wie gross ist die Chance für einen Rückfall?

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Anonym • vor 3 Jahren

Mein Mann, 41, hatte seit seiner Jugend ein Alkohol- und ein Drogenproblem. Vor 3 Jahren hat er sein Leben völlig geändert, er hat nicht mehr getrunken, höchstens mal einen Schluck zum Essen und keine Drogen mehr genommen. Ich habe ihn vor einem Jahr kennengelernt, er hat mir sofort ganz offen von seiner Vergangenheit erzählt. Ich habe ihm gesagt, dass ich ein grosses Problem mit alkoholsüchtigen Menschen habe, dass es mir Angst macht. Er hat mir x-Mal versichert, dass er nicht mehr trinken werde und dass das ein Teil seiner Vergangenheit ist. Wir hatten die letzten Monate sehr viel seelischen Stress. Ich musste 2 operiert werden und er muss Ende Monat auch operiert werden. Nun ist er am Dienstag für 1 Woche in seine Heimat zu seinen Eltern gereist. Ich habe ihn auch vor der Reise noch einmal darauf angesprochen und er hat mir versichert dass er nich trinken werde. Nun hat er am Mittwochmittag zum Mittagessen mit seinen Eltern 2 Gläser Wein getrunken, nach dem Essen ist er im Retaurant an die Bar gegangen und 5 Tequilas getrunken. Er hat einen Filmriss und weiss nicht mehr warum und weshalb. Seine Eltern haben ihn nach Hause begleitet. Er ist nun am Boden zerstört und hat riesige Angst mich zu verlieren. Er sagt, dass er nicht weiss warum dass er es gemacht hat. Es tut ihm unendlich leid und er schwört dass es nie wieder vorkommen wird. Er würde alles dafür geben, dass ich ihm eine Chance gebe. In unserer Beziehung hat er sonst immer alles für mich/uns gemacht. Er hat immer gut zu mir geschaut. Meine Frage ist, wie hoch ist das Risiko dass sich dieser einmalige Fall wiederholt? Ich würde ihm gerne eine Chance geben, aber ich habe Angst davor, dass es nicht bei diesem einen Mal bleibt.

Besten Dank für eine Antwort.

Antje antwortete vor 3 Jahren

Hallo
Schön, dass Du Dich hier gemeldet hast. Ich finde es sehr gut, dass Ihr von Anfang an in Eurer Beziehung mit offenen Karten gespielt habt. Dein Mann hat Dir von seiner Vergangenheit erzählt und Du konntest ihm ganz offen sagen, dass seine Suchterkrankung Dir Angst macht. Die meisten Menschen, die sich aus einer Abhängigkeit befreien, erleben auf ihrem Weg mehr oder weniger schwere Rückfälle. Diese lösen dann meist bei den Betroffenen grosse Schuld- und Schamgefühle und bei den Angehörigen Angst und Hilflosigkeit, vielleicht auch Wut aus. Solche Gefühle sind verständlich. Das wichtigste bei einem Rückfall ist, dass man diese „Krise“ als Chance versteht. Damit meine ich, dass es darauf ankommt zu verstehen, bzw. heraus zu finden, warum es zu dem Rückfall gekommen ist. Ein Rückfall bedeutet nicht, dass man wieder ganz von vorne anfangen muss. Wenn man rechtzeitig reagiert, kann man den Schweregrad beeinflussen. Ihr solltet die Situation ernst nehmen, Euch aber auch nicht entmutigen lassen. Ich empfehle Euch auf jeden Fall, Hilfe zu holen und nicht damit allein zu bleiben. Deinem Mann rate ich, zu einer Beratungsstelle zu gehen. Dort kann er den Rückfall aufarbeiten. Es ist wichtig zu verstehen, weshalb es zu dem Rückfall gekommen ist, was die Auslöser dafür waren und sich darüber klar zu werden, wie er beim nächsten mal mit einer ähnlichen Situation zurecht kommen kann, ohne Alkohol zu trinken. Das Ziel muss sein, aus dem Rückfall zu lernen.
Für Dich kann es ebenfalls hilfreich sein, Dir in einer Beratungsstelle Unterstützung zu holen. Du solltest auf jeden Fall versuchen, mit Deinem Mann weiterhin im Gespräch darüber zu sein. Du könntest ihn fragen, wie er die Situation nun einschätzt, wie er das angehen möchte und Du könntest ihm dann auch den Vorschlag machen, gemeinsam zu einer Beratung zu gehen. Letztendlich hat er jedoch die Verantwortung dafür, wie er mit dem Rückfall umgehen will.
Um weitere Rückfälle zu vermeiden, solltet ihr nicht alleine bleiben. Auch eine Selbsthilfegruppe kann z.B. Unterstützung bieten. Die Hilfe von anderen stärkt. Es ist auch wichtig, gut zu sich selbst zu schauen und sich gut Sorge zu tragen. Du schreibst, dass Ihr in den letzten Monaten viel Stress hattet. Da ist es sicher besonders wichtig, für genügend Ausgleich und Entspannungsmöglichkeiten zu sorgen.
Auf jeden Fall gilt: Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung müssen vorsichtig und aufmerksam bleiben. Das Risiko wird zwar mit der Zeit kleiner, aber es bleibt auch nach vielen Jahren Abstinenz bestehen. Ihr könnt gemeinsam darüber sprechen, was ihr bei einem Rückfall oder bei der Befürchtung, es könnte wieder zu einem Rückfall kommen, tun könnt, was ihr voneinander erwartet und wo ihr euch Unterstützung holt.
Alles Gute für Euren weiteren Weg!

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