unbewusstes trinken gefährdung der familie

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Anonym fragte vor 2 Jahren

Hallo, mein Vater ist schwer Krank und nimmt Medikamente die sich nicht mit Alkohol vertragen. Dennoch trinkt er mehr oder weniger heimlich. Sein Alkoholismus ist seit längerem ein offenes Geheimniss. Alle Versuche ihn davon abzubringen, sei es durch zureden oder kuren sind leider fehlgeschlagen. Krank ist er schlussendlich genau wegen seiner Sucht. Eigentlich gleicht seine Einnahme von Schnäpsen zusammen mit den Medikamenten einem Selbstmordversuch. Er braucht dringend Hilfe. Und wir auch, den die psychische Belastung ist viel zu gross für meine Mutter und für mich auch. Es gelingt mir beinahe nicht mehr aufmunternd oder nett zu sein und die Kehrseite wäre das ich all diese Wut die sich aufgestaut hat auch rauslasse. Davor habe ich aber auch grossen Respekt, denn ich neige zum Jähzorn mit Gewaltausbrüchen und habe wiederum Angst selbst eine Dummheit zu begehen. Kurz ich halte es nicht aus! Meine Mutter kann es auch nicht aushalten und ist nervlich total überspannt. Auch um sie mache ich mir grosse Sorgen. Irgendjemand muss die Verhälttnisse klarstellen. Leider hat ihn scheinbar keiner der Ärzte darauf hingewiesen wie sehr er seine Nächsten damit belastet, oder aber es ist ihm egal. Wie auch immer, er lügt die Ärzte so oder so an denn er erzählt diesen er trinke kein Alkohol mehr. Er ist wirklich völlig ohne Selbstkontrolle in dieser Beziehung, denn so bald er durch all die Führsorge wieder eingermassen auf dem Damm ist, fängt er wieder an zu Saufen. Das geht schon über 10 Jahre so. In der ganzen Familie wird es heruntergespielt, mit Rücksicht auf den armen Vater. Aber wir die ihm am nächsten sind müssen das alles ertragen. Was können wir tun? Gibt es irgendjemand der mit ihm reden kann?
Es ist alles so elendiglich schwierig.

Michael (Berater) antwortete vor 2 Jahren

Guten Tag
Herzlichen Dank für Deinen Beitrag. Du (und die ganze Familie) habt wirklich keine einfache Situation und als erstes möchte ich auf Deine Frage “Was können wir tun?” eingehen:
In dem Du hier einen Eintrag machst, zeigst Du ja bereits, dass Dich die Situation stark beschäftigt und dass Du aktiv sein willst, um sie in eine etwas positivere Richtung zu lenken, was ich toll finde. Du scheinst ja auch schon allerhand erlebt zu haben in dieser offenbar schwierigen Familiensituation und ich finde es schön, dass es Dir nach all den Jahren nicht alles egal ist und Du Dir um alle Beteiligten Sorgen machst.

Ich denke, es ist wichtig, dass Du in erster Linie gut zu Dir selbst schaust und Dir entsprechend Hilfe holst (vielleicht hast Du ja schon einiges versucht?). Damit meine ich, dass Du selbst jemanden hast, mit dem Du Dich in einem vertrauten Rahmen über die belastenden Gefühle/Situationen austauschen und mögliche Strategien entwickeln kannst. Dies kann eine gute Freundin/ein guter Freund sein oder auch professionelle psychologische Hilfe von aussen, je nachdem was Du brauchst und was Dir nützlich scheint.
Eine Möglichkeit wäre auch, einmal in der Familie zusammen zu sitzen und dass jeder sagt, was für ihn das Mindeste ist, was er von den jeweils Anderen erwartet (fürs Zusammenleben) und konkrete Schritte in diese Richtung gemeinsam zu planen und zu schriftlich zu vereinbaren, damit für alle die Situation wieder etwas angenehmer und erträglicher wird.

“Irgend jemand muss die Verhältnisse klar stellen”…ich verstehe diesen Wunsch gut, besonders in einer so belastenden Situation in der eigenen Familie. Trotzdem finde ich es wichtig, dass jede/jeder zuerst für sich eigenverantwortlich prüft, was sie/er bereit ist zu tun (an Unterstützung anbieten, selbst für sich Hilfe holen, etc.) und was sie/er braucht und wie sie/er sich selbst am besten schützen und von der alkoholisierten Person abgrenzen kann. Dein Vater müsste erneut selbst eine zumindest kleine Motivation entwickeln, etwas ändern zu wollen, weil sonst alle Therapieversuche wohl nicht viel bringen. Er ist ja offensichtlich auf euch angewiesen, was bei Dir und Deiner Mutter zu einer grossen Belastung führt. Ich denke, dass man ihm das (nochmals?) bewusst machen sollte. Eine offene Frage ist für mich, ob man allenfalls den Alkohol aus dem Hause verbannen könnte, dies wäre ev. bereits ein kleiner Schritt, damit er künftig weniger trinkt, weil er dadurch mehr Aufwand hat, um “an den Stoff” zu kommen – dies müsste jedoch gemeinsam besprochen und vereinbart werden!

“Alle Versuche sind fehlgeschlagen” – ich denke, es ist typisch bei einer Alkoholsucht, dass es mehrere Anläufe/Versuche über einen längeren Zeitraum benötigt und einen gewissen “Druck von aussen”, um etwas an der Situation nachhaltig zu ändern. Wenn man also dauernd nett ist und für alles Verständnis aufbringt, unterstützt dies die trinkende Person eher im Suchtverhalten. Da Dein Vater zudem schwer krank ist, wie Du schreibst, ist dies natürlich ein grosses Dilemma, weil man ihn ja auch unterstützen möchte! Ich empfehle Dir deshalb dringend, für den Umgang mit ihm mit einer Fachstelle/Beratungsstelle (z.B. Blaues Kreuz oder psychologische Beratungspraxis) Kontakt aufzunehmen und Dich beraten zu lassen. Falls es total “aus dem Ruder läuft” gibt es Kriseninterventionsstellen – am Besten ist es da, wenn Du Dich kurz mit dem Hausarzt/der Hausärztin oder dem Notfalldienst besprichst. Ansonsten hilft die Dargebotene Hand (Tel. 143 oder http://www.143.ch oder für Kinder/Jugendliche 147 und http://www.147.ch).

Dies ist alles, was ich Dir im Moment auf diesem Weg anbieten kann. Falls Du weitere Fragen hast, kannst Du Dich gerne nochmals melden. Nun wünsche ich Dir von Herzen weitere gelingende Schritte, damit Deine persönliche und die familiäre Situation wieder etwas besser werden.

Liebe Grüsse und eine schöne Weihnachtszeit,
Michael

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