Wie weiter mit meiner Mutter?

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Anonym asked 4 Jahren ago

Meine Mutter (56) ist seit ca. zehn Jahre alkoholkrank. Mal war es besser, mal schlechter. Lange versuchten wir gemeinsam als Familie, dieses Problem selber in den Griff zu bekommen. Wir mussten allerdings immer wieder Rückschläge hinnehmen und wurden vielfach enttäuscht. Natürlich hat auch die schon angeknackste Beziehung meiner Eltern unter der Sucht gelitten.
Als sich die Sucht meiner Mutter mit dem mit dem Entzug ihres Führerausweises (2.7 Promille mit dem Auto!!!) und dem beinahe Verlust ihres Jobs gipfelte, hat sie sich mehr oder weniger freiwillig für eine stationäre Behandlung entschlossen. Sie war etwa acht Wochen in einer Suchtklinik in Meiringen. Da hat man auch eine mittlere Depression festgestellt.

Nach der Entlassung schien es so, als komme das Ganze in wieder in die richtige Bahnen. Leider hatte sie nun die letzten beiden Tage wieder einen Rückfall und hat Alkohol getrunken. Auch während der Arbeit. Mir kommt es vor, als hätte sich nichts geändert. Als hätte sie nie eine Therapie gemacht. Und wieder hat sie zuerst alles abgestritten und gelogen. Halt so wie immer….. Nach zehn Jahren ständiger Enttäuschung haben wir es nun wirklich langsam satt. Es ist schwer zu ertragen, wenn einen die eigene Mutter ständig in die Augen schaut und einfach nur lügt. Ich/wir können ihr nicht mehr vertrauen. Darum nun meine Frage:
Ist es zumutbar, von ihr zu verlangen, dass sie alle drei Monate beim Arzt eine Haarprobe abgeben soll?

Bezwecken will ich damit, dass ihre Hemmschwelle Alkohol zu trinken steigt, weil sie dann weiss, dass die Wahrheit ganz sicher ans Licht kommen wird. Die Grundlage all ihre anderen Probleme (Beziehung) in den Griff zu bekommen ist doch, dass sie keinen Alkohol mehr trinkt. Und dadurch erhoffe ich mir, dass wir langsam wieder Vertrauen aufbauen können.

Was haltet ihr davon? Wir haben wirklich schon alles in unserer Macht stehende versucht. Aber das Vertrauen ist spätestens nach dem wiederholten Rückfall definitiv verschwunden. Ihr müsst auch verstehen, dass die ganze Familie Angst hat. Angst davor, dass sie wieder betrunken Auto fährt (was ständig vorgekommen ist). Ich will mir nicht vorstellen, was passiert wenn sie einen Unfall verursacht mit Personenschaden. Oder dass sie ihre Arbeit verliert, welche sie sehr, sehr gerne hat.

Ich hoffe jemand kann uns weiterhelfen. Wir sind verzweifelt.

Freundlicher Gruss

André

Antje antwortete vor 4 Jahren

Hallo
Ich kann sehr gut verstehen, dass du in deiner Wut über den Rückfall deiner Mutter und in deiner Ohnmacht auf die Idee kommst, dass sie stärker kontrolliert werden müsste. Doch von diesem Vorschlag der Haaranalyse durch den Arzt halte ich persönlich, ehrlich gesagt, gar nichts. Ich glaube erstens nicht, dass dies grundlegend etwas bei ihr verändern würde und zweitens, dass es dir damit gelingt, wieder Vertrauen aufzubauen. (Ausserdem bezweifle ich, dass sie das freiwillig machen würde und wie willst du sie dann dort hin bringen?)
Ich denke, dass es vor allem jetzt wichtig ist, dass du und vielleicht wer sonst noch zu eurer Familie gehört, Unterstützung bekommt. Ich würde dir vorschlagen, bei dir in der Nähe eine Beratungsstelle aufzusuchen. Das Angebot solch einer Fachstelle gilt auch für Angehörige. In einem Gespräch könnten gemeinsam Lösungen erarbeitet werden, Schritte, wie ihr konsequent und klar mit eurer Mutter (Ehefrau) umgehen könnt. Entsprechende Adressen findest du im Internet.
Eine andere Idee wäre, Kontakt mit der Klinik aufzunehmen, in der deine Mutter war. Dieser Aufenthalt hat ihr doch, zumindest am Anfang, geholfen. Vielleicht braucht sie dort nochmals ein wenig mehr Zeit, um eine abstinente Lebensweise zu etablieren. Dazu müsste sie sich allerdings auch einverstanden erklären. Eine Motivation für sie könnte es sein, dass sie ihre Arbeitsstelle behalten will, die sie gerne hat.
Sieh es nicht so, dass alles umsonst war und alles wieder bei 0 anfängt. Ich kann deine grosse Enttäuschung verstehen, aber es ist leider ein langer Weg vom Alkohol weg zu kommen, ein Prozess, der häufig mit Rückschlägen verbunden ist.
Dir wünsche ich, dass du deinen Weg findest, wie du damit umgehen kannst. Das bedeutet vielleicht auch, deine Mutter ein Stück loszulassen und ihr die Verantwortung für ihr Leben zu überlassen. Sorge gut für dich!


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