Wie kann ich meinem Mann helfen?

Andrea • vor 2 Monaten

Mein Mann (32) und ich (29) sind seit 6 Jahren zusammen, seit einem Jahr verheiratet. Keine Kinder.
Seit ich ihn kenne hat er schon gerne Bier getrunken wenn wir feiern waren. Ich trinke auch ab und zu gerne 1-2 Gläser, kann aber gut aufhören wenn es genug ist. Mein Mann leider nicht. Er sagt, er könne irgendwann nicht aufhören und wenn die Runde gemütlich ist, sitzt er und trinkt ein Bier nach dem anderen. Am anderen Tag ist er dann kaum zu gebrauchen, auch wenn Termine oder Anlässe geplant sind. Wir haben schon oft darüber gesprochen und er verspricht immer wieder Besserung und hat Einsicht.
Seit ca. einem Jahr trinkt er immer mehr wenn er im Fussballtraining ist oder Fussballmatch hat. Es kommt nun immer öfter vor, dass er zweimal pro Woche so betrunken ist, dass er am anderen Tag nicht aufstehen und arbeiten geht. Er hat sich nun selbständig gemacht. Er sagt, die Arbeit und das Selbständigsein machen ihn glücklich (das war schon immer sein Traum). Nur geniesse er mit seinen Fussballkumpels die Situation, abzuschalten und an nichts denken zu müssen. Leider denkt er in diesem Moment nicht an die Konsequenzen am folgenden Tag.
Er ist problemeinsichtig, hat auch schon vor zwei Monaten ein Gespräch bei einem Therapeuten gehabt, der ihm geraten hat, seinen damaligen Job zu künden, dann komme es wieder besser (psychisches Befinden und dementsprechend sein Alloholkonsum) und er sei kein Alkoholiker.
Mein Mann denkt er habe ein psychisches Problem weil er nicht mehr so locker ist wie vor 6,7 Jahren und er komme nicht damit klar und trinke dann wenn er mit Freunden eine gemütliche Runde hat,  zum Abschalten und „frei sein“. Ein Therapeut könne ihm kaum helfen, meint er.
Ich mache mir Sorgen dass er nicht mehr aus diesem Trinkmuster rauskommt und seine Selbständigkeit gefährdet wenn er Termine nicht wahrnehmen kann.
Ich möchte so auch keine Kinder und es zerstört unsere Beziehung weil es mich so fertig macht.
Wie kann ich ihm helfen?

1 Antworten
Antje Berater/in antwortete vor 2 Monaten

Hallo Andrea
Mein Name ist Antje und ich arbeite als Psychologin an einer Beratungsstelle vom Blauen Kreuz im Kanton Zürich. Schön, dass Sie sich hier gemeldet haben und Danke für Ihr Vertrauen und Ihre Offenheit. Ich kann sehr gut verstehen, dass Sie sich grosse Sorgen um Ihren Mann machen. Mit seinem Trinkmuster riskiert er sehr viel: seine Beziehung, seine Arbeit, seine körperliche und psychische Gesundheit. Ich weiss nicht, zu welchem Therapeuten er gegangen ist, aber ich vermute, nicht zu einem Sucht-Spezialisten, z. B. an einer Suchtberatungsstelle. Es geht ja nicht darum, ihn als «Alkoholiker» abzustempeln, sondern mit ihm gemeinsam heraus zu finden, wofür der Alkohol bei ihm steht und welche Funktion er übernommen hat. Es gilt gemeinsam mit ihm einen Weg zu finden, wie er z.B. anders abschalten oder entspannen kann. Nur allein den Job zu wechseln reicht bei einer Abhängigkeitserkrankung (leider) nicht. Oft ist es ein längerer Weg, neue Gewohnheiten zu entwickeln und einzuüben.
Auch Sie können sich an eine Beratungsstelle wenden (siehe oben «vor Ort») und sich dort weitere Unterstützung holen.  Ausserdem können Sie weiterhin Ihrem Mann sagen, was sie bewegt und besorgt. Sprechen Sie dabei von sich selbst (z.B. «Ich beobachte, dass…»). Vermeiden Sie Vorwürfe und Vorschriften oder den Wunsch, ihn zu kontrollieren. Sprechen sie darüber, was Sie sich von Ihrer Partnerschaft erwarten, was Sie sich wünschen. Stellen Sie z.B. auch Fragen: »wie stellst Du Dir es vor, wie es weiter gehen soll…»? oder «wie siehst du die Situation»? Nehmen Sie das Ganze ernst und getrauen Sie sich auch, «Nein» zu sagen und Grenzen zu formulieren, die bei Ihnen bestehen.
Vielleicht erst einmal so weit. Bei weiteren Fragen dürfen Sie sich gerne wieder hier melden. Ich wünsche Ihnen alles Gute.

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