Alle 41 Stunden stirbt ein Mensch auf Schweizer Strassen. Am Dienstag, 27. Februar stimmt der Nationalrat ĂŒber eine Lockerung der Bestimmungen im Programm Via sicura ab (Motion KVF-S 17.3632) und damit ĂŒber Massnahmen, die diese Tote verhindern könnten. Obwohl nach wie vor vier Verkehrstote pro Woche zu beklagen sind, wollen der StĂ€nderat und die vorberatende Kommission des Nationalrates die Bestimmungen von âVia sicuraâ lockern. Besonders störend: Darunter sind Massnahmen, die zwar beschlossen, aber noch gar nicht umgesetzt wurden.
Unter anderem geht es dabei um die Frage, ob zukĂŒnftig die sogenannten Alkoholwegfahrsperren eingefĂŒhrt werden sollen. Damit wird durch einen Atemtest wirkungsvoll verhindert, dass Betrunkene andere Verkehrsteilnehmende und sich selber gefĂ€hrden. Philipp Hadorn, PrĂ€sident des Blauen Kreuzes Schweiz und selber Nationalrat meint dazu: âEs ist unverstĂ€ndlich und unverantwortlich, dass sowohl der StĂ€nderat wie auch die vorberatende Kommission im Nationalrat diese Lockerungen unterstĂŒtzen. Die Alkoholwegfahrsperre ist weder Schikane noch Luxus, sondern ein bewĂ€hrtes und vernĂŒnftiges Instrument, um Verkehrstote und Unfallopfer auf unseren Strassen zu reduzieren.â
Alkoholwegfahrsperren werden in die Fahrzeuge von Personen eingebaut, die entweder mit ĂŒber 1,6 Promille Alkohol im Blut oder schon drei Mal mit ĂŒber 0,5 Promille erwischt wurden. Dieses GerĂ€t lĂ€sst das Fahrzeuge nur starten, wenn der Fahrer mit einer Atemprobe nachweist, dass er nĂŒchtern ist.Dass diese Massnahme Sinn macht, zeigen die positiven Erfahrungen in mehreren europĂ€ischen LĂ€ndern. Mit vergleichsweise geringem Aufwand können schwere UnfĂ€lle und damit verbunden viel Leid und hohe Folgekosten vermieden werden. Die Beratungsstelle fĂŒr UnfallverhĂŒtung bfu geht davon aus, dass alleine mit dieser Massnahme jĂ€hrlich zwischen drei bis fĂŒnf TodesfĂ€lle und 40 bis 60 Schwerverletzte im Strassenverkehr vermieden werden könnten. Daher wurde diese Massnahme auch vom Parlament verabschiedet. Dass diese Massnahme nun bereits vor der Umsetzung gestoppt werden soll ist aus Sicht des Blauen Kreuzes absolut unverstĂ€ndlich. Dazu Philipp Hadorn, der als Verkehrspolitiker auch Mitglieder der zustĂ€ndigen Kommission ist: âIch hoffe auf die Vernunft meiner Ratskolleginnen und -kollegen: Es braucht jetzt den Mut, sich fĂŒr mehr Sicherheit auf unseren Strassen einzusetzen.â
Infobox
FĂŒr die EinfĂŒhrung der Alkohol-Wegfahrsperre sprechen mehrere Argumente:
- Alkohol-Wegfahrsperren sind ein wirksames Mittel zur Reduktion von Toten und Schwerverletzten im Strassenverkehr. GemĂ€ss bfu könnten pro Jahr drei bis fĂŒnf TodesfĂ€lle und 40-60 Schwerverletzte verhindert werden. Und das zu sehr geringen Kosten. Entsprechend wird die Massnahme auch vom bfu unterstĂŒtzt.
- Die EinfĂŒhrung der GerĂ€te löst das Vollzugsproblem â viele Betroffene ignorieren den Ausweisentzug einfach und fahren trotzdem. Mit der EinfĂŒhrung der AlcotestgerĂ€te wird dem ein Riegel geschoben.
- Schweden, Finnland, Ăsterreich und Polen haben diese Massnahme bereits eingefĂŒhrt und positive Erfahrungen gemacht.
- Menschen mit einem Suchtproblem werden vor sich selber geschĂŒtzt. Die Erfahrungen in Schweden zeigen, dass die EinfĂŒhrung dieser Massnahme zu einer Verbesserung das Alkoholkonsums bei den Betroffenen beigetragen hat.
Weitere Informationen:
Zu der Motion: https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20173632
Zu den Wegfahrsperren: https://www.tcs.ch/mam/Digital-Media/PDF/Booklets/Alkohol-Wegfahrsperre.pdf
Zu Via sicura: https://www.astra.admin.ch/astra/de/home/themen/verkehrssicherheit/via-sicura.html
Weitere Fragen beantwortet Ihnen Philipp Hadorn, Nationalrat und PrÀsident des Blauen Kreuzes Schweiz, gerne:
philipp.hadorn(at)blaueskreuz(dot)ch, +41 79 600 96 70