört wie seine Zunge taub war und hätte auf den Tisch förmlich brechen können. In dem Moment habe ich gemerkt, ich kann nicht mehr. Ich kann nicht mitansehen wie er sich zu Grunde richtet und bin aufs Zimmer. Er kam dann Stunden später Sturz betrunken nach und ich habe ihm nur gesagt, dass ich die Trennung möchte und er sagt ich übertreibe, warum ich ihn nicht einfach mal machen lass, er trinkt auch wieder weniger. Denn er meint, sein einziges Problem ist das Konditionieren. Er trinke ja nicht ständig und könne jederzeit aufhören. Aber genau das glaube ich seit heute nicht mehr. Denn ich bin schon soweit, dass ich ihn mir nicht mal mehr mit einem Glas Wein reinziehen möchte. Ich sehe nur eine Zukunft, wenn er gar nichts mehr trinkt und nicht weniger aber das wird er aus meiner Sicht dauerhaft nicht schaffen.
ist es richtig keine Forderung zu formulieren? Ich sehe eine Chance wenn er Hilfe sucht und hat nichts mehr trinkt. Aber ist es nicht besser, wenn ich mich einfach trenne und er selbst auf die Idee kommt ? Ich denke er weiß, dass das der einzige Weg wäre mich zurückzukriegen- aber ich will das er selbst einsieht und selbst will – nicht wegen mir.

1 Answers
Mike Mitarbeiter answered 2 Monaten ago

Hallo Pyrophoric
 
willkommen im Forum und danke für ihren Eintrag. Ihre Geschichte zeigt leider wieder einmal mehr, wie der Konsum eines Einzelnen die ganze Familie betrifft. Der Betroffene sieht „kein Problem“ und das Umfeld soll aus seiner Sicht halt nicht „übertreiben“ oder „überreagieren“, schliesslich könne er ja „jederzeit aufhören“. Aufgrund ihrer Schilderung denke ich, dass ihr Mann sich da aber leider überschätzt und sein Konsum ein solches Ausmass und eine solche Bedeutung bekommen hat, dass er nicht mehr „einfach so“ aufhören kann. Ihre Bitte an ihn, sich Hilfe zu holen finde ich daher nur richtig.
 
Da – wie gesagt – Alkoholabhängigkeit / Alkoholmissbrauch nie Privatsache ist, sondern auch immer ungefragt das Umfeld betrifft, dürfen sie auch Forderungen stellen. Er hat sie ja auch nicht gefragt, ob sein Konsum für sie „OK“ ist. Zudem finde ich es immer hilfreich, wenn Erwartungen und Wünsche klar formuliert werden, so kann er auch entscheiden, ob er sie oder den Alkohol wählt. Ihre Aufgabe in dieser Situation besteht darin, sich über ihre Grenzen klar zu werden. 
Sind sie bereit ihm noch mehr Zeit zu geben („er trinkt nur noch dieses Jahr und dann wieder weniger“), sind sie bereit ihm zu vertrauen, dass er etwas verändert („Er trinke ja nicht ständig und könne jederzeit aufhören“)? Oder ist für sie bereits „zuviel passiert“? Veränderung kommt nur selten ohne Druck zustande („Aber ist es nicht besser, wenn ich mich einfach trenne und er selbst auf die Idee kommt ?“, „aber ich will das er selbst einsieht und selbst will – nicht wegen mir.“), denn Veränderung bedeutet immer Aufwand, Arbeit und Unsicherheit (kommt es wirklich besser?). So ist ihr Wunsch, dass er seinen Konsum „aus freien Stücken“ verändert zwar gut nachvollziehbar, aber aus meiner Erfahrung wenig realistisch. Es braucht einen gewissen Druck – von aussen oder von innen – sonst passiert keine Veränderung. Schliesslich geht es ja auch um sie als Paar, d.h. beide haben das Recht und die Pflicht an der Beziehung zu arbeiten und zu überlegen, wie diese (in Zukunft) aussehen soll.
Ich mache ihnen Mut in dieser schwierigen Situation auch gut zu sich zu schauen und nicht ihr Leben von seinem Konsum bestimmen zu lassen. Wie gesagt, überlegen sie sich wo sie stehen und unter welchen Voraussetzung ihre Ehe eine gute Zukunft hat.
 
Liebe Grüsse
Mike 

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