Wie spreche ich mit meiner Mutter?

Tochter fragte vor 2 Wochen

 Hallo
Meine Mutter (56) hat einen problematischen Umgang mit Wein. Sie hat schon immer gerne ein Glas getrunken, ebenso wie mein Vater. Immer für den Genuss und nur ein oder zwei Gläser. Seit einiger Zeit hat sie immer wieder Zeitspannen in denen sie viel Wein trinkt. Bei Gesprächen am Nachmittag/Abend kann sie nicht mehr folgen und ist wie weggetreten. Jetzt, da ich und meine Schwestern nicht mehr oft zu Hause, oder schon ausgezogen sind, ist sie oft alleine. Mein Vater hat erzählt, dass sie ab dem Mittag mit dem Wein anfängt und es auch schon vorgekommen ist, dass sie im Garten eingeschlafen war als er nach Hause kam. Wie viel sie trinkt ist schwer zu sagen, da sie an mehreren Orten im Haus angefangene Weinflaschen stehen hat und sich das Glas immer wieder füllt, vermutlich ohne zu merken wie viel es ist. Sie verbindet es mit Genuss und sie ist ein sehr genussvoller Mensch. Uns als Familie ist das Problem bewusst, wir sehen es unserer Mutter auch optisch an und ab und zu ist es so stark, dass wir keine normale Unterhaltung mit ihr führen können. Das Problem ist, dass mein Vater schon mit meiner Mutter geredet hat, sie auf den Alkohol hingewiesen und sogar mal alles, was an Vorrat im Haus war zusammengestellt hat. Meine Mutter reagierte darauf sehr verletzt und sieht sich als Opfer der Familie. Sobald mein Vater etwas darüber sagt, beginnt meine Mutter zu weinen und verkriecht sich. Sie will das Problem nicht sehen und gibt ihm die Schuld an dem Streit den sie haben. Jedes Mal, wenn er es versucht landet das Gespräch in einer Sackgasse und meine Mutter läuft davon. Darum habe ich entschlossen, dass ich jetzt mit meiner Mutter darüber reden will. Ich bin die älteste Tochter (25) und bereits vor Vier Jahren ausgezogen. Mein Blick ist anders, als der meiner restlichen Familie und ich hoffe, meine Mutter hört mir zu. Die Frage, die mich beschäftigt ist, wie bringe ich meine sensible Mutter dazu, mir zuzuhören? Wie gehe ich am besten vor, damit sie sich nicht angegriffen fühlt und weggeht? 
Ich bin sehr dankbar über Ratschläge.

1 Antworten
Kathrin Mitarbeiter antwortete vor 2 Wochen

Guten Tag
Manchmal entsteht aus einem genussvollen Alkoholkonsum schleichend eine Abhängigkeit, ohne dass es die betroffene Person realisiert oder wahrhaben will. Bei Ihrer Mutter scheint eine solche Entwicklung stattgefunden zu haben. Viele Betroffene leben in der Illusion, dass Sie es immer noch im Griff haben, sie belügen sich selber und auch ihr Umfeld. Es ist nicht einfach, sich einzugestehen, ein Alkoholproblem zu haben. Dennoch ist es absolut richtig und wichtig, dass das Umfeld nicht wegschaut und mit schweigt, sondern die betroffene Person konfrontiert. Oft ist das gar nicht so einfach, weil die Angehörigen selber sehr darunter leiden und auf beiden Seiten Emotionen im Spiel sind. Dies hat ja vor allem Ihr Vater schon mehrfach erlebt. Da Sie mehr Abstand haben, ist es bestimmt eine gute Idee, wenn Sie sie einmal auf ihr Trinkverhalten ansprechen. Ganz wichtig ist, dass Sie in einem nüchternen Moment mit ihr Sprechen können. Ist dies vielleicht am ehesten am Morgen der Fall? Wäre ein Spaziergang eine gute Möglichkeit? Wichtig ist, dass Sie ihr keine Vorwürfe machen, sondern ihr Ihre Beobachtungen mitteilen und ihr sagen, dass Sie sich Sorgen machen um sie. Sie dürfen ruhig etwas hartnäckig sein. Falls sie sich öffnet, wäre es in einem nächsten Schritt denkbar, sie auf Hilfsangebote hinzuweisen und ihr anzubieten, sie zu einem Gespräch zu begleiten. Auf der Website von Sucht Schweiz finden Sie Broschüren mit Informationen für Betroffene und Angehörige, welche Sie kostenlos herunterladen oder bestellen können: https://shop.addictionsuisse.ch/de/59-zielgruppe?categories=79
Ich hoffe, dies gibt Ihnen fürs erste ein paar hilfreiche Hinweise. Sie dürfen sich auch gerne nochmals melden.
Alles Gute!

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