Wieso trinkt er wieder heimlich?

Anonym • vor 6 Jahren

Ich bin am verzweifeln, denn mein Partner hat wieder angefangen heimlich zu trinken. Habe gestern wieder leere Bierdosen in der Wohnung versteckt gefunden.. Ich bin natürlich wieder am Boden zerstört.
Wir sind seit 3 Jahren ein Paar, und er trank schon seit jeher viel Bier. Anfangs täglich bis zu 8 Dosen! Da wir 2 Jahre lang eine Fernbeziehung führten, bekam ich nur mit, dass er sich an den Wochenenden zudröhnte. Erst nach und nach fasste er vertrauen zu mir und konnte erklären warum er so viel trank. Aus stress, Panikattacken, das verdrängen am Selbstmord seines alkoholabhängigen Vaters, aus Lust. Ich denke, dass sich von der Seele reden half ihm sein Trinken in den Griff zu bekommen. Er trank viel weniger. Ich glaubt, ja jubelte schon, juhhe er hat es geschaft! Bis ich dann leider feststellen musste dass er heimlich trank. Habe zig leere Bierdosenverstecke gefunden. Für mich brach damals eine Welt zusammen. Mit ihm reden nützte nicht viel. Er habe die Trinkerei im Griff, er trinke halt heimlich, weil ich sonst immer so sauer werde wenn er mal ein Bier trinke. Ich solle nicht so ein Drama machen, ich müsse mir halt einen Partner suchen der kein Alkohol trinke. Denn er werde nicht wegen mir kein Alkohol mehr trinken! Das tat weh, aber verlassen konnte ich ihn nicht, dafür liebe ich ihn so sehr. Bin dann aber 2 Wochen weggefahren mit dem Ultimatum, ich komme nur wieder zu ihm zurück wenn er sich bei einer Alkoholberatungsstelle Hilfe sucht. Was er dann tatächlich tat. Ich wollte ihn natürlich unterstützen und ging mit ihm zur Beratungstelle. Wir waren 3 mal dort. Haben viel geredet, auch zu Hause. Er hatte es wirklich eingesehen, ja er habe ein Alkoholproblem, er wolle sich bessern. Aber er könne das auch alleine, dafür braucht er keine prof. Hilfe oder sogar eine ambulaten Therapie. Ich war da anderer Meinung aber drängen sollte man sie nicht. Er muss von sich aus die Hilfe in anspruch nehmen. Das war im Januar diesen Jahres. Er hat sich wirklich bemüht. Er trank unter der Woche selten mehr ein Bier, an den Wochenenden schon, aber viel weniger. Auch hat er nicht mehr heimlich getrunken. Unsere Beziehung blühte wieder auf. Ich konnte ihm wieder vertrauen, glaubte seinen Worten. Ich war wieder glücklich. Sein Wunsch nach einem Kind war der Höhepunkt in unserer Beziehung. Er sei sich bewusst wenn das Kind da sei, habe er eine grosse Verantwortung. Und dann sei das Thema Alkohol kein Problem mehr.
Tja, und nun habe ich wieder leere Bierdosen gefunden……
War ich blind vor Liebe dass ich ihm das glaubte? Wird er sich nie ändern? Wird er immer ein Alkoholproblem haben und nie davon loskommen? Wie kann ich ihm helfen? Darf ich es wagen eine Familie mit ihm zu gründen?

Fragen über fragen, aber eigentlich bin ich am Ende. Muss das nun alles wieder von vorne losgehen? Es war so eine schreckliche Zeit damals, musste soviel durchmache. Hatte damals eine Trennung in betracht gezogen. Aber irgendwie habe ich durchgehalten. Es war ja wirklich viel besser damals. Und jetzt wieder alles von neuem? Ich habe keine Kraft mehr. Und doch will und kann ich ihn nicht verlassen, ich liebe ihn so sehr.

Villeicht kann mir jemand von euch helfen, Tipps geben. Ich wäre euch so dankbar.

peter antwortete vor 6 Jahren

Willkommen im Forum. Ich kann Ihre Enttäuschung sehr gut verstehen. Wie Sie beschieben haben, wurden Sie von ihm schon mehrere Male enttäuscht. Dies führt dazu, dass Sie Ihm nicht mehr richtig Vertrauen können.
Die Suchtproblematik Ihres Freundes wird immer bestehen. Er wird damit immer wieder konfrontiert werden. Man/Er kann aber etwas dagegen tun. Es gibt Personen die bekommen Ihre Suchtproblematik schneller in den Griff als andere. Die meissten aber brauchen mehrere Versuche bis es klappt (kontrolliertes Trinken /Abstinenz). Sie waren mit Ihm schon in einer Suchtberatungsstelle und das Zusammenleben mit Ihrem Freund haben Sie, wenn auch für kurze Zeit, positiv erlebt . Ich würde Ihnen empfehlen, ihn nochmals darauf anzusprechen bzw. von Ihm verlangen, dass er sich bei einer Suchtberatungsstelle melden soll/muss. Weil Sie sich Sorgen um Ihre gemeinsame Zukunft machen (Familienplanung) und weil seine Alkoholproblematik an Ihren Kräften und Ressourcen zehrt. Falls Sie damit keinen Erfolg haben, können auch Sie sich bei einer Suchtberatungsstelle melden. Suchberater/innen sind auch ausgebildet in der Beratung von Angehörigen und Bezugpersonen. Dort kann Ihre Situation (Ängste, Sorgen, Trinkmuster ihres Freundes usw.) näher angeschaut und für Sie eine geeignete Lösung (Abgrenzung; wie kommen Sie wieder zu Ihren Kräften; wie weiter bezüglich Familienplanung usw.)erarbeitet werden.
Ich hoffe, Ihnen mit diesen Gedanken einwenig weitergeholfen zu.

Freddy antwortete vor 6 Jahren

Hallo,
Ich kann dir gut nachfühlen! Meine (Ex-) Freundin ist auch Alkoholkrank. Sie trinkt Wodka teilweise bis zu einer Flasche am Tag. Auch sie trinkt heimlich. Das ist extrem bitter für mich. Man fühlt sich hintergangen, betrogen, belogen und so weiter und so fort. Mir ging es dabei sehr schlecht obwohl ich selbst gar nicht trinke.
Ich habe Unterstützung beim Blauen Kreuz gesucht. Die Gespräche haben mir sehr geholfen.
Ein paar ganz wichtige Erkenntnisse waren für mich:
– Ich kann ihr nicht helfen
– Ich muss zuerst auf mich schauen dass es mir gut geht
– Es ist keine Schande zu trinken, es ist eine Schande nichts dagegen zu tun!

Natürlich liebe ich meine (Ex-)Freundin immer noch, aber ich gehe kaputt wenn sie trinkt. Ich komme damit nicht klar. Die Suchtproblematik wird sie für den Rest ihres Lebens mit sich tragen auch wenn es vielleicht mal eine Zeit geben wird wo sie gar nichts trinkt
Ich vermisse sie sehr und leide an akutem Liebeskummer. Ja, es bricht mir das Herz. Ich bin mir sicher dass es besser wird. Meiner (Ex-)Freundin bin ich nicht böse oder schiebe ihr die Schuld zu.

Die Frage warum jemand trinkt ist für uns „Nicht“ Trinker nicht zu verstehen. Die meisten wissen nicht warum sie trinken. Es ist eine Abwärtspirale aus der man sich ohne Hilfe nur schwer retten kann.

Ich habe aber auch positives zu berichten. Meine „Ex-„Freundin hat sich für eine mehrmonatige Therapie angemeldet, also nicht nur einen Entzug. Ich wünsche mir natürlich sehr dass sie ihr Leben wieder in den Griff bekommt, insgeheim möchte ich mit ihr glücklich sein. Das geht aber nur ohne Alk. Mal schauen wie es weitergeht.

Wie Du siehst, bist du nicht allein mit diesem Problem!

Falls ich dir überhaupt einen Rat geben kann, würde ich dir folgendes raten:
Suche Hilfe für Dich und schaue dass es Dir gut geht! Es gibt diverse Organisationen die Hilfe anbieten.

P.S. Ich kenne immerhin 3 Alkoholiker die mittlerweile mehrere Jahre komplett abstinent sind. Es ist also nicht unmöglich ohne Alkohol zu leben.

Schau gut auf Dich und pass auf dich auf

Freddy

Tamara antwortete vor 6 Jahren

@peter

Vielen dank für die guten Ratschläge. Es tut mir gut zu hören, dass mich jemand vesteht. Ich werde sicher dran bleiben und ihm versuchen zu überzeugen, dass eine Suchtberatung weiterhin eine gute Lösung wäre.

Lieben Dank
Tamara

Tamara antwortete vor 6 Jahren

@Freddy

Du sprichst mir von der Seele. Ich bin genau in dieser Situation. Habe wirklich auch angefangen mehr auf mich zu schauen. Unternehme mehr mit anderen Leuten, gehe spontan weg. Was nun aber leider dazu geführt hat, dass mein Freund meint ich habe mich verändert. Ich gehe ihm aus dem Weg, wolle keine Zeit mit ihm verbringen. Es fällt ihm also auf dass ich mehr auf mich schaue, aber wieso ich das tue ist ihm noch nicht klar.

Es wird sicher noch eine lange Zeit vergehen bis sich das Alkoholproblem bessert. Ich hoffe für ihn und für unsere Beziehung. Aber du hast schon recht, wenn es den Partner kaputt macht, ist es besser sich zu trennen.

Vielen Dank für deine offenen Wort und ich hoffe für dich dass deine Exfreundin ihre Therapie durchsteht und ihr vielleicht nochmals eine Chance bekommt.

Tamara

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