wie-sich-von-einem-alkoholiker-trennen

Martina fragte vor 2 Monaten

Guten Tag Ich (weiblich, 28, Stadtzürcherin) bin seit 2 Jahren mit einem Alkoholiker zusammen. Ich weiss, dass ich mir das selbst eingebrockt habe, weil ich bei der Partnerwahl offensichtlich zu blind war. Er trinkt täglich 4-6 Bierdosen und fängt meistens am Nachmittag damit an (während der Arbeit auf dem Bau) und trinkt dann einfach den ganzen Abend lang weiter. Für mich als Nichttrinkerin ist die Tatsache, ständig von einem betrunkenen Mann umgeben zu sein, schon lange mehr eine Zumutung anstatt Liebe. Das schlimmste ist immer der Moment, wenn er abends nach Hause kommt, ich geniesse das Beisammensein mit ihm schon lange nicht mehr. Auf seinen Alkoholkonsum angesprochen spielt er immer nur die beleidigte Leberwurst, seine Alkohosucht spielt er immer nur runter, und an Hilfe ist er schon gar nicht interessiert. Mir ist klar, dass ich mich trennen muss, denn dieser Mensch tut mir schon lange nicht mehr gut. Er ist mir gegenüber bisher nie gewalttätig geworden, aber ich habe trotzdem Angst vor seinen Wutausbrüchen und vor seinem psychotischen Verhalten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er unter Alkoholeinfluss nicht nur betrunken, sondern auch psychotisch wird. Manchmal schaut er mich ohne Grund so hasserfüllt an, dass ich wirklich Angst vor ihm bekomme. Die Wohnung in der wir beide leben, läuft auf meinen Namen. Ich bin die alleinige Hauptmieterin und habe in weiser Vorausschauung nie einen ordentlich beschriebenen Untermietvertrag mit ihm gemacht. Es besteht lediglich ein mündlicher Untermietvertrag und er bezahlte jeweils die Hälfte meines Mietanteils. Ich möchte mich schon lange von ihm trennen, aber ich weiss nicht, wie ich ihm diesen Entscheid mitteilen soll. Ich kann nämlich nicht umziehen. Weil die Wohnung nur auf meinen Namen läuft, müsste er also ausziehen. Und das ist eigentlich auch mein Knackpunkt: wenn ich ihm mitteile, dass ich mich trennen will, und er ausziehen soll, dann hätte er das Recht, aufgrund des mündlichen Untermietvertrages, weiterhin mind. 1 Monat bei mir zu wohnen, bevor er sich was neues sucht. Zusätzlich bin ich mir sicher, dass er in so kurzer Zeit bei der Wohnungsknappheit in Zürich nichts Neues finden wird, da seine Eltern ihn aufgrund der Alkoholsucht auch nicht aufnehmen wollen. Ich kann und will aber das Risiko, weiterhin mit ihm zusammen zu leben, nachdem er von der Trennung weiss, nicht riskieren. Ich habe Angst, dass er entweder A) vollends ausflippt und handgreiflich wird, B) mein Eigentum und/oder die Wohnung zerstört oder C) beides. Die Hoffnung, einfach nur wie vernünftige Erwachsene die Trennung zu besprechen und dann auch zu vollziehen, habe ich schon lange aufgegeben, denn er ist ja ständig betrunken und kann dann auch nicht mehr vernünftig bleiben. Zusätzlich ist es meine allererste Trennung mit Zusammenwohnen, ich habe darin keine Erfahrung, ich habe noch nie einen Menschen, geschweige denn einen Mann, der mir körperlich stark überlegen ist, aus meiner Wohnung rausgeworfen. Nun meine Frage: was soll ich tun, wenn ich glaube, dass eine Trennung für mich gefährlich werden könnte? Einfach die Trennung vor ihm aussprechen, das Gezeter ertragen, und die Polizei anrufen, wenn er wirklich ausflippt? Heimlich sein Hab und Gut innerhalb 1 Arbeitstag in den Keller schaffen, das Schloss auswechseln lassen, und dann poltert er gegen die verschlossene Türe? Das scheint mir irgendwie die unfairste Art. Was wäre Ihrer Meinung nach eine gute Lösung, wie ich mich einigermassen in körperlicher Sicherheit trennen kann? Ich weiss das die Polizei notfalls auch eine Wohnungswegweisung machen könnte. Aber auf ein solches Papierzettelchen vertraue ich bei meinem (Noch)Partner einfach nicht.  Ich danke Ihnen für jede Antwort und für jede Meinung.

1 Antworten
Mike (Berater) Mitarbeiter antwortete vor 2 Monaten

Hallo Martina
vielen Dank für deine Anfrage. Schade, dass sich eure Beziehung so entwickelt hat und ihm der Alkohol wichtiger zu sein scheint als du. Du hast ganz klar gemerkt, dass dir sein Verhalten bzw. die ganze Situation nicht gut tun und es so nicht weitergehen kann. Ich kann dich nur darin unterstützen dieser bedrohlichen Situation ein Ende zu setzen.
 
Für mich klingt diese Atmosphäre der Angst, welche du beschreibst, schon sehr nach einer Form von „häuslicher Gewalt“. Auch wenn er dich glücklicherweise (noch) nicht geschlagen hat, so hört das für mich insgesamt schon nach „psychischer Gewalt“ an. Darunter versteht man „schwere Drohung, Nötigung, Freiheitsberaubung, Stalking, Cyberstalking und -bullying (Stalking und Mobbing im Internet). Zudem werden darunter auch Formen verstanden, die für sich allein keine unmittelbare Bedrohung darstellen, die aber in ihrer Summe als Gewaltausübung bezeichnet werden müssen. Dazu gehören diskriminierende Gewalt wie Missachtung, Beleidigung, Demütigung, Blossstellen, als dumm oder verrückt erklären,“ Oder eben auch die Angst vor möglichen (Wut)Ausbrüchen, bedrohliche und hasserfüllte Blicke, das stetige Gefühl der Bedrohung und Unsicherheit,….. 
 
Da er ja anscheinend nicht bereit ist, an seinem Alkoholkonsum etwas zu ändern, mache ich dir Mut dich bei einer der Adressen auf dieser Website zu melden: http://www.frauengegengewalt.ch/ 
Dort findest du die Fachleute, welche dir in deiner Situation weiterhelfen können. Mit ihnen zusammen kannst du die Trennung konkret vorbereiten und schauen, was du zu deinem Schutz brauchst. Ich denke es wird sehr hilfreich sein und dir auch eine gewisse Sicherheit geben, wenn du einen konkreten Plan ausarbeiten kannst. Ich nehme auch an, dass du dort über die rechtlichen Apekte informiert wirst und weisst, welche Möglichkeiten du hast. Das wird es dir möglich machen, dioch von ihm zu trennen und ein Leben ohne Angst zu führen. 
 
Ich hoffe, dass dir das für einen nächsten Schritt weiterhilft und wünsche dir ganz viel Kraft!
Liebe Grüsse
MIke 
 
PS: Natürlich ist die Situation für deinen Freund dann nicht einfach und er muss erst Mal schauen, wo er unterkommt. Du darfst aber zwei Dinge nicht vergessen; a) ist das letztlich die Konsequenz seines Verhaltens und nicht einfach eine „Laune“ von dir und b) was ist denn die Alternative? So weitermachen, das weiter aushalten, diese Unsicherheit und diese Angst, welche du beschreibst?

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