Mein Vater 70 starker Trinker

S. • vor 3 Wochen

Hallo zusammen
Mein Vater trank schon immer, schon in meiner Kindheit. Soweit ich das beurteilen kann, trank er früher immer nur an Wochenenden und nur ausschliesslich abends. Dann auch unter der Woche abends und nun seit er pensioniert ist, beginnt er bereits nachmittags. Dies v.a. Wenn er in seinem Heimatland ist. Und er ist ca. 7-8 Monate / Jahr dort. Er fährt vermutlich auch betrunken Auto. Er schläft vor der Haustüre, auf der Terasse sitzend, ein, er fällt hin und wieder um und hat danach immer absoluten Filmriss. Früher war er wenigstens tagsüber „normal“. Also sein Verhalten war normal, man konnte mit ihm reden, er war normal ansprechbar, wusste, wie man sich benimmt etc. Je länger je mehr, vergisst er solche Dinge, er ist immer weniger gesellschaftsfähig. Er kann fast kein normales Gespräch mehr führen und ist wahnsinnig vergesslich. Seine Finanzen hat er absolut nicht im Griff, deshalb ist er auch immer im Heimatland. Weil er hier in der Schweiz mit der Rente nicht auskommt. Dort ist das Leben viel billiger und er kann sich alles leisten. Mir wurde von Freunden, die auch in seinem heimatland sind, erzählt, dass er sich immer an Frauen ranmacht v.a. Viel jüngere. Wie ich bereits gesagt habe, kennt er die Benimmregeln nicht mehr. Viele alte Freunde haben sich verständlicherweise von ihm abgewendet und er ist so ziemlich einsam. Immer wenn ich lange nichts mehr von ihm höre, rechne ich damit, dass ihm etwas passiert ist, dass er irgendwo runtergefallen ist, einen Unfall gebauen hat oder von jemandem abgeschlagen worden ist, weil er sich in unangemessener Weise verhalten hat.
Nun zu meiner Frage: Kann ich ihn unter diesen Umständen zwangseinweisen lassen? Ist das ratsam? Was müsste ich dafür tun? 
Besten Dank für Ihre Hilfe
 
 

1 Antworten
Mike Berater/in antwortete vor 3 Wochen

Hallo S.
 
vielen Dank für deine Frage hier im Forum. Dein Beitrag zeigt leider schön, wie sich ein Leben zum Negativen hin verändert, wenn der Alkoholkonsum immer mehr zum einzigen Lebnsinhalt wird. Dein Vater scheint für sich im Moment keine Aufagbe mehr zu sehen und füllt seinen Tag mit Trinken. Dabei zeigt er aber inzwischen ein Verhalten, das einerseits andere abstösst („Viele alte Freunde haben sich verständlicherweise von ihm abgewendet und er ist so ziemlich einsam.“) und andererseits für ihn selber aber auch für andere gefährlich wird. (Autofahren, Hinfallen,..).
 
 
Dies wäre dann auch die Möglichkeit für eine Zwangsmassnahme. Diese kann angeordnet werden, wenn eine „akute Selbstgefährdung, schwerwiegende Belastung oder Gefährdung anderer Personen“ vorliegt. In diesem Fall können „psychisch kranke Menschen (dazu gehören auch Suchterkrankungen!) ohne ihre Zustimmung eingewiesen werden. Dies geschieht unter der Voraussetzung, dass ihnen die nötige persönliche Fürsorge nicht anders erwiesen werden kann.“ Die Voraussetzungen für eine Fürsorgerische Unterbringung (FU) sind im Gesetz über den Kindes- und Erwachsenenschutz (KESG) definiert.
Da die FU einen schweren Eingriff in die persönliche Freiheit der betroffenen Person darstellt, kommt sie als Ultima Ratio nur dann in Frage, wenn die notwendige Betreuung oder Behandlung einer betroffenen Person nicht anders erfolgen kann. Eine FU muss also verhältnismässig sein. Ob das bei deinem Vater schon genügend gegeben ist, würde die zuständige KESB beurteilen bzw. gibt es auch den ärztlichen FU. Dort läuft das Verfahren über einen Arzt.
 
Ob eine Zwangsmassnahme die gewünschte Veränderung bewirkt ist nicht sicher. Eine Zwangsmassnahme wird von den Betroffenen kaum je positiv beurteilt – was ja nachvollziehbar ist – kann aber ein Start in eine Veränderung darstellen. Als nächsten konkreten Schritt müsstest du dich also an die zuständige KESB wenden.
Ich hoffe, dass es mit deinem Vater eine gute Lösung gibt und er sich nicht ganz aufgibt.
 
Liebe Grüsse
Mike 
Weitere Infos findest du hier:
https://www.sg.ch/home/gesundheit/formulare_merkblaetter/fu—fuersorgerische-unterbringung/_jcr_content/Par/downloadlist/DownloadListPar/download_1.ocFile/FU_Merkblatt_2014.pdf
http://www.jgk.be.ch/jgk/de/index/kindes_erwachsenenschutz/erwachsenenschutz/fuersorgerische_unterbringung.html
https://www.kesb-zh.ch/f%C3%BCrsorgerische-unterbringung
 

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