Wie komme ich da raus?

Barbara asked 8 Monaten ago

Guten Tag
Ich bin seit 2 Jahren mit meinem Freund zusammen. Er ist alkoholkrank, will es aber nicht wahrhaben. Er war schon mal 2 Wochen in einer Entzugsklinik, aber nur, weil sein Arbeitgeber ihn dazu aufgefordert hat. Ich habe ihn sehr unterstützt und ihn jeden Tag besucht. Nach 2 Wochen hat er abgebrochen. Mein Freund macht mich dafür verantwortlich, dass er dorthin musste und wirft mir das immer wieder vor, dass er meinetwegen 3000 Franken bezahlen musste.
Wenn er trinkt ist er wahnsinnig böse und verletzt mich Worten extrem stark. Er weiss genau, wie er mir weh tun kann und lässt auch nicht locker. Nüchterne, liebe Momente gibt es eigentlich keine mehr. Er macht mich dauernd fertig, macht mich klein. Wenn ich mal wieder den Mut aufbringe, das Thema anzusprechen, flippt er völlig aus. Wenn ich weine, sagt er, dass ich keinen Grund dazu hätte. Er ist böse zu mir und wird dann noch wütend, wenn ich verletzt reagiere.
Heute ist mein Geburtstag. Bereits kurz nach Mitternacht hat er mir geschrieben. Doch keine Glückwünsche, sondern Lobreden, wie toll er es im Ausgang mit seinem bestem Kumpel habe und jeden, der ihm das wegnehmen wolle, werde er umbringen. Um 7 Uhr hat er dann angerufen, voll betrunken und mich nur weiter beschimpft. Ich solle aufhören mit ihm zu diskutieren, ich solle doch meinen Geburtstag alleine verbringen etc.
Ich merke, dass ich gar nicht in Worte fassen kann, was er mir alles antut. Ich habe auch gar keine Kraft mehr.
Er hat es geschafft, mich in den 2 Jahren so zu manipulieren, abhängig zu machen und mein Selbstwertgefühl zu zerstören. Er behandelt mich schlecht und doch kann ich ihn nicht verlassen. Ich kann gar nichts mehr. Ich hasse mich selber, was er aus mir gemacht hat und dass ich es einfach zulasse und es nicht aus diesem Kreis schaffe. Ich wünschte mir so oft, ich wäre tot. Ich besuche schon einmal im Monat eine Fachstelle für Angehörige von Suchtkranken. Doch ich komme nicht von ihm los. Er hat mich so im Griff. Ich kann nicht mehr.

Antje Mitarbeiter antwortete vor 8 Monaten

Hallo Barbara
Erst möchte ich mich kurz bei Ihnen vorstellen. Ich heisse Antje und arbeite seit 10 Jahren als Psychologin an einer Beratungsstelle vom Blauen Kreuz. Danke für Ihr Vertrauen, das Sie uns mit Ihrem Schreiben entgegenbringen. Ich nehme darin wahr, wie verzweifelt und traurig Sie über Ihre Beziehung sind, bzw. was daraus geworden ist. Für mich hat Ihr Verhältnis nichts mehr mit Liebe und Wertschätzung zu tun. Die Sorge und die Unterstützung, die Sie Ihrem Freund entgegenbringen, nimmt er als solche gar nicht wahr. Im Gegenteil: er beschimpft und verletzt Sie, droht Ihnen sogar («jeden, der mir was wegnehmen will, werde ich umbringen»). Sie spüren selbst, dass Ihnen diese Beziehung gar nicht mehr gut tut, Sie runterzieht, Ihnen jegliches Selbstwertgefühl raubt. Sie haben Sich auch schon Hilfe geholt, aber ich glaube, dass einmal im Monat ein Gespräch auf einer Fachstelle für Angehörige im Moment zu wenig für Sie ist. Ich würde jetzt an Ihrer Stelle jegliche Probleme, die Ihr Freund hat, beiseitelassen und sich voll auf sich konzentrieren. Sie müssen unbedingt schauen, dass es Ihnen wieder besser geht, dass Sie wieder zu Kräften kommen und wieder Lebensfreude haben. Suchen Sie sich heute noch oder spätestens Morgen konkrete Hilfe, z.B. in Form eines Gespräches bei der Beratungsstelle, bei der Sie bereits sind oder bei einer anderen Stelle (z.B. bei der Dargebotenen Hand http://www.143.ch oder bei einer Kriseninterventionsstelle in Ihrer Region). Bei der Telefonischen Auskunft 1811 erhalten Sie die Information, wer heute in Ihrer Region Notfallpsychiater ist. Lassen Sie sich helfen und bleiben Sie nicht allein. Vielleicht können Sie auch vorübergehend zu jemandem aus Ihrer Familie oder zu einer Freundin ziehen. Lassen Sie es nicht zu, dass Ihr «Freund» Sie zerstört. Heute haben Sie Geburtstag. Und das ist ganz besonders ein Anlass, sich den Wert Ihres eigenen Lebens bewusst zu machen. Seien Sie es sich wert, gut für sich zu sorgen.
Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute und hoffe, dass Sie mit guter Unterstützung einen Weg «aus diesem Kreis» schaffen.

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