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Alcorisk – Das Online-ForumKategorie: Fragen von Betroffenenmutter-depressiv-und-alkoholkrank
FragevonBetroffener asked 3 Wochen ago

Hallo zusammen Mein Bruder und ich sorgen uns seit unserer Kindheit sehr um unsere Mutter. Vor 15 Jahren liessen sich meine Eltern scheiden (ich damals 15, mein Bruder 23) – die Beziehung vor der Scheidung war für meine Mutter sowie für uns Kinder horror. Mein Vater war regelmässig gegenüber meiner Mutter gewalttätig, so dass sie sich mehrmals ärztlich behandeln lassen musste. Wir Kinder, vor allem ich, da ich noch zu Hause wohnte, haben alles mitbekommen und habe meine Mutter schon mehrmals vor meinem Vater zu retten versucht. Ich nehme an, um das alles \\“zu verarbeiten\\“ griff meine Mutter regelmässig zum Wein. Heutzutage (so viel wir wissen) trinkt sie jeden Abend sicher ein Glas Wein – unserer Meinung nach, hat sie definitiv ein Alkoholproblem. Für sie die Ausrede, dass sie ohne Wein nicht schlafen kann. Wir denken, dass sie immer noch nicht über das Geschehene, die Gewalttätigkeit, Scheidung etc… hinweg gekommen ist obwohl sie einige halbherzige Therapieversuche hinter sich hat. Mein Bruder und ich haben schon viele viele Gesprächsversuche hinter uns – sie streitet ab oder lügt uns an. Wir haben sie schon einige Male mit einem blauen Auge vorgefunden, da sie wohl wegen dem Wein stolperte und fiel. Wir sind langsam aber sicher am Ende mit unseren Kräften und wissen nicht mehr weiter. Wir sind soweit, dass wir sie am liebsten in eine Klinik einweisen möchten, da wir so nichts mehr mit ihr zu tun haben möchten und es uns in unserem Leben extrem belastet und mit der Situation leben – was passiert wohl als Nächstes? Vor allem haben wir auch Angst, dass wir sie mal bewusstlos in der Wohnung auffinden. Sie versteht uns und unsere Sichtweise einfach nicht und hat in ihren Augen alles \\“im Griff\\“… Haben Sie uns einen Tipp, wie wir vorgehen könnten? Herzlichen Dank!  

1 Answers
Mike Mitarbeiter answered 2 Wochen ago

Hallo FragevonBetroffener 
vielen Dank für deinen Beitrag. Ich kann mir gut vorstellen, dass eure Mutter – genauso wie ihr – einen Weg gesucht hat um irgendwie mit dieser sehr belastenden Geschichte abzuschliessen bzw. diese zu verarbeiten versucht. Welcher Weg hier der richtige ist, ist von Mensch zu Mensch verschieden, aber oftmals wird in solch einer Situation zu Alkohol gegriffen, da er kurzfristig „hilft“.
Mittel- und langfristig sieht das natürlich ganz anders aus, aber für einen kurzen Moment bietet er Linderung an. Aus diesem Versuch, mittels Alkohol, mit diesen schlimmen Erlebnissen leben zu lernen, entwickelt sich dann leider häufig eine Abhängigkeit. Das vermeintliche „Hilfsmittel“ wird dann selbst zu einer Quelle für (weitere) schlechte Erlebnisse (Stürze, Scham, körperliche Schädigungen, …).
Der/die Betroffene sieht das natürlich ganz anders und will sich da auch nicht helfen lassen, da er/sie ja kein Problem hat. Genau hier liegt wohl auch der schwierigste Punkt in der aktuellen Situation. Wer keine Hilfe annehmen will, wer davon überzeugt ist, keine Unterstützung zu brauchen, den kann man nicht zu seinem Glück zwingen. Eine (zwangsweise) Einweisung in eine Klinik ist nur bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung via FU (fürsorgerische Unterbringung) möglich. Ob dies bei eurer Mutter schon gegeben ist, kann ich nicht beurteilen.
 
Offensichtlich will oder kann sie sich ihrer bzw. eurer Vergangenheit (noch) nicht stellen. Ich finde es gut, dass ihr sie immer wieder darauf ansprecht, aber gleichzeitig seid ihr ja auch Teil der Geschichte und vielleicht hat sie euch gegenüber auch Schuldgefühle, da sie euch nicht beschützen konnte. Vielleicht ist es zielführender, wenn ihr sie auf eure Ängste und Befürchtungen (Stürze, Verletzungen, Abhängigkeit, …) ansprecht ohne eine konkrete Reaktion von ihr zu erwarten.
 
Ich weiss, dass das Aushalten der schwierigste Teil ist, aber wie gesagt, wer sich nicht helfen lassen will, den kann man nicht dazu zwingen. Wenn ihr noch mehr Infos oder mögliche Strategien bekommen wollt, so meldet euch doch auf einer Beratungsstelle. Wir beraten und unterstützen auch die Angehörigen und nicht nur die Abhängigen.
 
Liebe Grüsse
Mike

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