«Ich will zu einer guten Gesprächskultur beitragen»

23 Januar 2020

Interview mit dem neuen Zentralvorstandsmitglied Mark Moser

Am 22. Juni 2019 wählten die Blaukreuz-Delegierten Mark Moser und Daniel Röthlisberger in den Zentralvorstand. Wer sind diese Personen, was treibt sie an und was möchten sie im Blauen Kreuz bewirken?

Blaues Kreuz: Warum hast du dich um einen Vorstandssitz im Blauen Kreuz Schweiz beworben?

Mark Moser: Ich wurde angefragt. Das Thema «legale Suchtmittel» liegt mir am Herzen. Von meiner Berufstätigkeit kenne ich die Schäden aus dem Drogenkonsum in Form von Verlust der Selbstbeherrschung und Gewalt.

Was gefällt dir besonders am Blauen Kreuz?

Das Blaue Kreuz arbeitet pragmatisch und hilft jedem, auch den einfachen Leuten. Die Angestellten und Freiwilligen des Blauen Kreuzes wirken auf mich authentisch.

Was bedeutet dir die christliche Grundlage des Blauen Kreuzes?

Für mich zählt, dass wir Menschen helfen, was ja zum christlichen Menschenbild gehört. Sinn und Zweck des Blauen Kreuzes ist es, Menschen mit Suchtproblemen zu helfen. Für mich steht die Nächstenliebe im Mittelpunkt, denn sie ist die Essenz des christlichen Glaubens: Liebe, die andere einschliesst, und Dasein für die Schwachen. An meinem Wohnort engagiere ich mich in der reformierten Kirche.

Was bedeutet dir die Vereinsform des Blauen Kreuzes?

Mir gefällt, dass das Blaue Kreuz in der Zivilgesellschaft stark verankert ist. Das spricht übrigens nicht gegen eine Zentralisierung. Ich meine, wir sollten unsere Aufgaben so weit wie möglich bündeln, sonst gehen wir ein. Die Vereinsform ist hierbei kein Hindernis.

Wo liegen deiner Meinung nach die grössten Herausforderungen des Blauen Kreuzes?

Wir sollten nicht einander intern bekämpfen, sondern nach aussen einheitlich auftreten. Wenn wir nur das eigene Gärtchen pflegen, lassen wir Energie verpuffen und verlieren an Relevanz in der Gesellschaft. Wir müssen uns darüber klar werden, welchen Mehrwert wir der Gesellschaft bringen egal, wer was beiträgt. Wenn beispielsweise der Dachverband mit einer neuen Dienstleistung eine halbe Million Franken zusätzlich einnehmen kann, dann finde ich es schade, wenn Mitgliederverbände ihn daran hindern. Die Herausforderung liegt meiner Meinung nach darin, Win-win-Situationen zu schaffen. Eine weitere Herausforderung sehe ich bei der Professionalisierung, vor allem wenn ich mir jene Organisationen anschaue, die schneller und agiler sind als wir.

Was möchtest du beim Blauen Kreuz bewirken?

Ich möchte dazu beitragen, dass vermehrt eine Win-win-Kultur gelebt wird und dass wir in der Öffentlichkeit stärker präsent sind.

Welche Fertigkeiten möchtest du einbringen?

Menschen mit einer unguten Gesprächsdynamik möchte ich zusammenbringen und so zu einer guten Gesprächskultur beitragen. Ferner möchte ich meine Erfahrungen in der Führung von Non-Profit-Organisationen einbringen.

Du hast die Berner Kantonspolizei bei der Befragung von Einwanderern u. a. aus Afrika beraten. Welche Rolle spielten dabei Sucht und Drogenhandel?

Ich kenne vor allem den Bereich des Drogenhandels. Meine Aufgabe ist es, Staatsanwälte, Polizisten und Personen, die die Einwanderer befragen, zu unterstützen, damit sie diese so befragen, dass es für sie einfacher wird, die Wahrheit zu sagen. Bei einer Befragung oder einer Einvernahme spielen Macht und Kultur eine wichtige Rolle.

Wo siehst du beim Blauen Kreuz Defizite bei der interkulturellen Kompetenz?

Ich kenne das schweizerische Blaue Kreuz noch zu wenig. Früher habe ich Suchtberater beim bernischen Blauen Kreuz in interkultureller Kompetenz geschult; ich bin überzeugt, dass diese Kompetenz wichtig ist.

Welche Angebote könnte das Blaue Kreuz für bestimmte Einwanderergruppen aufbauen?

Niederschwellige Beratungsangebote dort, wo sich die jeweiligen Gruppen aufhalten. Eritreer zum Beispiel werden kaum im «Hotel Kreuz» in der Berner Altstadt eine Suchtberatung aufsuchen …

Welche Nationalitäten sind für den Alkoholismus besonders anfällig?

Hauptsächlich Menschen aus Eritrea und Sri Lanka. Eine weitere Voraussetzung scheint mir zu sein, Präventionsangebote so zu gestalten, dass sie die Einwanderer tatsächlich erreichen. Für einen Eritreer oder Sri-Lanker hat die Zukunft einen anderen Stellenwert als für uns. Heute etwas zu tun, damit man in fünf Jahren keine Zahnschäden hat, leuchtet vielen nicht ein.

Wo soll das Blaue Kreuz in zwanzig Jahren stehen?

Wir brauchen Angebote, die alle gesellschaftlichen Gruppen ansprechen, nicht nur, bildlich gesprochen, den ländlichen Schweizer, der an Gott glaubt. Es braucht Angebote für Städter, für Lesben – für jedermann. Was die Organisation angeht, meine ich, sollten wir näher zusammenrücken. Ich wünsche mir einen einzigen Auftritt, eine einzige Organisation und viele Freiwillige.

Mark Moser

  • Jahrgang 1973, verheiratet, zwei Kinder
  • Als Kind Schweizer Eltern in Papua-Neuguinea aufgewachsen, mit 13 Jahren in die Schweiz gekommen
  • 2005–2012 Geschäftsführer des Inter-nationalen Blauen Kreuzes
  • Seit 2012 selbständiger Coach und Berater in Konfliktlösung und interkultureller Kompetenz
  • Ausbildung als Apothekergehilfe, Weiterbildungen in Führung, Moderation und Konfliktlösung, Masterabschluss in Friedens- und Konfliktforschung

Quelle: „Blaues Kreuz“ 1/2020







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