meine ersten schritte

Alcorisk – Das Online-Forummeine ersten schritte
Anonym asked 8 Jahren ago

Hallo

Ich schreibe hier, weil ich hoffe, damit aus meiner eigenen Warteschleife rauszukommen. Seit ich denken kann, habe ich Probleme nicht gelöst, sondern bloss ein wenig angestupst und abgewartet, dass etwas geschieht. So auch mit meinem aktuellen, etwa elf Jahre alten Problem; mein Partner trinkt.

Er hat immer wieder trockene Phasen, immer zur letzten Sekunde schafft er’s. Entweder kurz bevor ich mit unserem Sohn (9) abhaue (davor hat er Angst, aber ich kann ihn ja nicht bei ihm lassen wenn er säuft), kurz bevor ich die Polizei rufe oder bevor ich mich überwinden kann, ein bisschen von seinem Antabus in seine Flasche Weisswein zu kippen. Ja, ich weiss, ich bin selbst schockiert. Manchmal weiss ich einfach nicht mehr weiter.

Es ist auch einerlei, was ich mache – ob ich ein paar Tage den Haushalt schleifen lasse oder alles auf Hochglanz geputzt habe – ich bin daran schuld, dass er trinkt, weil ich „faul“ bin und es mir „nichts ausmacht, im Dreck zu leben“ und dass ich sein Leben zerstört habe. Dazu muss ich noch sagen, dass ich ebenso wie er einen Job habe und trotzdem fast die ganze Hausarbeit erledige, wenn auch nicht perfekt. Da meine Mutter mir ähnliches auch seit ich 14 war vorgeworfen hat (auch im besoffenen Zustand, auch ihr Leben zerstört) und ich ihr das lange genug geglaubt habe, prallt solche Kritik an mir ab – was er mir auch immer vorhält. Vielleicht hat er damit auch Recht. Nur ist es einfach so, dass ich an ihm niemals rumnörgle und er an mir ständig. Dabei kann ich vieles an ihm nicht leiden, aber an einen Traumprinzen glaube ich nicht und Toleranz gehört zu den meisten Beziehungen einfach dazu. Und von betrunkenen Menschen lasse ich mir nichts mehr sagen.

Eben gerade hat er sich wieder in den Schlaf gepredigt über meine Unzulänglichkeiten. Dauerte heute zum Glück nicht lange, weshalb ich noch die Kraft habe für dies hier und dafür, unseren Sohn bei einer Kindergruppe für Kinder aus alkoholbelasteten Familien anzumelden. Üblicherweise überlege ich mir endlos alle Lösungsvarianten, bis er sich wieder fängt und keine Dringlichkeit mehr besteht.
Ich hätte mittlerweile auch bei normalem Zustand keine Probleme, ihn zu verlassen, aber er hat so extrem das Gefühl, dass ich ihm unseren Sohn vorenthalten werde, dass ich es sein lasse. Ich brauche ihn überhaupt nicht, aber ich mag ihn grundsätzlich, sodass es mir auch nicht schwerfällt zu bleiben. Wenn er trocken ist. Aber gut ist das bestimmt nicht, wir wären ja beide noch jung genug für eine erfülltere Beziehung. Ich selbst habe gar kein Bedürfnis mehr danach – vielleicht bin ich schon innerlich tot. Weine auch nur noch selten. Jetzt gerade aber schon. Und jedesmal, wenn ich über meine Probleme reden will/muss. Mit Freunden (selten geworden durch meinen Rückzug) rede ich nicht darüber, um ihn zu schützen. Beim Hausarzt blocke ich solche Gespräche ab, da mir nach 5 Sekunden die Tränen kommen und ich sie stundenlang nicht mehr stoppen kann. Nein, bin wohl doch nicht tot. Vielleicht einfach zu genügsam geworden und dadurch verkümmert.
Trotzdem würde es mir nie in den Sinn kommen, ihm vorzuwerfen, er hätte mein Leben zerstört, dafür bin ich schon selbst verantwortlich.

Immer noch gleich ratlos – helfen? abhauen? ertragen? selbsthilfegruppe? – drücke ich jetzt auf «Senden». Tut ja nicht weh.

Antje antwortete vor 8 Jahren

Hallo
Schön, dass du dich hier gemeldet hast. Mit deinem Schreiben machst du den ersten Schritt aus der „Ab-Warte-Schleife“. Du kannst selbst etwas tun, hast es in der Hand, dass du etwas in deinem Leben verändern kannst. (Ich finde es übrigens auch ganz toll, dass du deinen Sohn in der Kindergruppe angemeldet hast!).
Du beschreibst ein paar ganz typische Verhaltensweisen und Gefühle von Angehörigen von Alkoholkranken (z.B. Schuldgefühle, die der Betroffene einem macht, Rückzug von Freunden, immer wieder Hoffnung auf Besserung, dann wieder Enttäuschung, Verzweiflung, Resignation…).
Ich möchte dir ganz fest Mut machen, dich nicht weiter von seinem Trinken und seinen „Launen“ bestimmen zu lassen, sondern vielmehr darauf zu achten, was dich innerlich lebendig (nicht tot!) macht. Wo, wie, mit wem kannst du leben, damit du dich lebendig fühlst?
Empfehlen kann ich dir auch das Angebot von Suchtberatungsstellen für Angehörige, wo du Unterstützung für deinen Weg bekommen kannst.

silvia 01 antwortete vor 8 Jahren

hallo,

als ich deinen text eben gelesen habe wurde ich richtig wütend… in meinen augen vergeudest du dein leben und das deines sohnes… und leider ist das sehr typisch für angehörige eines alkis… verstehe mich bitte nicht verkehrt… ich gehöre zu den alkis… bin aber seit über 10 jahren trocken und habe seit dem viel dazu gelernt. z.b. was ich meinen kindern mit meiner sucht angetan habe. ich habe sie dazu gebracht sich schuldig zu fühlen, mich zu „decken“, für mich zu lügen… das ist kein leben für ein kind und schon gar kein gutes vorbild.
auch ich komme aus einem alkihaushalt… meine eltern haben beide getrunken und im nach hinein wäre ich froh gewesen wenn mich da jemand raus geholt hätte… mich beschützt hätte… aber alle haben nur weg gesehen.
ich wünsche dir das du die kraft findest etwas zu tun… für dein kind… aber auch für dich
ach ja… und süchtige sind meistens nicht in der lage die „schuld“ bei sich zu suchen… würden sie das tun müssten sie ja was ändern… oder auch nicht.

Hoffnungsvoll antwortete vor 8 Jahren

Ja auch ich gehöre zu denen die immer wieder gehofft haben es wird besser. Er muss doch zur Einsicht kommen.
Wahrscheinlich müssen alkoholabhängige viele Schritte gehen, bis sie selber kapieren, dass sie krank sind und das
sie Hilfe brauchen. Mein Mann hat Suchtberatung, Versuch kontrolliertes Trinken, Antabustheraphie hinter sich alles hatihn immer ein Stückchen mehr gezeigt, dass er wirklich ein Alkoholproblem hat. Jetzt ist er seit vier Wochen in stationärer Theraphie. Es waren viele Jahre bis er wirklich zur Einsicht kam. Aber ich denke all dass brauchte es bei ihm bis es „klick“ machte. Betreffend schuldig fühlen. Wir haben unseren Kindern immer klar vermittelt, dass sie
nicht daran Schuld sind, wenn Papa trinkt und dass schlussendlich jeder selber für sein Leben verantwortlich ist.
Wir haben ihm aber immer klar gesagt, so wollen wir Dich nicht bei uns am Tisch etc. und er hat das auch akzeptiert und uns beschuldigt, dass er trinkt hat er auch nicht.
So jetzt wünsche ich Dir viel Kraft.

nochmal ich antwortete vor 7 Jahren

Ist schon etwas lange her. trotzdem will ich mich für eure Aufmerksamkeit bedanken.

Danke.

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