Das Schweigen brechen
Auf Initiative des ehemaligen Suchtbetroffenen Oliver Baer und in Zusammenarbeit mit dem renommierten Fotografen Sven Germann konnte das Blaue Kreuz vier Personen gewinnen, die ihr Gesicht zeigen und das Stigma rund um Alkoholprobleme brechen wollen. Die vier Beteiligten reissen auf Plakaten und in kurzen Videoporträts das Schweigen vom Mund. Die Botschaft: Alkoholprobleme dürfen kein Tabuthema sein. Begleitet wird die Kampagne durch eine Landingpage sowie Videointerviews auf dem YouTube- und Instagram-Kanal des Blauen Kreuzes Schweiz.
«Die fiese Fratze der Sucht»
Alkohol hat in der Gesellschaft einen festen Platz. Ob beim Firmenapéro, an Geburtstagsfeiern oder beim Essen: Wer keinen Alkohol trinken möchte, muss sich oft erklären. Gleichzeitig erleben Menschen mit problematischem Alkoholkonsum oder einer Abhängigkeit häufig Ablehnung und Unverständnis.
Mit dem diesjährigen Motto «Verstehen statt verurteilen» will der Nationale Aktionstag Alkoholprobleme auf dieses Spannungsfeld aufmerksam machen und zur Entstigmatisierung beitragen. Marc Sway beschreibt diesen schleichenden Übergang eindrücklich: «Der Übergang vom Geniessen zum Sich-Verlieren passiert oft unbemerkt, das ist die fiese Fratze der Sucht.»
Prominente Stimmen für mehr Offenheit
Für Arina Luisa war die Teilnahme an der Kampagne «ein No-Brainer». Es sei wichtig, offen über Alkoholprobleme zu sprechen und Unterstützung anzunehmen. «Wenn man betroffen ist, ist man in einem Tunnel und denkt: ‘Ich bin ganz allein’», so die 28-Jährige.
Charles Nguela betont, wie schwierig problematischer Alkoholkonsum häufig zu erkennen sei: «Alkohol ist die akzeptierteste Droge in der Gesellschaft. Deshalb merkt man oft erst spät, wann daraus ein Problem wird.»
Auch Oliver Baer hätte sich rückblickend gewünscht, früher offen über seine Alkoholabhängigkeit sprechen zu können. Heute setzt er sich dafür ein, dass Betroffene ohne Vorurteile Unterstützung erhalten. «Wenn ihr in eurem Umfeld das Gefühl habt, dass jemand ein Alkoholproblem haben könnte, dann geht auf die Person zu, aber ohne Verurteilung», sagt Oliver Baer.
