Was soll ich tun?

Nadine fragte vor 11 Monaten

Hallo
ich bin verzweifelt….Mein Vater (61, verwitwet) wurde Ende 2015 ins Spital eingeliefert. Blutvergiftung….er war 3 Monate auf der Intensiv und konnte dann wieder nach Hause. Die Ärztin im Spital fragte mich, ob er evtl ein Alkoholproblem hat. Dies konnte ich nicht beantworten, da ich nicht mehr mit ihm zusammen wohne und ihn nur 1 bis 2mal pro Monat sehe. Als er noch im Spital war, habe ich bei ihm zu Hause aufgeräumt und versch. Schränke gefunden wo leere Flaschen gebunkert waren (hochproz. Sachen). Als ich ihn darauf ansprach, meinte er nur dass diese schon älter sind und er noch nicht zum entsorgen kam. Naja…
Dieses Jahr im Okt wurde es wieder ins Spital eingeliefert (Blutungen im Kopf und eine Lungenentzündung). Er war so stark krank, dass die Ärzte uns keine grossen Hoffungen mehr machen konnten. Seine Lunde wurde für ca 2 Wochen von einem ECMO ersetzt.
Nach 1 Monat auf der Intensiv konnte er dann auf die Pneumologie und danach in die REHA. Die Rehe dauert jetzt noch eine Woche und es gibt ihm sehr gut.
Gestern war ich mit meinem Mann bei ihm zu Besuch. Alles war super. Doch dann hat mein Vater erzählt, dass er eine Zigarette geraucht hat und ein Bier getrunken hat (mein Bruder war dabei). Anscheinend hat ihm das Bier nicht geschmeckt und er hat es sein lassen nach zwei Schlucken.
Ich begreiffe das einfach nicht! Da ist man schon in einer Reha, weil man fast gestorben ist und jetzt raucht man schon wieder und trinkt Bier??!!!! Ich weiss echt nicht was ich zun soll. :/ Wenn ich ihn darauf anspreche ist alles nicht so schlimm. Sei ja nur ein Bier  blablabla. Ich hatte schon x mal Streit mit meinem Mann wegen diesem Thema. Könnt ihr mir sagen wie ich vorgehen soll? In einer Woche kommt er nach Hause und ich will ihn nicht andauernd kontrollieren müssen oder ihm einen Babysitter stellen damit er nicht trinkt oder raucht….

5 Antworten
Mike (Berater) Mitarbeiter antwortete vor 11 Monaten

Hallo Nadine
danke für deinen Beitrag. Wenn ich das so lese, bin ich mir nicht sicher, ob sich dein Vater in einem grenzenlosen Optimismus quasi für „unverwundbar“ hält – im Sinne von „Alkohol und Rauchen sind zwar nicht gesund, aber mir wird schon nichts passieren“ – oder ob er irgendwie Sinn und Ziel seines Lebens verloren hat und deshalb „eh alles egal ist“. 
Wie du ja klar schreibst, macht sein Verhalten auch etwas mit dir (Verzweiflung, Unverständnis,…) und genau diese Gefühle, diese Angst, diese Sorgen und Befürchtungen würde ich deinem Vater mitteilen. Es geht nicht darum über die Menge zu streiten („Sei ja nur ein Bier  blablabla.“), sondern ihm klar zu sagen, was diese Situation für dich bedeutet. Dies in der Hoffnung, dass er merkt, dass sein Verhalten nicht nur ihn betrifft.
Ein weiters Thema könnten dann auch seine Ziele sein. Arbeitet er noch/wieder? Was möchte er noch erreichen, erleben, sehen in seinem Leben? Ohne Ziele werden wir orientierungslos und da ist Alkohol immer eine „willkommene Alternative“. Er füllt Zeit und gibt  – für kurze Zeit – ein gutes Gefühl und das ist für viele Menschen weit besser als sich ehrlich mit ihrem Leben auseinander zu setzen. Es wäre also auch sinnvoll zu schauen bzw. zu planen, wie er denn seine Tage gestalten will. Gerade wenn er nicht mehr arbeitet ist es wichtig seine Zeit zu planen. Wenn er wieder arbeiten wird, so geht es in erster Linie um seine Freizeit. Hat er Freunde, Hobbies oder Interessen welche seine Tag sinnvoll machen. Welche Bedeutung hat der Alkohol in seinem Umfeld?
Auch wenn er wohl nicht gerade begeistert darüber ist, so wäre es sicherlich auch sinnvoll wenn er mit jemandem besprechen könnte, was denn diese beiden schweren Erkrankungen mit ihm gemacht haben. Wenn er in so kurzer Zeit zweimal nur knapp dem Tod entronnen ist, so wirft das viele Fragen auf. Ich weiss nicht, ob dein Vater gut über diese Themen sprechen kann und will, aber ich denke diesem Thema sollte er sich stellen, sonst besteht die Gefahr, dass er diese Gefühle und Gedanken mit Alkohol  betäubt. Ob er das mit einem guten Freund oder einer Fachperson bespricht finde ich erstmal nicht so wichtig. Wichtig ist, dass er darüber spricht.
Ich hoffe, dass dir das ein paar Ideen für die nächsten Schritte gibt. Bitte melde dirch jederzeit wieder, wenn ich dich weiter unterstützen kann.
Liebe Grüsse
Mike

Nadine antwortete vor 11 Monaten

Hallo Mike ich danke dir für deine Worte. kommt mir auch so vor, als ob er sich jetzt irgendwie unsterblich fühlen will. dabei haben die zwei Spitalaufenthalte das Gegenteil gezeigt. ich werde auf jeden Fall mit ihm reden, wenn er nächste Woche nach Hause kommt. ich habe einfach Angst, dass er nichts begriffen hat, dass er nicht sieht dass ihm das Rauchen und Trinken schaden. Dass wir dann in 6 Monaten wieder gleich weit sind oder dass er nicht mehr da ist…. Arbeiten kann er leider nicht mehr, er bezieht seit Juli 2016 IV. Als er die Blutvergiftung im 2015 hatte, ist er gestürzt und hat sich dabei drei mal die Schulter gebrochen und kann durch das nicht mehr arbeiten. Er hat eig viele Hobbies und Freunde / Familie. Aber er hat sich schon vor langer Zeit von sehr vielen Sachen und Menschen zurück gezogen. Ich will nun schauen, was es bei ihm in der Gemeinde für Beschäftigungsangebote gibt. Evtl auch einen Psychologen dazu ziehen. Über seine Erlebnise spricht er mit mir, aber nicht so ins Detail. Aus meiner Sicht, spielt er heile Welt und alles ist gut, aber ich kenne ihn…das ist def. nur gespielt… Ich weiss nicht ob das jetzt Egoistisch ist von mir, aber ich habe er erlich gesagt langsam satt mein Leben nach ihm zu richten…..er will nie was ändern und so weiter leben wie vor den Spitalaufenthalten…das begreife ich einfach nicht…ich habe vor 3 Monaten geheiratet, momentan sind wir auf der Suche nach einem Haus und möchten sehr gerne schwanger werden…..und da wünsche ich mir einen Vater der mir beisteht und mich unterstützt und nicht immer umgekehrt…:/  

Mike (Berater) Mitarbeiter antwortete vor 11 Monaten

Hallo Nadine
vielen Dank für dein Feedback. Wenn es um Alkoholprobleme geht, so geht es ganz schnell auch um die Frage nach der Verantwortung. Bei all dem was dein Vater erlebt hat, ist es einzig und alleine seine Entscheidung und seine Verantwortung, wie er damit umgeht! Das Umfeld kann ihm dabei helfen, aber es kann nicht die Verantwortung für ihn übernehmen. Warum betone ich das so? Weil du die Verantwortung für dein Leben hast. Ja, das mag vielleicht „egoistisch“ klingen („…ich habe es ehrlich gesagt langsam satt mein Leben nach ihm zu richten“), aber es ist die einzig gesunde Reaktion auf eine ungesunde Situation. 
Du kannst ihn unterstützen – was du ja schon super machst – aber du musst und darfst dein Leben leben. Du kannst nicht die Verantwortung für sein Leben auch noch übernehmen. Ich weiss, in der Theorie ist das alles klar. In der Praxis ist das aber oft sehr schwer umzusetzen. Schnell kommt das Gefühl auf, den anderen im Stich zu lassen, nicht genügend zu investieren oder gar zu versagen. Aber auch wenn ich mich wiederhole: dein Vater ist für sein Leben verantwortlich und du bist für dein Leben verantwortlich!
Das bedeutet nicht, gar nichts mehr für ihn zu unternehmen, aber es bedeutet, los zu lassen und zu wissen, dass er sein Leben leben muss; genau so, wie du dein Leben leben darfst. So wie du seine Situation beschreibst, hat er noch viel Ressourcen („viele Hobbies und Freunde / Familie“), doch er muss sie nutzen (wollen). Ich denke er steht vor der Herausforderung zu überlegen, wie er sein Leben (noch) gestalten will. und auch hier gilt, man kann ihn dabei unterstützen, aber die Verantwortung liegt bei ihm.
 
Liebe Grüsse
Mike

Nadine antwortete vor 11 Monaten

Mike
Danke für deine Worte. Es hilft mir extrem 🙂
Konnte gestern noch mit ihm telefonieren und  habe ihm mitgeteilt, dass ich es nicht ok finde, dass er ein Bier getrunken und geraucht hat. Und dass ihm endlich bewusst sein muss, dass ihm dies schaden wird und wenn er sein Leben so weiter führt wie bisher, dass er in einem halben Jahr wieder gleich weit sein wird oder nicht mehr unter uns weilt..
Er meinte dann, dass ihm dies bewusst ist und er wisse dass ich es nicht gut finde. Er wolle auch nicht mehr so trinken wie vorher und er wolle sein Leben auch ändern wenn er aus der Reha kommt. Naja..ich hoffe es sind keine leeren Versprechungen. Werde aber sicher wenn er zu Hause ist nochmal persönlich das Gespräch mit ihm suchen.
 

Mike (Berater) Mitarbeiter antwortete vor 11 Monaten

Hallo Nadine
gern geschehen, Ich hoffe, dass dein Vater die geplante Veränderung schafft und wünsche ihm und v.a. auch dir alles Gute.

Liebe Grüsse
Mike

Beitrag kommentieren


ICH HELFE MIT


KONTAKT


Blaues Kreuz Schweiz
Lindenrain 5
3012 Bern
031 300 58 60
info@blaueskreuz.ch





Vous vous trouvez sur le site de la Croix-Bleue Suisse
Si vous cherchez des informations plus détaillées sur nos offres en Suisse romande, nous vous prions de visiter les sites de la Croix-Bleue romande: