Mein Partner fährt Auto trotz Alkoholkonsum

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Anonym • vor 2 Jahren

Guten Tag

Mein Partner geht an seinem freien Abend in den Ausgang bis meistens morgens um drei oder vier in der Früh. Häufig liege ich dann wach, weil ich nie weiss ob er in angetrunkenem Zustand Auto fährt. Ich habe ihn schon so oft darauf angesprochen, aber er behauptet immer noch klar zu wissen, wieviel das zu viel sei. Häufig rieche ich die Alkoholfahne und bin der Meinung, wenn ich diese schon riechen kann – ist man doch nicht mehr fahrtüchtig! Er hatte vor einigen Jahren mal einen Führerausweisentzug wegen Trunkenheit am Steuer…und hatte schon sehr oft „Glück“ im Unglück. Was soll ich tun? Er verweigert eine Einzel-/Paartherapie….und mit mir redet er auch nie tiefer, schon gar nicht über seine Gefühle. Es gehe ihm so gut und es sei doch alles bestens. Ich mache ein Problem wo gar keines bestehe! Bin ich nicht auch mitschuldig wenn ich nichts unternehme und irgendwann ein Unfall passieren würde? Häufig fährt sogar am darauffolgenden Tag unsere Kinder und noch weitere zum Sport….nach manchmal nur 4 Stunden Schlaf und Ausnüchterung…Ich kann ihn doch nicht ständig überwachen und die Autoschlüssel verstecken…und doch belastet es mich so sehr.

Danke für Ihre Rückantwort.

LG Aerdna

Antje antwortete vor 2 Jahren

Hallo Aerdna

Ich kann Dich sehr gut verstehen, dass Du Dir grosse Sorgen machst und Dich die Situation sehr belastet. Darum finde ich es auch toll, dass Du dich hier gemeldet hast, um Dir selbst Unterstützung, Rat und Hilfe zu holen. Es sind ein paar Punkte, die mir dazu in den Sinn kommen und die ich Dir schreiben möchte:
1. Dass sich Dein Partner noch fahrtüchtig fühlt, heisst noch lange nicht, dass er auch fahrtüchtig ist!!! Du erkennst ganz richtig, dass es sehr gefährlich ist, wenn er überhaupt etwas getrunken hat und dann noch Auto fährt. Bereits ab 0,2- 0,5 Prom. verändert sich die Aufmerksamkeit und Wahrnehmungsfähigkeit, die Reaktionszeit nimmt zu und die Risikobereitschaft ist erhöht. Die Fähigkeit ein Fahrzeug zu lenken, nimmt dann gravierend ab, je höher der Promillewert steigt. Das Problem bei Menschen, die regelmässig viel Alkohol trinken ist, dass sie die Wirkung nicht mehr so schnell spüren (sondern vielleicht erst, wenn sie wirklich schon sehr, sehr viel getrunken haben!). Das heisst aber nicht, nur weil sie es nicht spüren, dass die Wirkung, sprich die Einschränkung, nicht auch besteht!!!
2. Du solltest möglichst nicht mit ihm darüber sprechen, wenn er angetrunken nachts nach hause kommt und Du auch schon sehr aufgeregt bist, sondern wenn er wieder nüchtern ist und ihr möglichst ruhig und „sachlich“ reden könnt. Sage ihm, über was Du Dir Sorgen und Gedanken machst. Dann kann er Dir vielleicht auch besser zuhören und auf Dich eingehen. Auch wenn er dann sagt, es gehe ihm bestens und er habe kein Problem, kannst du dabei bleiben, dass es aber für Dich ein Problem ist und dass Du dies lösen möchtest (mit ihm!).
3. Wenn er nachts angetrunken Auto fährt und es passiert ein Unfall, dann bist nicht Du schuld, sondern ganz allein er!!! Er entscheidet, er verhält sich, er trägt die Folgen und die Verantwortung!
4. Du hast völlig recht damit, dass er morgens, nach 4 Stunden Schlaf, sicher noch Restalkohol im Blut hat. Du solltest darauf bestehen, dass er in diesem Zustand nicht Eure und andere Kinder zum Sport fahren darf. Entweder müsstest Du dann selbst fahren (was sicher für Dich auch nicht so toll ist?) oder andere Eltern bitten und dann diesen offen sagen warum! (auch das könnte eine Wirkung auf ihn haben, wenn es plötzlich bekannt wird!).
5. Es geht nicht darum, ihn zu überwachen oder die Autoschlüssel zu verstecken, sondern ihn mit den Folgen seines Tuns zu konfrontieren und klare Grenzen auf zu zeigen, die für Dich nicht mehr akzeptabel sind!
Ich hoffe, ich konnte Dir hiermit ein wenig weiter helfen, sonst melde Dich gerne wieder!
Alles Gute und
lieben Gruss, Antje

Aerdna antwortete vor 2 Jahren

@Antje
Hallo Antje

Herzlichen Dank für deine rasche Antwort und die aufmunternden Worte. Zu Punkt 2 möchte ich gerne festhalten, dass ich schon oft mit ihm versucht habe zu reden; und das wenn er nüchtern war. Leider komme ich auch dann nicht an ihn ran…und oftmals höre ich seine Worte: bei mir ist alles in Ordnung und ich bin doch glücklich; nur du bist nicht zufrieden, dann kann ich dir auch nicht helfen. Punkt 3: Ich weiss, ich kann ihn nicht bevormunden; und das will ich auch gar nicht; aber ich weiss nicht ob ich mich trotz allem mitschuldig fühlen würde wenn es je einen Unfall gäbe. Wenn ich mich an eine Beratungsstelle nahe meinem Wohnort wenden würde: bekäme ich dann evt. weitere Antworten; oder aber antwortest du sogar von einer Beratungsstelle „Blaues Kreuz“ aus? Zu Punkt 4 möchte ich folgendes bemerken: Ich müsste ja ständig in Bereitschaft sein; also immer in der Startposition; ich weiss echt nicht wie ich das schaffen soll! Aber anscheinend gibt es keinen anderen Weg?! Und meine freie Zeit geht ja so auch den Bach runter:-(!!!. Das kann es doch nicht sein.

Danke fürs zuhören, es grüsst dich herzlich

Aerdna

Antje antwortete vor 2 Jahren

Hallo Aerdna
schön, dass Du nochmal geschrieben hast. Ich habe mir auch noch einmal Gedanken gemacht. Die Idee, dass Du Dich an eine Beratungsstelle wenden könntest, finde ich natürlich immer grundsätzlich gut. Ich selbst arbeite an einer Beratungsstelle vom Blauen Kreuz. Und in einem Gespräch kann man natürlich noch viel tiefer und genauer über diese Themen sprechen und dies auch, wenn Bedarf besteht, über einen etwas längeren Zeitraum. Oft gibt es ja kein Patentrezept oder eine schnelle, einfache Lösung, sondern es ist vielmehr ein längerer Veränderungsprozess, der stattfindet (auch bei den Angehörigen). Zum einen könntest Du mit einer Fachperson anschauen, wie Du mit Deinem Partner sprechen könntest, dass er Dir besser zuhört, zum anderen könnten Deine Schuldgefühle angesprochen werden und auch die Belastung, die für Dich besteht.
Jetzt zu den Ideen, die ich noch hatte: Wenn Du mit Deinem Mann sprichst und ihr nach einer Lösung sucht, weil es zumindest für Dich ein Problem ist, wenn er angetrunken Auto fährt, dann könntet ihr doch besprechen, ob er nicht, wenn er in den Ausgang gehen und dort etwas trinken will, z.B. mit Öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Taxi heimfahren könnte. Das ist zumindest sicher und auch billiger, denn wenn er alkoholisiert erwischt wird, wird das richtig teurer, mit Führerscheinentzug, Haaranalysen, Tests, die er bis zu 3 Jahren dann machen lassen muss!!!
Und zu Punkt 4: Wenn ihr das besprecht, dass er die Kinder nicht fahren darf, weil er vermutlich am nächsten Morgen noch Restalkohol im Blut hat und Du dann fahren müsstest, dann besprecht auch, was er im Gegenzug für Dich, z.B. im Haushalt in dieser Zeit erledigen soll.
Dass Du im Endeffekt unter den Folgen leidest, also doppelt und dreifach belastet wirst, kann und darf echt nicht sein! Daher auch noch einmal der Rat, an eine Beratungsstelle zu gehen und Deine Gesamtsituation anzuschauen.
Alles Gute und herzlichen Gruss,
Antje

Antje antwortete vor 2 Jahren

Alle Fachstellen vom Blauen Kreuz in der Schweiz findest Du übrigens unter den Links (oben auf dieser Seite), also auch diejenige in Deiner Nähe…
LG Antje

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