Überfordert mit der Betreuung meines alkoholkranken Vaters

Alcorisk – Das Online-ForumKategorie: Selbsthilfe / GesprächsgruppenÜberfordert mit der Betreuung meines alkoholkranken Vaters
Sandy asked 3 Wochen ago

Hallo.
Ich muss ein bisschen ausholen für meine Frage.
Mein Vater, 66 jahre alt, seit ca.25 Jahren Alkoholiker, lebt seit März 2017 in einem Pflegeheim. Er lebte zuvor ein Jahr allein in einem Haus, da meine Mutter plötzlich und unerwartet verstarb. Die erste Zeit ging es einigermaßen gut mit ihm. Ich war jede Woche zu Besuch , nach dem rechten schauen, einkaufen…und telefonierte auch 2-3 mal die Woche mit ihm (Ich wohne ca 30 km weg, bin voll berufstätig und hab selbst Familie mit zwei fast erwachsenen Kindern). Im Februar 2018 rief ich ihn an, da er nicht abnahm, fuhr ich hin und fand ihn inmitten von 3 vollgekoteten Hosen, die um ihn herum lagen, sowie 2 leeren Schnapsflaschen, desorientiert und nicht ansprechbar auf dem Sofa. Ich rief den Rettungsdienst, Vater kam ins Krankenhaus. Er machte dort einen körperlichen Entzug.Ab da machte er in die Windeln und lebte irgendwo in der Vergangengeit.Aufgrund dessen habe ich ihn auf Anbraten der dortigen Sozialarbeiterin in einer Kurzzeitpflege und anschließend in einen Pflegeheim untergebracht, welches auch Alkoholiker aufnimmt. Dort bekam er keinen Alkohol und ist seit dieser Zeit ( ca.1 1/2 Jahr) trocken. Er hat sich wider Erwarten sehr gut erholt, macht alles wieder selbständig, er ist geistig wieder im hier und jetzt und merkt sich alles wieder, macht nicht mehr in die Hose.Nur das Verlangen nach Alkohol ist dennoch da, das lässt er bei meinen Besuchen immer mal wieder durchblitzen. Nun hat mich das Heim darauf angesprochen, dass er sich nicht mehr wohlfühle zwischen den älteren, dementen Menschen, und raten mir, Vater in ein betreutes Wohnen zu geben. Ich hab Vater drauf angesprochen, aber da er sowieso mißtrauisch ist hat er gleich protestiert, er wölle nach Hause und sonst nirgendwohin.Meine große Angst ist, dass er da (im betreuten Wohnen und zu Hause) wieder zu trinken anfängt und das Spiel beginnt von vorn. Mich belastet die Situation zunehmend,mein Beruf (Erzieherin im Kindergarten) und meine Ehe leiden, weil ich nur noch ein Nervenbündel bin, gereizt, und in Gedanken nur bei meinem Vater und wie die Zukunft wird. Was soll ich tun? Ich weiß einfach nicht mehr weiter, hab keine Kraft mehr, und niemanden, der mir helfen kann.Ich möchte das Amt der Betreuung so gern abgeben.Ich bin verzweifelt.
Vielleicht können Sie mir einen Rat geben. Ich hab solche Angst vor dem, was kommt!
Vielen Dank.

Liebe Grüße Sandy

Kathrin Mitarbeiter antwortete vor 3 Wochen

Liebe Sandy, danke für Ihre Anfrage. Ihre Sorge, dass alles wieder von vorne beginnt, ist sehr gut nachvollziehbar. Vor allem auch, weil Ihr Vater den Wunsch zu trinken äussert. Ausserdem scheint bei ihm kaum Einsicht vorhanden, wie gross die Gefahr ist, dass ihm sein Leben wieder entgleitet. Auf der anderen Seite ist er mit 66 noch relativ jung für ein Pflegeheim, zumal es ihm jetzt wieder gut geht. Aus dem Kontext vermute ich, dass Sie aus Deutschland schreiben (stimmt das?), von daher weiss ich nicht, ob das, was ich Ihnen jetzt empfehle, überhaupt möglich sein wird: in der Schweiz werden für Personen, die sich nicht mehr vollumfänglich um ihre Belange kümmern können, eine Beistandschaft errichtet. Wenn dies nicht von Amtes wegen geschieht, gibt es die sogenannte freiwillige Beistandschaft. Das ist jemand vom Sozialdienst, der regelmässig Kontakt mit der betroffenen Person hat und sie bei administrativen Belangen und sonstigen Fragen unterstützt. Auf der anderen Seite hat der Beistand / die Beiständin auch die Möglichkeit, geeignete Lösungen zu organisieren, wenn die betroffene Person zu gefährdet ist, um alleine zu leben. Ich würde noch einmal mit Hilfe der Fachpersonen von der Pflegeeinrichtung versuchen, Ihren Vater zu überzeugen, dass er in ein begleitetes Wohnen geht. Vielleicht kann er sich auch mal eine solche Einrichtung anschauen gehen? Fall er partout nach Hause möchte, würde ich darauf bestehen, dass regelmässig jemand vorbei geht (bei uns in der Schweiz wäre das die Spitex – ambulante Pflege), oder dass er sich zumindest einen Beistand nimmt. Bestimmt kann Sie die zuständige Sozialarbeiterin beraten, was es alles für Massnahmen gibt.
Ich hoffe, diese Informationen helfen Ihnen weiter. Sie dürfen sich sonst sehr gerne nochmals melden! Alles Gute, Kathrin

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