Zwangseinweisung wegen Alkohol

Anonym fragte vor 4 Jahren

Meine Mutter ist Alkoholikerin. Leider ist es in den letzten Monaten so schlimm geworden, dass weder Ihr Mann noch wir weiter wissen. Egal wie sehr wir uns bemühen, wir können diesen Teufelskreis nicht brechen. Meine Mutter blockt jeden versuch über dieses Thema zu sprechen sofort ab. Sie wird dann jeweils sehr agressiv und beleidigend gegen alle, die Sie doch eigentlich lieben! Ihr Mann wird Sie über kurz oder lang verlassen, da er mit der Situation überfordert ist. Wir denken jetzt über eine Zwangseinweisung nach. Können Sie mir bitte sagen, ob es eine solche Möglichkeit gibt?

peter antwortete vor 4 Jahren

Guten Tag, willkommen im Forum. Menschen mit Suchtproblemen versuchen oft ihre Suchtmitteleinnahme zu verbergen oder zu verleugnen. Das Ansprechen auf die Suchtproblematik ist ein heikles Thema und wird von den Süchtigen oft heruntergespielt und/oder auf andere Ursachen abgewälzt. Zudem wird es als Vorwurf verstanden das sich in aggressivem Verhalten oder Beleidigungen zeigt. Dieses Verhalten kann zu erheblichen Belastungen in der Familie führen.
Das Thema der Zwangseinweisung ist ein spezielles Thema. Es gibt gesetzliche Bestimmungen, wann jemand gegen seinen Willen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden darf. Das Thema der Zwangseinweisung findet man unter dem Begriff Fürsorgliche Unterbringung.
Eine „Zwangseinweisung“ muss durch einen Arzt oder durch die Erwachsenenschutzbehörde (KESB) erfolgen. Unter dem nachfolgenden Link vom Beobachter finden Sie nähere Informationen über die Fürsorgliche Unterbringung.

http://www.beobachter.ch/justiz-behoerde/gesetze-recht/artikel/fuersorgerische-unterbringung_in-die-klinik-und-dann/

In Ihrer Situation empfehle ich aber zuerst den Hausarzt Ihrer Mutter zu kontaktieren. Oft ist es der Hausarzt der die Geschichte seiner Patienten sehr gut kennt und entsprechend Beraten und Hilfe anbieten kann.
Für Sie als Angehörige besteht aber auch die Möglichkeit eine Suchtberatungsstelle zu konsultieren. Mit Hilfe eines Suchtberaters/Suchtberaterin (sind auch ausgebildet in der Beratung von Angehörigen/Freunden etc.) oder eines Psychologen/Psychologin kann Ihre Situation (Ihre verletzten Gefühle, sich Abgrenzen gegenüber Mutter, mit Enttäuschungen umgehen, wie weiter mit Mutter etc.) näher angeschaut werden und für Sie eine geeignete Lösungen erarbeitet werden.
Ich wünsche Ihnen alles Gute
Freundliche Grüsse
Peter

4 Antworten
L.T. antwortete vor 7 Monaten

Ich habe das geiche Problem. Aber bei mir ist es unser Vater. Er will sich nicht helfen lassen. Mit dem Psychiater habe ich mich auch unterhalten aber er sagt wir müssten die Einwilligung haben. Aber eine Zwangseinweisung finde ich sehr dringend. Ich habe denn Artikel gelesen. Aber bin trotzdem hilflos. Brauche dringend hilfe.

Mike (Berater) Mitarbeiter antwortete vor 7 Monaten

Guten Tag L.T.
vielen Dank für ihre Frage. Die ursprüngliche Frage wurde ja vor 4 Jahren gestellt und seit dieser Zeit hat sich hier doch auch Einiges verändert. Für eine Zwangseinweisung – bzw. fürsorgerische Unterbringung (FU) wie sie heute genannt wird – ist die KESB zuständig. Diese ist kantonal organisiert und sie müssten sich somit direkt bei der zuständigen KESB melden.
Ich kann ihnen aber leider nicht garantieren, dass es wirklich zu einer FU kommen wird, da dies a) ein massiver Eingriff in die Eigenständigkeit eines Menschen ist und b) Alkoholkonsum ja nicht verboten ist und ihr Vater keine Hilfe annehmen muss.
Für den Kanton Bern ist das wie folgt beschrieben:

Voraussetzungen für eine fürsorgerische Unterbringung

  • Die betroffene Person leidet an einem Schwächezustand aufgrund einer psychischen Störung (dazu gehören auch Suchterkrankungen), einer geistigen Behinderung oder einer schweren Verwahrlosung. Dabei werden die Belastungen und der Schutz von Angehörigen und von Dritten berücksichtigt.
  • Die nötige Betreuung oder Behandlung der betroffenen Person kann nur durch eine Unterbringung in einer geeigneten Einrichtung sichergestellt werden.

Die betroffene Person hat das Recht, eine Vertrauensperson beizuziehen, die sie während der Unterbringung unterstützt. Sie muss entlassen werden, sobald die Voraussetzungen für ihre Unterbringung weggefallen sind. Für die Anordnung einer FU ist die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) zuständig.

Ich mache ihnen  Mut sich auf jeden Fall bei der zuständigen KESB zu melden und ihre Situation zu schildern. Ich mache ihnen aber auch Mut, sich Unterstützung für sie selber zu holen, denn auch wenn ihr Vater aktuell keine Hilfe annehmen will, so belastet diese Situation ja auch sie sehr stark. Auf den Beratungsstellen beraten wir immer auch die Angehörigen, welche oftmals ja mehr leiden als die Betroffenen.
Liebe Grüsse
Mike

Friesen antwortete vor 3 Monaten

Guten Tag, mein Freund ist Alkoholiker, war mehr mals in der Klinik, und hat über 14 Wochen Rehabilitation in Spezial Einrichtungen gemacht . Die längste trocken Zeit betrag 9 Monate .zur zeit beträgt sie 2 Wochen. Hat alles verloren ( sogar Dach über den kopf) . Alle seinen verwandten haben sich von ihn abgewenget, damit er nicht irgendwo unter der Brücke wohnen muss hab ich ihn rein gelassen. Unter der Bedingung das er bereit ist sein Leben wieder in Griff zu bekommen. Hab jetzt alles versucht, es hilft einfach nichts, bin mit meinen Kräften auch am Ende, weiss nicht mehr weiter. Habe 2 minderjährige Kinder  und habe keine Lust die beiden wegen meinen Freund zu verlieren. Er tut nichts gegen Alkohol und hat nicht vor zu gehen. Wird oft dann beleidigend , und fängt an zu drohen. Was kann ich als nicht verwandte tun? Alle Gespräche der Welt und Hilfe die ich ihm gab haben nichts gebracht.

Antje Mohn Mitarbeiter antwortete vor 3 Monaten

Guten Tag Friesen und L.T.
Ich arbeite als Suchttherapeutin an einer Beratungsstelle und versuche nun, Eure beiden Anliegen zusammen zu beantworten. Ihr beide seid mit einer Situation konfrontiert, die Euch sehr hilflos und ohnmächtig macht. Bei dir, Friesen, ist es dein Freund, der seinen Alkoholkonsum nicht verändern will, bei dir, L.T., dein Vater. Beide wollen sich nicht helfen lassen. Ihr habt schon viel probiert, viel gesprochen, mit anderen nach Lösungen gesucht. Alles hat nichts genützt. Eine Zwangseinweisung scheint dann wie die letzte rettende Idee zu sein, ist aber selten eine gute Lösung.
Du, Friesen, hast deinen Freund unter einer klaren Bedingung bei dir aufgenommen, nämlich dass er etwas tun muss, um sein Problem in den Griff zu bekommen. Dies hat er nicht getan, das ist seine Entscheidung gewesen, für die er nun auch die Verantwortung tragen muss. Ich denke, es ist nun an der Zeit, dass er sowohl deine Grenze, als auch die Konsequenzen seines Verhaltens spürt. Wenn Du nun nicht mehr willst, dass er bei Dir wohnt, weil Du das nicht mehr kannst, ist dies Dein volles Recht und er muss gehen. Evtl. kannst Du ihm noch eine Nummer für eine Notschlafstelle, z.B. von der Heilsarmee mitgeben. Was er damit macht, dafür ist er dann selbst verantwortlich. Wichtig ist: Du bist nicht für ihn verantwortlich!!!
Dir, L.T. würde ich empfehlen, Dir konkrete Hilfe und Unterstützung in einer Suchtberatungsstelle z.B. vom Bauen Kreuz zu holen. Dort kann man die Situation deines Vaters genauer mit Dir anschauen und nach einer Lösung suchen (was Du tun kannst, welche Verhaltensmöglichkeiten Du hast, wie Du Dich abgrenzen kannst…).
Ich hoffe, ich konnte Euch fürs erste weiter helfen. Bei weiteren Fragen könnt Ihr Euch gerne wieder hier melden.
Alles Gute!

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