Sich Mut antrinken

Lara asked 4 Monaten ago

Seit etwa zwei Jahren habe fast jeden Tag Alkohol. Und zwar mehrheitlich Vodka. Ich trinke jedoch nicht Alkohol weil ich es mag, sondern um selbstsicherer zu wirken. Es gab vor Jahren mal eine Situation wo wir ein Apéro im Büro hatten. Als der Moment kam, wo wir alle anstiessen, habe ich wohl wie eine Art Panikattacke gehabt. D.h. ich bekam Herzrasen und meine Hände haben zu zittern begonnen und am liebsten wollte ich einfach nur weg. Was natürlich dazu führte, das die Leute darauf aufmerksam wurden und ich am liebsten im Erdboden versinken wollte, weil es mir so peinlich war. Seither habe ich immer etwas Alkohol bei mir, damit ich etwas vor dem Apéro trinken kann, damit ich ruhig und gelassen mit den anderen anstossen kann. Es ist keine grosse Menge die ich vorher trinke, nur gerade soviel, das in mir drin ruhe einkehrt. Am Apéro selber trinke ich dann max. mein Glas, weil ich ja nicht betrunken sein will.
Ich bin vom Charakter her eher eine schüchterne Frau. Viele würden mich zwar als recht kommunikativ bezeichnen, was ich durchaus auch bin, aber in mir drin sieht es oft anders aus, d.h. manche Gesellschaftliche Situationen bewältige ich nicht absolut ungezwungen. Nun ist es mit dem trinken jetzt soweit, das ich zuhause immer eine Flasche Vodka habe. Da schütte ich auch schon mal etwas in eine PET Flasche und nehme es mit, wenn ich weiss das mich „bevorstehende“ Situationen stressen/verunsichern könnten oder diese vielleicht nicht souverän meistern kann. Dann nehme ich 3,4,5 Schlucke und manchmal auch ein 2x oder ein 3x mal. Bis ich das Gefühl habe, ruhig zu sein und sogar diese Situation „geniessen“ kann, als wäre dies das natürlichste der Welt. Das können manchmal ganz banale Dinge sein, z.b. gehe ich einkaufen und fühle mich grundsätzlich etwas nervös (was aber mit dem einkaufen nichts zu tun hat) dann trinke ich etwas. Sogar wenn ich mich mit meinem Partner treffe (wir wohnen nicht zusammen), trinke ich öfters etwas. Warum weiss ich nicht genau, dieses wohlige Gefühl zu haben vermutlich, einen guten und tollen Eindruck bei ihm zu hinterlassen vielleicht. Ich glaube bei mir kann man schon sagen „sich Mut antrinken“… mögen Situationen noch so banal sein. Bis jetzt hatte ich noch nicht den Mut, einfach „mich selbst“ zu sein und alltägliche Dinge zu meistern ohne etwas trinken zu müssen. Es ist ja auch nicht bei allem so, es kommt und geht. So kann aber u.U. schon eine ganze Flasche Vodka gelehrt werden pro Woche. Daneben trinke ich kaum bis gar kein Alkohol, ausser man ist eingeladen z.b., aber wie gesagt, da trinke ich nicht sehr viel.
Kennt das jemand? Wie kann ich damit aufhören?

1 Answers
Kathrin Mitarbeiter answered 4 Monaten ago

Liebe Lara
Danke für Ihre Anfrage. Was Sie beschreiben, kennen recht viele Menschen. Es fängt ganz harmlos an: man macht einmal die Erfahrung, dass ein bisschen Alkohol einem die Nervosität vor einer Situation nimmt, einem gelöster macht. Das nächste Mal macht man es wieder, probiert es vielleicht auch noch in einer anderen Situation aus. Wie Sie selber schreiben: es geht dabei nicht um Genuss, sondern der Alkohol hat eine Funktion bekommen, er beruhigt, macht geselliger, selbstsicherer. Die Gefahr besteht, dass sich daraus schleichend eine Abhängigkeit entwickelt, und es irgendwann nicht mehr „ohne“ geht.
Sie fragen, wie Sie damit aufhören können. Ich würde am ehesten da ansetzen, wo diese Art von Konsum angefangen hat: bei Ihrem Unwohlsein in sozialen Situationen. Sie beschreiben diese „Panikattacke“ vor dem Apéro oder auch eine gewisse Nervosität vor dem Einkaufen – dort sind ja auch viele Leute. Ich würde Ihnen empfehlen, diesbezüglich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, auch wenn das Ausmass noch nicht sehr gross erscheint. Sonst sehe ich die Gefahr, dass Sie immer mehr in eine Spirale von Unwohlsein/Angst/Alkoholkonsum geraten. Irgendwann wird der „Problemlöser“ Alkohol selber zum Problem. Eine Möglichkeit ist, eine Suchtberatungsstelle aufzusuchen, dort würde es darum gehen, für die typischen Trinksituationen alternative Handlungsstrategien zu entwickeln, um damit umzugehen. Die andere Möglichkeit ist, psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen um Ihren Ängsten auf den Grund zu gehen. Auch hier werden Möglichkeiten zu entwickelt, mit unangenehmen Situationen einen Umgang zu finden.
Ich hoffe, diese Antwort hilft Ihnen weiter. Sonst dürfen Sie sich gerne wieder melden.
Alles Gute!
Kathrin


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