Was kann ich tun? Ich bin hilflos meine Freundin trinkt

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Anonym asked 6 Jahren ago

Kurz zu mir:
Alter 47
GEschlecht: M
Beruf: Selbständig
Besonderes: Ich trinke nicht (Die Ausnahme bestätigt die Regel)

Vielleicht sollte ich mal kurz meine Situation erklären.
Meine Freundin trinkt. Sie trinkt nur heimlich, so dass es ja niemand merkt. Sie gibt sich da die grösste Mühe das es niemand merkt.
Sie trinkt Wodka. Da sie heimlich trinkt ist es schwierig zu sagen wieviel sie trinkt. Ich schätze ca 1/2-1 Flasche Wodka pro Tag.
Sie hat 3 Entzüge hinter sich. Seit 6 Monaten trinkt sie wieder, zurzeit kann sie sich die Abhängigkeit nicht mal selbst eingestehen.
Und seit 6 Monaten geht es steil bergab mit unserer Beziehung. Aus Vertrauen wurde Mistrauen, aus Ehrlichkeit Lügen, aus Zuneigung Gleichgültigkeit. Ich könnte die Liste beliebig lang ergänzen…..
Wir können auch nicht über Alkohol reden. Sie ist absolut nicht bereit dazu und verschliesst sich total.

Es ist so als ob es 2 Personen sind, die in ihr leben.
Wenn sie nicht trinkt ist sie der liebenswerteste Mensch den ich kenne! Zuverlässig, aufgestellt, lustig
Wenn sie trinkt gibt es kein Lachen, keine Zuneigung, keine tiefgründigen Gespräche. Einfach nichts als Alkohol

Trotzdem…..
Ich LIEBE diese Frau von ganzem Herzen

Aber ich bin auch total verzweifelt, ich muss irgendetwas tun. Ich weiss nur nicht was….
Klar, kann ich sie verlassen, nur das geht nicht. Ich liebe sie und wenn ich sie verlasse habe ich das Gefühl ich lasse sie in einer Extremsituation im Stich. Da fühle ich mich nur noch schlechter. Ich kann aber auch nicht bei ihr bleiben.
Nur so kann es nicht weiter gehen! Ich steh das nicht durch, ich will und ich kann es auch nicht.
Ich will ihr nichts verheimlichen, das tut sie schon!

Gibt es eine andere Alternative als sie zu verlassen?

Danke schon mal fürs Feedback

Freundliche Grüsse

Freddy

peter antwortete vor 6 Jahren

Lieber Freddy
Vielen Dank für Deinen Beitrag. Ich kann Deine Verzweiflung und Deinen Frust gut nachvollziehen. Menschen mit Suchtproblemen versuchen oft ihre Suchtmitteleinnahme zu verbergen oder zu verleugnen. Das Ansprechen auf die Suchtproblematik ist ein heikles Thema und wird von den Süchtigen oft heruntergespielt und/oder auf andere Ursachen abgewälzt. Zudem wird es als Vorwurf verstanden. Dieses Verhalten kann zu erheblichen Belastungen in der Beziehung führen. Ausserdem besteht ein grosser Unterschied einer Suchtkranken Person in nüchternem Zustand und in angetrunkenem Zustand (wie Du beschrieben hast, 2 Personen in Ihr), dass einem zu verschiedenen Reaktionsweisen zwingt. Dies kann besonders wütend und hilflos machen.
Wie gesagt, muss man als Betroffener eines Suchtkranken oft leiden und vieles einstecken. Weil Deine Partnerin im Moment nichts an Ihrem Verhalten ändern möchte, denke ich, dass es an der Zeit ist das Du Dir helfen lässt. Konkret meine ich damit, was kannst Du verändern damit es Dir wieder gut geht. Welche Veränderung das sein können, kann ich Dir nicht einfach so sagen, aber es ist wichtig, dass das Verhalten Deiner Freundin Konsequenzen hat. Alleine Veränderung herbeizuführen ist keine einfache Aufgabe, deshalb rate ich Dir professionelle Hilfe einzuschalten. Mit Hilfe eines Suchtberaters/Suchtberaterin (sind auch ausgebildet in der Beratung von Angehörigen/Freunden etc.) oder eines Psychologen/Psychologin kann Deine schwierige Situation (verletzten Gefühle, mit Enttäuschungen umgehen, Entscheidungen zu treffen, was gibt es sonst noch für Möglichkeiten ausser Deine Partnerin zu verlassen) angeschaut und für Dich eine stimmige Lösungen erarbeitet werden. Manchmal kann schon solch eine Handlung zu einem „wachrütteln“ der Suchtkranken Person führen!
Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft
Peter

Freddy antwortete vor 6 Jahren

Hallo Peter,

Vielen Dank für dein Feedback!
Ja, ich bin ganz deiner Meinung eine Veränderung ist notwendig. Wie das genau aussehen kann oder soll weiss ich auch nicht so genau, das einzige was ich mit Sicherheit weiss, dass es so nicht weitergeht!

Ja, ich brauche professionelle Hilfe, alleine werde ich das kaum schaffen können. Darum melde ich mich mal beim blauen Kreuz in der Hoffnung auf Unterstützung/ Hilfe. Und wenn eine Trennung die einzige Möglichkeit sein sollte, so werde ich das tun. Ich bin mir wichtig, es kann nicht sein dass es mir immer mies geht.

Ja, ich werde meine Freundin infomieren dass ich um professionelle Hilfe bitte. Ich möchte keine Geheimnisse vor Ihr haben, es reicht ja schon wenn wir nicht über Alkohol reden können. (Hmmm….über was können wir überhaupt noch reden??? )

Ja, ich sitze hier an der Tastatur und werde gerade übermannt von meinen Emotionen. Ich schäme mich nicht für meine Tränen. Warum ist das Meer salzig??? Es ist das Sammelbecken aller Tränen die je vergossen wurden!

Ja, ich liebe meine Freundin von ganzem Herzen. Darum ist es ja auch so schwierig.

Vielen, vielen Dank fürs Feedback

Freddy

3 Answers
Kiki answered 6 Monaten ago

Co-Abhängigkeit ist ein grausamer Zustand.Oft kommt Co-Abhängigkeit aus Angst vor der Konfrontation mit dem Trinkendem zustande.Angst vor Velust des trinkenden Partners und eventueller Veränderung der Lebensplanung.

betroffener answered 4 Monaten ago

was ist daraus geworden

Antje Mitarbeiter antwortete vor 4 Monaten

Hallo
Ja, „Co-Abhängigkeit“ zu erleben ist eine sehr schwierige Situation. Es kann einen hilflos, ohnmächtig, traurig, verzweifelt, einsam, kraftlos aber auch wütend machen. Aber: es gibt Wege, wie man diese Situation verändern kann!!! Als nahestende Person von einem Menschen, der ein Suchtproblem hat, kann ich anfangen, mir selbst Sorge zu tragen. Das bedeutet nicht, sich vom Betroffenen abzuwenden, sondern ihm die Verantwortung für sein Leben zurück zu geben! Man kann anfangen, bei sich selbst etwas zu verändern: z.B. sich wieder Zeit für sich selbst nehmen, Dinge machen, die einem Freude bereiten, eigene Freundschaften pflegen. Man kann mit dem anderen liebevoll verbunden bleiben und trotzdem / gleichzeitig gut auf sich selbst achten, eigene Grenzen und Bedürfnisse wahr- und ernst nehmen und sich von dem distanzieren, was einem nicht gut tut! Viele erleben es ausserdem hilfreich, sich Unterstützung zu holen!
Wenn man sich selbst verändert, verändert sich die Beziehung – und man leistet damit einen entscheidenden Beitrag, dass lähmende Beziehungsmuster aufbrechen können.

Mr. Unbekannt answered 1 Monat ago

Ich habe diesen Beitrag gefunden, weil ich auf google gesucht habe, bei mir ist ganz genau so, ich habe die tollste Frau der Welt, bis sie den ersten Schluck Alkohol am Tag zu sich nimmt. Verlustangst habe ich nicht, ich bin und war immer gern Single, aber ich liebe diese Frau von ganzem Herzen, aber sie lässt sich auch nicht annähernd helfen :\'( das macht mich persönlich traurig, vor allem weil ich weiß wie sie \“normal\“ ist. Die ganze Zeit waren es nur Beleidigungen, Abweisung, Schreien und Türen knallen, in den letzten Wochen kamen Schläge dazu und Tritte, das ist halt echt alles sehr heftig, sie weiß auch rein gar nichts mehr am nächsten Tag und ich weiß auch dass sie mich genau so viel liebt, wie ich sie. Es ist einfach so schwer, ich habe es ihr schon öfter geschrieben, dass es mir weh tut, wie sie dann zu mir ist, aber reden können wir darüber nie. Verlassen möchte ich sie auf gar keinen Fall, weil es mir noch mehr das Herz brechen würde, wenn es bei ihr noch heftiger wird, aber in den letzten 6 Monaten wurde das alles immer mehr und mehr und mehr. Ich weiß auch nicht mehr wie ich damit umgehen soll. Ich wollte es mir einfach mal von der Seele schreiben :-)

Kathrin Mitarbeiter antwortete vor 1 Monat

Lieber Mr. Unbekannt
Jeder und jede ist hier willkommen, sich etwas von der Seele zu schreiben. Als Mitarbeiterin von Alkorisk erlaube ich mir dennoch, Ihnen eine kurze Antwort zu geben. Sie schreiben, dass Sie eine tolle Frau haben und Sie einander sehr lieben. Sie haben auch den Mut gehabt, Ihr zu schreiben, wie schwer es für Sie ist, wenn sie in angetrunkenem Zustand von ihr beschimpft und in letzter Zeit sogar körperlich angegriffen werden. Zum einen kann ich verstehen, dass sich Ihre Partnerin schämt dafür, auf der anderen Seite frage ich mich, wie Sie dies einfach so stehen lassen kann. In Ihren Zeilen sehe lese ich nichts davon, dass Ihre Partnerin versucht, etwas zu verändern. Sie macht weiter und Sie dulden es. Wie schlimm muss es noch werden, bis Sie es nicht mehr aushalten? Ich möchte Ihnen Mut machen, Ihre Partnerin – wenn sie nüchtern ist! – nochmals darauf anzusprechen, wie es Ihnen jeweils geht, wenn Sie im angetrunkenen Zustand gewalttätig wird. Sie dürfen durchaus von ihr fordern, dass sie professionelle Hilfe annimmt. Falls sie dazu nicht bereit ist, rate ich Ihnen dringend, sich selber Unterstützung zu holen auf einer Suchtberatungsstelle. Die Mitarbeitenden dort haben viel Erfahrung in der Begleitung und Stärkung von Angehörigen.
Alles Gute!

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