Mein Partner trinkt zu viel

Chantal asked 3 Monaten ago

Ich (w, 38) komme an meine Grenzen. Mein Partner (m, 49) hat ein Alkoholproblem. Er trank schon viel, als ich ihn kennen gelernt habe, das sind ca. 4 Jahre. Anscheinend hat er seine Problem mit der damaligen Partnerin mit Alkohol ertränkt. Als ich ihn kennenlernte hatte er eine „gute Phase“ und hatte monatelang nicht mehr so viel getrunken, und ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht. Aber dann bekam er Problem mit seinem Chef bei der Arbeit und da hat er angefangen sehr viel zu trinken. Ich habe dann das Gespräch gesucht, weil ich mir anfing Sorgen zu machen. Seit fast einem Jahr hat er nun eine neue Arbeitsstelle und wir sind zusammen gezogen. Ich dachte, es würde jetzt besser werden, weil ich dachte, die grossen Probleme seien jetzt vorüber. Aber seit vielleicht vier bis fünf Monaten ist es ganz schlimm geworden. Ich weiss nie, in welchem Zustand ist, wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme. Ich habe schon mehrfach versucht mit ihm zu reden. Jedes Mal verspricht er mir, dass er versucht weniger zu trinken. Aber das geht vielleicht zwei Tage gut, dann fangen die alten Gewohnheiten wieder an, er trinkt Bier, Wein aber auch Schnaps und das jeden Tag. Er vergisst sehr vieles und hat mich auch schon in peinliche Situationen gebracht. Ich ertappe mich dabei, dass ich leere Bierdosen zähle oder am Atem meines Partners rieche, weil ich Angst habe, dass er wieder getrunken hat. Letztens ist die Situation eskaliert und ich habe mit ihm darüber gestritten (leider war er da auch betrunken), ich habe ihm gesagt, dass mich die Situation an meine Grenzen bringt und ich nicht mehr mag. Er hat dann geweint und gemeint, ich solle ihm helfen. Aber sobald er wieder nüchtern ist, schweigt er zu diesem Thema und das schlimmste ist, dass er nicht mehr weiss, was wir miteinander geredet haben. Ich liebe ihn, aber die ganze Situation bringt mich an meine Grenzen und manchmal komme ich gar nicht mehr gerne nach Hause, weil ich nicht weiss, was mich erwartet.
Ich weiss nicht, was ich tun soll. Wie kann ich ihm helfen, wenn er selber nicht an sich arbeitet? Ich kann ihn ja nicht zwingen professionelle Hilfe anzunehmen. Haben Sie vielleicht eine Idee, was ich machen könnte?

Antje Mitarbeiter antwortete vor 3 Monaten

Hallo Chantal
Erst einmal möchte ich Ihnen danken für Ihre Offenheit und Ihr Vertrauen, das Sie uns damit entgegenbringen. Seit 4-5 Monaten erleben Sie, wie sich das Konsumverhalten Ihres Partners wieder verschlimmert. Sie schreiben, dass sie schon mehrmals versucht haben, mit ihm darüber zu reden. Versprechungen, die er dann macht, halten aber nicht lange an. Ich möchte Ihnen ein paar Ideen schicken, wie Sie versuchen können, mit der Situation umzugehen:
1. Auch wenn Ihr Partner im nüchternen Zustand nicht mehr über das Problem reden möchte, empfehle ich Ihnen, genau dann mit ihm das Gespräch zu suchen. Gehen Sie bei den Gesprächen von sich aus. Sagen Sie ihm, was Sie beschäftigt und belastet, was Ihnen Sorgen macht, wie Sie sich fühlen, was Sie beobachten. Aber nicht, was er tun soll! Und versuchen Sie, ihm keine Vorwürfe zu machen. Fragen Sie ihn, wie er die Situation sieht. Beide können Ihre Bedürfnisse und Sichtweisen einbringen.
2. Sie können den Alkoholkonsum ihres Partners weder kontrollieren noch einschränken. Aber Sie können ihm Grenzen setzen im Hinblick darauf, was Sie tun und ertragen wollen. Sie können z.B. verlangen, dass er innerhalb einer bestimmten Zeit einen Termin bei einer Suchtberatungsstelle ausmacht. Klarstellen: Nicht Sie können ihm helfen, sondern er braucht fachliche Hilfe.
3. Wichtig ist, dass nicht Sie die Verantwortung z.B. für die Folgen haben, die sein Konsum mit sich bringt. Nicht Ihnen muss das peinlich sein, sondern IHM. Übergeben Sie ihm die Verantwortung für sein Tun.
4. Es hilft, sich zu entlasten, anstatt zu schweigen. Reden Sie mit anderen Personen Ihres Vertrauens über Ihre Situation. Holen Sie sich Unterstützung. Schweigen ist mit Leiden und Isolierung verbunden. Sie haben das Recht über das, was sie erleben zu sprechen. In den Suchtberatungsstellen gibt es immer auch Beratung, Unterstützung und Begleitung für Angehörige.
5. Tragen Sie sich Sorge. Vernachlässigen Sie nicht ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen. Tun Sie sich Gutes und nehmen Sie Abstand, wenn es Ihnen zu viel wird (z.B. am Abend wenn Sie heim kommen!)
Ich hoffe, ich konnte Ihnen erst einmal ein wenig weiterhelfen. Ansonsten dürfen Sie sich sehr gerne hier wieder melden.
Alles Gute und einen herzlichen Gruss,
Antje

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