Quartalstrinker

Vera asked 4 Wochen ago

Guten Tag.
Ich bin eine Beziehung mit einem Mann eingegangen der von sich selber sagt er sei ein Quartalstrinker habe seine Problematik aber im Griff. Ebenfalls hat er mir erzählt, dass er schon einmal 7 Jahre Problemfrei gewesen sei und er die Fähigkeit habe sich selber mental so zu beeinflussen das ihm das wieder gelinge. Letztes Wochenende ist er „abgestürzt“ und ich habe erfahren was genau das bedeutet. Zusätzlich zum Alkohol hat er noch Temesta eingenommen. Er hat gesagt er wolle einfach nur „bewusstlos“ sein das er keine Schmerzen und damit meinte er, so sagte er, seelische wie körperliche, verspüren müsse. Der Mann hat, laut seinen Erzählungen eine mehrfach traumatisierende Kindheit mit Missbrauch und Verdingkind Dasein hinter sich. Aktuell plagen ihn Tinitus, das Älterwerden, Prostataprobleme, grauer Star usw. Für mich sind das alles keine Gründe ihn nicht lieb zu haben und mit ihm zusammen sein zu wollen. Das hat auch ca 3 Monate wunderbar geklappt. Wir haben viele Dinge zusammen gemacht und es war, so sagt er, für ihn, und so sage ich, für mich eine schöne bereichernde Zeit. Nun ist es zu diesem Absturz gekommen und ich habe einen dem Alkohol und den Tabletten komplett hilflos und ohnmächtig gegenüberstehenden, ja ausgelieferten und dazu noch lebensmüden Menschen kennen gelernt. Ich war dann auch mit ihm auf der Notfallstation. Hat nichts geholfen und Einsicht sich helfen zu lassen war da auch keine. Seine Tochter hat mir erzählt er finde selber wieder „heraus“. Ich bezweifle das er das aus eigener Kraft schafft. Da eben diese Lebensmüdigkeit noch dazu da ist. Aber ich bin gerne bereit an ein „Wunder“ zu glauben. Ich möchte gerne die Beziehung beibehalten und er möchte das auch. Hat er jedenfalls vor seinem Absturz gesagt. Wie verhalte ich mich? Wir wohnen zusammen.

1 Answers
Mike Mitarbeiter answered 4 Wochen ago

Hallo Vera
 
Herzlich willkommen hier bei alcorisk. Beim mehrmaligen Durchlesen deines Beitrages, habe ich den Eindruck bekommen, dass du im Prinzip zwei ganz unterschiedliche Menschen beschreibst.
 
Da ist einerseits der selbstdeklarierte «Quartalsstrinker», der meint – wenn er denn will – seine Alkoholabhängigkeit im Griff hat, der meint stark genug zu sein um damit konstruktiv umgehen zu können und der keine Hilfe braucht.
Andererseits ist da der lebensmüde Mensch, der sich ganz gezielt «abschiesst», nichts mehr fühlen will und sich einen potentiell tödlichen Cocktail aus Alkohol und einem starken Psychopharmakon «gönnt». Das war aus meiner Sicht kein Absturz, sondern ein Selbstmordversuch!
Die Wahrheit wird wohl sein, dass er beide Seiten in sich trägt und aktuell wohl die lebensmüde Seite die Überhand hat.
Das alles sagt nichts über ihn als Person aus und wie du ja sagst, hast du ihn lieb und willst die Beziehung aufrechterhalten. Da er sich aber offensichtlich nicht helfen lassen will und wohl immer noch davon ausgeht, dass er aus eigener Kraft alles wieder geradebiegen kann, bleibt dir quasi nur die Rolle der «Begleiterin». Er wird die Richtung und das Tempo vorgeben und du musst für dich entscheiden, ob das eine tragfähige Basis für eine Weiterführung der Beziehung ist.
 
Aus meiner Sicht musst du für dich klären, wie du dir eine Beziehung mit ihm vorstellst und dann beurteilen, ob das überhaupt noch möglich ist. Ich wünsche mir, dass seine Tochter recht hat und er selber wieder herausfindet, aber du musst dich auch damit auseinandersetzen, dass es jederzeit wieder zu einem solchen Selbstmordversuch kommen kann.
 
Liebe Grüsse
Mike
 


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